Bei den Prognosen 2012 wurden insgesamt die Prognosen von 58 Banken erfasst, die in Euro am Sontag (49/2011), diversen dpa-Meldungen, im Handelsblatt vom 29.12.2011 sowie in der Welt am Sonntag online am 02.01.2012 veröffentlicht wurden. Bestand bereits eine Prognose einer Bank, dann wurde die zeitlich aktuellste Prognose genommen. Während es kaum Prognoseabweichungen zwischen Anfang Dezember und Anfang Januar gab, wurden vereinzelt Kursziele beim Goldpreis aufgrund des Preisrückgangs zurückgenommen, lediglich die BNP Paribas senkte die Kursziele für die Aktienmärkte sehr deutlich nach unten.
Nun gab es in diesem Jahr viele Presseartikel, wie stark die Bankanalysten mit ihren Schätzungen für 2011 an der Realität vorbeigingen. Macht demnach eine Auswertung der Daten Sinn, wenn die Analysten beim Raten der Zahlen ohnehin schiefliegen? Worin liegt der Wert dieser Prognosen?
Das reine Raten von Zahlen und auch eine Orientierung an „fairen Werten“ ist nur eine Annäherung für eine Prognose, da die Kurse oftmals um ihren Basistrend fluktuieren und mal unter- und mal überbewertet sind. Interessant sind Cluster bei den Prognosen, da sie als Unterstützung und Widerstand im Jahresverlauf agieren.
Anfang Januar 2011 schrieb ich aufgrund der Bankenprognosen zum DAX folgendes:
Der DAX war global betrachtet ein Outperformer und die Banken sind in der Summe sehr optimistisch für die Entwicklung in 2011. Ausgehend vom Jahresendstand von 6.914 Punkten liegt die durchschnittliche Erwartung bei einem Anstieg auf 7.617 Punkten. Dies entspricht einem Anstieg von knapp über 10% und liegt damit über dem historischen Mittel, da die Banken in der Summe ein Plus von 6-7% schätzen, da sie die langfristigen Performancezahlen gerne als Prognose für das kommende Jahr rechnen.
Im DAX beginnt der Überraschungspfad auf der Oberseite erst oberhalb von 8.000 Punkten und damit eigentlich bei neuen Allzeithochs. Sehr viele Schätzungen liegen zwischen 7.400 und 7.700 Punkten, der Median liegt bei 7.617 Punkten. Insofern ist auf der Oberseite der Bereich um 7.500-600 Punkten als ein sehr starker Widerstand anzusehen, da sehr viele Banken dann ihr Ziel als erreicht ansehen würden. Auf der Unterseite beginn der Überraschungspfad unterhalb des aktuellen Niveaus bzw. unterhalb von 6.800 Punkten, hier liegen nur noch drei Prognosen. Die Einschätzungen der Banken, dass der DAX wie in 2010 ein Outperformer sein wird, wirken unwahrscheinlich.
Die bullishe Einschätzung der Banken war für die ersten Monate 2011 die grundsätzlich richtige Entscheidung, der DAX toppte in dem Bereich, indem sich das Gros der Prognosen befand, da die Abgabebereitschaft deutlich zunahm. Die Beschleunigung auf der Unterseite begann unterhalb von 6.500 Punkten, hier war eine Prognoselücke vorhanden und hier lag das Märztief 2011. Als diese Marke im Sommer brach, folgte ein scharfer Preisrückgang, da die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß überrascht wurden.
Zudem konnte man die anhaltende Outperformance von Wall Street an den relativ vorsichtigen Renditeschätzungen erkennen, der Median der Schätzungen für den S&P 500 lag bei 1.342 Punkten und bildete ebenfalls den Beginn der Toppingphase.
http://www.wellenreiter-invest.de/Wordpress/?p=127
Interessant war zudem die Umfrage von Euro am Sonntag nach dem ersten Halbjahr 2011. Zum einen war die erwartete Schwankungsbreite viel zu gering. Im Beitrag am 12.07. konnte der Überraschungsfaktor „deflatorische Entwicklung“ auch anhand der Einschätzungen der Analysten bei den Anleihen besser erkannt werden, da die Anleihen bereits einen Aufwärtstrend zeigten und die Analysten unisono fallende Kurse erwarteten, lediglich die Bayerische Landesbank erwartete mit Kursen von 126 Punkten ein Beibehalten des damaligen Niveaus.
Was zeigen nun die Prognosen für das Jahr 2012 an?
Ein erster auffälliger Aspekt ist die Unsicherheit der Analysten, die sich in einer vergrößerten Spanne bei den Schätzungen (z.B. im DAX 50%) äußert, die dadurch aber weniger Überraschungspotential für große Schieflagen bietet und damit in letzter Konsequenz zu einer niedrigeren Volatilität als in den letzten 6 Monaten führen dürfte- dies ist vielleicht die erste Überraschung des Jahres 2012.

Im DAX liegt der Median der Schätzungen bei 6.533 Punkten, damit wird ein Zuwachs von knapp 11 Prozent für 2012 erwartet. Diese Erwartungshaltung liegt deutlich oberhalb der durchschnittlichen langfristigen Entwicklung, daher erwarten die Banken nach dem Verlustjahr 2011 ein Aufholpotential für die 30 größten deutschen Aktienwerte. Neben dem Median bei 6.533 Punkten befindet sich auch das Gros der Prognosen im Bereich von 6.500 Punkten +/-100 Punkten. Dieser Bereich stellt das Märztief 2011 und damit das untere Ende der Toppingphase in 2011 dar. Auf diesem Niveau wäre mit einer starken Abgabebereitschaft zu rechnen, so dass der Bereich 6.400-500 Punkte für das erste Halbjahr 2012 im besten Fall die Obergrenze darstellen sollte. Kurse unterhalb des Dezembertiefs 2011 würden eine negative Überraschung darstellen und den Verkaufsdruck erhöhen, dabei würden dann sehr wahrscheinlich etliche der bullishen Kursziele gesenkt werden.

Im Euro Stoxx 50 liegt der Median der Erwartungen bei 2.458 Punkten und damit auf einem Zuwachs von etwa 6,5 Prozent. Damit sind die Banken gegenüber dem DAX vorsichtiger in ihren Erwartungen. Es existieren dabei im Bereich 2.400-500 sowie 2.600-700 Punkte das Gros der Analystenschätzungen. Daher notiert der Euro Stoxx 50 zu Jahresbeginn direkt an einem ersten Widerstandsbereich, der sich aus den Bewegungshochs von Oktober und Dezember ergibt. Damit liegt der Pfad der positiven Überraschung etwas niedriger als im DAX, da das Märztief 2011 bei 2.800 Punkten lag und die größere Vorsicht der Banken der Underperformance in 2011 geschuldet ist. Der positive Überraschungspfad beginnt nach den Prognosen erst oberhalb von 2.600 Punkten (würde im DAX dem Überwinden des Bereiches 6.500/600 Punkte entsprechen), dann wäre ein Anstieg auf Minimum 2.800 Punkte, wahrscheinlich aber bis an die Zwischenhochs um 3.000 Punkte zu erwarten.
Der negative Überraschungspfad beginnt erst bei neuen Tiefs unterhalb von 2.000 Punkten. Die Vorsicht der Banken spricht für 2012 per Saldo nicht für eine weitere bedeutende Underperformance gegenüber dem DAX.
Der US-Kapitalmarkt wird differenzierter von den Banken bewertet. Da im Nasdaq 100 lediglich 4 Prognosen vorliegen, wird auf eine Darstellung verzichtet. Die wenigen Prognosen mögen das Bild etwas verzerren, aber bei Technologiewerten ist der Optimismus ausgeprägt – die Schätzungen liegen bei 2.500 (2x), 3.000 und 3.100 Punkten, so dass sich ein Median von 2.775 Punkten ergibt.

Die meisten Schätzungen existieren für den S&P 500. Der erwartete Durchschnittswert liegt bei 1.339 Punkten und damit um 6,5% höher als das Jahresende 2011. Der erwartete Zuwachs für den S&P 500 liegt damit auf demselben Niveau wie für den Euro Stoxx 50. Damit erwarten die Bankanalysten keine Fortsetzung der Outperformance, wie sie in 2011 zu beobachten war. Die obere Handelsspanne des Jahres 2011 spielt bei den Analystenschätzungen eine große Rolle, da viele Schätzungen im Bereich um 1.350 Punkten +/-30 Punkte liegen. Ein Ausbruch über die 2011er Hochs wäre der positive Überraschungspfad für 2012 und würde auf der Oberseite wahrscheinlich zu einer Beschleunigung führen, die in den Bereich der 2000/2007er Hochs bei 1.500-50 Punkten führen würde. Eine negative Überraschung wäre es für die Analysten, wenn der S&P 500 das Jahr 2012 in der Nähe der 2011er Schlussstände (z.B. 1240 Punkte) beenden oder wenn der S&P 500 die Novembertiefs (1.158 Punkte) unterschreiten würde, so dass unterhalb dieses Preisniveaus sich die Abwärtsbewegung in Richtung der 2011er Tiefs verstärken würde. Die Vorsicht der Analysten gegenüber dem US-Aktienmarkt spricht auf Jahresbasis dafür, dass der US-Aktienmarkt nicht zur Underperformance gegenüber Europa/DAX neigen sollte.

Der Dow Jones Industrial Average war der Outperformer innerhalb der US-Aktienindizes, ihm wird durchschnittlich ebenfalls ein Zuwachs von etwa 6,5% zugetraut. Der Median der Schätzungen liegt bei 13.006 Punkten und oberhalb von 13.000 Punkten beginnt der Pfad der positiven Überraschung.

Die Anzahl der Schätzungen gegenüber dem japanischen Aktienmarkt gehen in den letzten Jahren zurück, mittlerweile waren nur noch 9 Schätzungen zu finden und die Entwicklung der Währungspaare Euro/Yen oder USD/Yen wurde von Seiten der Medien nicht mehr gestellt. Diese Entwicklung stellt auch ein Anzeichen für das langsam schwindende Interesse an Japan dar. Und natürlich liegen die Banken in Bezug auf Wechselkurs- und Aktienmarkteinschätzung seit so vielen Jahren schief, dass Japan ganz kontinuierlich aus dem Scheinwerferlicht der Analysten gerät. Die verbliebenen Mohikaner sind aber überdurchschnittlich optimistisch für den japanischen Aktienmarkt gestimmt, hier wird ein Zuwachs von 14% erwartet. Da der japanische Aktienmarkt auf dem niedrigsten Niveau seit 1982 geschlossen hat, mag der Optimismus für einen Turnaround verständlich sein, er erscheint aber unwahrscheinlich. Eine Überraschung wären Kurse zwischen 8.750-9.250 Punkte, die nicht erwarten werden oder Kurse unter 8.000 Punkte. Eine positive Überraschung wären erst Kurse über der runden Marke von 10.000 Punkten bzw. oberhalb von 10.100 Punkten. Dieser überdurchschnittlich große Optimismus lässt erwarten, dass der Nikkei 225 ein relativer Underperformer bleiben wird, auch wenn die relativ niedrige Anzahl der Schätzungen ein genereller Malus für die Analyse darstellt.

Bei den Zinsen erwarten die Banken wie in jedem Jahr einen Zinsanstieg, der im BUND-Future etwa ein halbes Prozent ausmachen soll. Die Medianschätzung liegt bei 2,43 Prozent und bei den Einzelschätzungen liegen sehr viele Schätzungen bei 2,4/5 Prozent. Der Überraschungspfad beginnt oberhalb von 2,8 Prozent und unterhalb von 2,2 Prozent. Der Bund-Future liegt momentan auf einem Renditeniveau von unter 2 Prozent und damit in einer Renditezone, die von den Banken nicht erwartet wird. Neue Renditetiefs würden den Anpassungsdruck bei den Anlegern verstärken und der deflationäre Trend wäre für das Gros der Anleger überraschend intakt. Eine große Zinswende erscheint für den Bund Future zunächst unwahrscheinlich.

Beim Euro/USD ergibt sich eine sehr deutliche Spreizung der Schätzungen der Banken und keine Gaus‘sche Kurvenverteilung. Die Parteien stehen entweder im Lager 1,25/30 oder im Lager 1,35/40 USD, so dass von den Bewegungen nur unterhalb von 1,25 der negative und oberhalb von 1,40 USD ein positiver Überraschungseffekt entsteht. Eine Trendfortsetzung eines fallenden Euro/USD wird nicht erwartet, der Median der Schätzungen liegt bei 1,33 USD und damit nur sehr wenig verändert gegenüber den Schlusskursen 2010 und 2011. Daher deutet sich im Euro/USD zunächst das Wandeln auf dem negativen Überraschungspfad an – mit der Folge eines deflatorischen Windstoßes für die anderen Märkte.

Da die Rohstoffpreise in USD angegeben sind, ist die Entwicklung des Euro/USD ein nicht unmaßgeblicher Faktor für deren Preisentwicklung. Bei Erdöl ist zwischen den Sorten Brent und Crude Oil zu differenzieren, hier sagen die Bankanalysten eine Differenz von rund 10 USD zu Gunsten von Brent Oil voraus. Diese Differenz war in etwa der Abstand der beiden Ölsorten zum Jahresende. Bei Erdöl besteht eine starke Widerstandszone bei 110-120 USD, die Medianschätzung liegt bei 106,5 USD. Damit erwarten die Banken bei Erdöl auf Jahresbasis quasi keine Veränderung und das Gros der Analysten erwartet zudem ein Verharren in der Handelsspanne, die bereits seit Ende Februar 2011 nur in einer Handelsspanne von knapp 100 zu 120 USD anhält. Eine solche Handelsspanne wird aber in absehbarer Zeit aufgelöst werden und verspricht dann Trendpotential. Ein Überwinden der Marke von 120 USD wäre für eine Beschleunigung auf der Oberseite notwendig, auf der Unterseite wären Kurse um 90 USD eine negative Überraschung.

Der größte Optimismus bei den Prognosen der Banken existiert beim Goldpreis. Die Medianschätzung von 1.903 USD liegt auf dem Niveau der Jahreshochs 2011 und würde gegenüber dem Schlusskurs von 2011 einem Zuwachs von 21% entsprechen. Die Phase, in der der Goldpreis in einem Jahr stark stieg und die Banken per Saldo einen Rückgang erwarteten, ist damit mehr als vorbei. Die Anzahl der Schätzungen hat ähnlich wie bereits im Vorjahr deutlich zugenommen und das Gros der Analysten erwartet Preise von 1.900 USD +/-100 USD. Für eine positive Überraschung müsste der Goldpreis auf neue Allzeithochs und über die runde Marke von 2.000 USD ansteigen. Der negative Überraschungspfad beginnt unterhalb von 1.750 USD und erst recht auf den aktuellen Niveaus knapp oberhalb von 1.600 USD. Die sehr optimistischen Prognosen sorgen zu Jahresbeginn für eine positive Entwicklung, da hier das meiste Potential gesehen wird. Dieser kurzfristige Effekt sollte aber nicht auf das Jahr hochgerechnet werden. Zudem ist bereits vereinzelt zu beobachten, dass Prognosen korrigiert werden. Heute hatte HSBC die Schätzung von 2.025 USD auf 1.850 USD gesenkt, in 2013 werden dann durchschnittlich 1.800 USD erwartet. Neue Bewegungshochs sind angesichts des großen Optimismus im ersten Halbjahr 2012 nicht zu erwarten, der negative Überraschungspfad unterhalb von 1.750 USD liegt noch immer deutlich oberhalb der aktuellen Preise. Zwei Intermarketfaktoren sind für den Goldpreis wichtig: Zum einen die Entwicklung des Euro/USD, da der Goldpreis in USD abgefragt wurde. Ein fallender Euro/USD wäre hierbei zunächst eine Belastung für die Goldpreisentwicklung in USD. Als Inflationswährung ist die Entwicklung des Ölpreises wichtig. Sollte der Ölpreis deutlich ansteigen, dann würde der Goldpreis profitieren und umgekehrt unter einem Ölpreisrutsch leiden. In der Summe sollte erwartet werden, dass die Hausse des Goldpreises durch die Euro/USD-Entwicklung gebremst wird.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/umfrage-vermoegensverwalter-erwarten-deutliches-dax-plus-11581511.html
Die Banken selbst erwarten für den DAX ein überdurchschnittliches Jahr, deutlich positiver sind aber nach einer Umfrage der DAB Bank die Vermögensverwalter gestimmt, die bei dieser Bank ihre Kundendepots besitzen. Die Mehrheit erwartet einen DAX-Anstieg von 15% und mehr auf über 7.000 Punkte, 15% erwarten sogar einen Kursanstieg von über 35% auf über 8.000 Punkte und damit das Erreichen der Allzeithochs oder sogar neue Kurshochs.
Fazit: Die antizyklische Seele rebelliert und sieht in den Schätzungen der Banken zum DAX, aber vor allem bei den Vermögensverwaltern zunächst zuviel Optimismus für den Aktienmarkt im neuen Jahr. Die Schätzungen für den US-Aktienmarkt als „Leader“ fallen hingegen leicht unterdurchschnittlich aus und orientieren sich sehr stark an der oberen Handelsspanne des Jahres 2011. Sehr wenig Bewegung erwarten die Banken für den Euro/USD, eine Trendfortsetzung der Abwärtsbewegung seit Ende August ist dabei ein Überraschungsfaktor für 2012. Ein solcher Trend übt auf die anderen Märkte einen deflatorischen Druck aus. Ebenfalls sehr wenig Bewegung wird für den Ölpreis erwartet, der Trendpotential besitzt, wenn er aus seiner Handelsspanne ausbricht. Die relative Stärke des Ölpreises auch gegenüber dem schwachen Euro/USD lässt nach einer Schwächephase einen Ausbruch auf der Oberseite wahrscheinlicher werden. Und diese Entwicklung würde mehr Inflation als von den Analysten erwartet bedeuten. Der konjunkturelle Optimismus wird zumindest getestet werden, denn die Analysten erwarten für China ein BIP-Wachstum von durchschnittlich 9%, während die dortige Regierung 7% anstrebt und der chinesische Aktienmarkt mit seiner starken relative Schwäche zunächst negatives Überraschungspotential verspricht. Die in vielen Kommentaren erwartete hohe Volatilität, die sich mitunter auch in 3 aufgestellten Szenarien widerspiegelt, dürfte hingegen nicht zu beobachten sein.
Die Entwicklung der Märkte am Mittwoch und Donnerstag:
Am Mittwoch folgte nach den deutlichen Zugewinnen des ersten Handelstages eine Konsolidierungsbewegung, das Handelsvolumen fiel auf 0,76 Mrd Aktien, das Aufwärtsvolumen lag bei 52%. Das Aufwärtsvolumen der letzten 10 Tage erreicht am Mittwoch mit knapp 64% seinem Hochpunkt und liegt damit deutlich im überkauften Bereich. Für die Frage, wie stark die mittelfristigen Aufwärtskräfte sind, ist ein solcher überkaufter Marktstatus wichtig. Folgt lediglich eine preisliche Konsolidierungsformation, dann sind die Aufschwungkräfte robust und eine Trendfortsetzung ist nach dem Abbau der Überkauftheit zu erwarten. Zuletzt konnte ein solches Verhalten jedoch nicht beobachtet werden.
Bei den Put/Call-Ratios war zwar ein höheres Angstniveau als am Vortag erkennbar – das Put/Call-Ratio notierte bei 0,96, auf Aktien bei 0,96 -, die Tendenz des „smarten Geldes“ zu einer erhöhten Absicherungstätigkeit wurde aber mit dem Wert von 1,78 wieder unterstrichen.
Am Donnerstag stieg das Handelsvolumen leicht an, mit 0,83 Mrd Aktien an der NYSE bleibt aber weiterhin ein relativ geringes Interesse zu beobachten. Das Aufwärtsvolumen lag bei 61%, der 10-Tagesdurchschnitt bleibt im überkauften Bereich bei knapp 61%. Das Put/Call-Ratio an der CBOE lag bei relativ niedrigen 0,81, bei Aktien bei 0,62 und im S&P 100 bei 1,46, so dass keine Extrema beobachtet werden konnten. Bei den Sektoren waren die Sektoren die größten Gewinner, die zuletzt entweder relative Schwäche zeigten (Halbleiter, Disk Drives, Biotech) oder in 2011 relative Schwäche (Banken – nun am Oktoberzwischenhoch, die 200-Tageslinie verläuft 1,5 Punkte oberhalb). Diese Bewegung trägt den Stallgeruch einer Rotationsbewegung, die eine Abwärtsbewegung zunächst verhindert. Ein weiterer Hinweis in diese Richtung ist auch die Entwicklung neuer 52-Wochen-Hochs, die am ersten Handelstag noch bei 202 lag und am Donnerstag auf 98 gesunken war, obwohl der S&P 500 per Saldo leicht höher notierte.
Gegenüber dem Schlusskurs des ersten Handelstages 2012 hat der Dow Jones Industrial Average 19 Punkte, der S&P 500 4 Punkte zulegen können- auf Intradaybasis konnten die Jahreshochs vom ersten Handelstag nicht überquert werden, so dass die letzten beiden Handelstage keine bedeutenden Bewegungen mit sich brachten. Der in der Mittwochausgabe definierte Stopp-Loss bei 1.270 Punkte für die bullishe Einschätzung des S&P 500 im Rahmen seiner „Jahresendrally“ ist am Mittwoch bereits leicht unterschritten worden, so dass sich die Einschätzung wie angekündigt auf neutral ändert. Der Abschluss der ersten Handelswoche bildet der offizielle monatliche Arbeitsmarktbericht, der mit großer Wahrscheinlichkeit den Trend der letzten Monate fortsetzen wird: Die offiziellen Daten fallen schlechter als von der privaten Agentur ADP (325.000 neue Stellen im Dezember) aus, aber die Daten der Vormonate zeigen Aufwärtsrevisionen an, die sich den ADP-Daten annähern. Der Grund für diese Diskrepanz ist die Politik der Amerikaner, die die Lage (von Seiten der Notenbank) bewusst schlechter darstellen, um ihre Anleihenkaufprogramme zu rechtfertigen.
Der Minuspunkt in der globalen Wachstumsagenda kommt weiterhin aus Asien: Schwäche zeigt weiterhin der chinesische Aktienmarkt, der den Handel an den beiden ersten Handelstagen 2012 jeweils im Minus beendete und daran anknüpfend neigen Industriemetalle wie Kupfer zur Schwäche. Der Euro/USD zeigt sich zudem von seiner schwachen Seite und hat neue Verlaufstiefs markiert.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Jean Claude Trichet und Mario Draghi? Der Franzose Trichet sah im Januar Inflationsgefahren, führte zwei Leitzinssatzerhöhungen durch und stärkte damit die europäische Gemeinschaftswährung. Die Entscheidung wurde von vielen „alten Hasen“ am Markt kritisiert, in Bezug auf den Wechselkurs führte es zu einer Erstarkung der europäischen Gemeinschaftswährung. Seit dem 01.11.2011 ist Mario Draghi, ehemaliger Mitarbeiter bei Goldman Sachs, neuer EZB-Präsident und revidierte zunächst die beiden Schritte von Trichet im November und Dezember 2011, so dass es für den Euro/USD hieß: Zurück auf Los! Gestern wurde das Jahrestief 2011 unterboten, so dass die Reisebewegung gen 1,15-20 USD auf dem Weg ist und die Fragestellung darin besteht, ob noch ein oder zwei Leitzinssatzsschritte nach unten in den kommenden Monaten bei der EZB anstehen werden. Zurück auf Los II hieße einen Rutsch auf 1,16-17 USD, denn der Einführungskurses des Buchgeldes Euro vor 13 Jahren lautete im 1,16er Bereich.
Auffällig ist bei den Korrelationen, dass der deflationär wirkende Faktor Euro/USD (bei fallenden Kursen) momentan an US-Aktien vorüber zu gehen scheint und dieser eher von Umschichtungen aus dem Anleihenmarkt zu profitieren scheint. Wie lange diese Divergenz anhalten wird, ist eine andere Frage. Momentan stützen die besser als erwartet ausfallenden Konjunkturdaten den US-Aktienmarkt, der von den Daten eine Wachstumsbeschleunigung anzeigt, während z.B. die Industriemetalle auch unter der Schwäche aus dem asiatischen Raum leiden und die Agrarrohstoffe sehr stark von der Entwicklung des USD abhängen. Der Belastungsfaktor Euro/USD sollte aufgrund der Schwäche der Gegenbewegung in den kommenden Wochen anhalten und dabei auch als ein Deckel für die starken Märkte fungieren.
Absacker:
„Arme Italiener fahren Ferrari“
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807362,00.html
Wir schreiben das Jahr 2012 und die Medien sind randvoll mit dem Staatsschuldenkrise und die Probleme scheinen unlösbar groß. Aber wenn die Nöte groß werden, dann besteht ein Zwang zu Veränderungen und die Menschheit ist erfindungsreich. Erst in der Baisse werden die Fehlentwicklungen einer Hausse aufgedeckt. Die neue Regierung um Mario Monti hat schon einmal rausgefunden, dass bei einer Kontrolle knapp 20% der Ferrari-Fahrer maximal 30.000 Euro brutto verdienen und weitere 20% auf Firmen zugelassen waren, die Verluste machen oder kaum etwas verdienen. Das Ferrari-Beispiel ist ein schönes Mosaiksteinchen in der Beurteilung, inwieweit es möglich ist (wäre), einen ausgeglichenen Haushalt oder auch einen Überschuss im Haushalt zu erwirtschaften. Die Mixtur aus leichten Steuererhöhungen, Überprüfungen bei den Ausgaben mit einer leichten Reduktion, aber vor allem einem Bekämpfen der Schwarzarbeit/des Steuerbetrugs würde in relativ kurzer Zeit eine andere Situation schaffen. Italien kann sich in den kommenden 1-2 Jahren auch 7-8% Zinsen am Kapitalmarkt leisten und in dieser Zeit gilt es zu beweisen, dass Italien eine neue Philosophie in Bezug auf den Staatshaushalt an den Tag legt.