25.03.07- Insiderkäufe als zusätzliche Hilfe bei Investmententscheidungen
Eine Orientierung bei Investmententscheidungen kann das Verhalten der “Insider” sein, damit meint man Führungskräfte aus dem Unternehmen, sei es operativer (u.a. Vorstandsvorsitzender, Finanzchef etc. ) oder Art (Aufsichtsrat). Diese sogenannten Insider müssen ihre Wertpapiertransaktionen der BaFin melden und sind smoit für den Anleger quasi gläsern in ihren Transaktionen. Man darf annehmen, dass diese Personen die Lage des Unternehmens am besten einschätzen können.
Für Verkaufstransaktionen gibt es viele Gründe, mal sind es steuerliche Aspekte, mal werden die Aktien verkauft, die aus einem Optionsprogramm stammen, so dass der “Zuschuss” zum regulären Gehalt realisiert wird. Geldbedarf für ein Haus, einen Porsche, eine Scheidung etc. sind sicherlich die gängstigen Gründe.
Bei Kauftransaktionen gibt es weniger Gründe, hier muss der Glaube an steigende Kurse vorhanden sein, wenn man davon ausgeht, dass der Vorstand über einen gesunden Menschenverstand verfügt (Ausnahme siehe später).
In der Preisschwäche der letzten Wochen haben sich die Insider Deutschlands dann auch in vielen Fällen auf der Kaufseite gezeigt, anbei eine subjektive Auflistung der wichtigsten Transaktionen, die Daten können unter www.insiderdaten.de eingesehen werden.
DAX: Im DAX kommen Insiderkäufe relatvi selten vor, ein Grund sind die Optionsprogramme der DAX-Unternehmen, so dass Aktien bereits ein fester Bestandteil der variablen Vergütung der Führungskräfte entsprechen. Insofern sind Käufe seltener zu beobachten, dann aber umso aussagekräftiger.
Die größten Käufe gab es bei der Münchener Rück (WKN 843002), hier wurden Aktien im Wert von über 1 Million Euro in den vergangenen drei Wochen vom Aufsichtsrat Schmidt (früher Vorstandsvorsitzender Hypovereinsbank) über Vorstandsvorsitzenden Nikolaus von Bomhard (allein im Wert von knapp 500.000 Euro) sowie weiteren Vorständen zwischen 114 und 121 Euro gekauft.
Die Aktie ist gegenüber dem DAX ein Underperformer, eine a-b-c-Korrekturformation zu sehen, ist charttechnisch leicht gewagt, aber mit viel gutem Willen möglich. Eine Rückkehr über ca. 120,50 Euro ist positiv aus charttechnischer Sicht, dies gelang ansatzweise bereits am Freitag.
Aus antizyklischer Sicht ierscheint die Aktie interessant. Das Sentiment ist als sehr bearish einzustufen, da die Underperformance der Rück-Versicherungsaktie fundamentale Gründe zuhauf besitzt. Die Akquisition der US-Tochter verschlingt bis heute viel Geld durch Asbestklagen, so dass diese Akquisition so ähnlich wie die von Chrysler durch Daimler anzusehen ist. Zudem belastet die Aktie die Angst vor einer neuen Hurrikansaison und damit starken finanziellen Belastungen, der Gesamtgewinn soll in 2007 rückläufig sein. Kurzum: Viel negatives ist bekannt, die Folge davon ist, dass die Aktie die einzige neben Südzucker von den großen Werten des DAX/MDAX ist, die nahe ihres Buchwertes notiert und auf ein einstelliges KGV kommt. Damit ist viel negatives eingepreist. Trotz der langfristigen Klimaprobleme hat ein Warren Buffett viel Geld in diese Branche investiert und signalisiert damit, dass das Risiko durch höhere prämien kompesnierbar erscheint. Sicherlich ein sehr langfristiger Gedanke…
Positiv wirken könnten:
1) Generell eine bereits erkennbare stärkere orientierung zum Shareholder. Ein Aktienrückkaufprgramm im Umfang von über 3% wurde jüngst beendet, die Dividendenzahlung wurde für 2006 erhöht und beträgt nunmehr ca. 3,75% Dividendenrendite. Ein neues Aktienrückkaufprogramm wurde noch nicht benannt, es könnte aber positv überraschen (Rückkauf von ca. 10% über Zeitraum von zwei Jahren?).
2) Fundamental positive Überraschungen: Schadenssaison nicht so schlimm oder US-Tochter gelingt Turnaround oder wird verkauft, was Cash in die Kassen bringen würde, was den Aktionären möglicherweise zugute kommen könnte.
3) Steuerreform 2008 positiver Faktor für Gewinnaussichten, die deutschen Töchter wie Ergo werden dann c.p. höhere Gewinne erzielen
An eine Mixtur dieser Faktoren scheint das Management zu glauben, da es die ersten größeren Insiderkäufe in den letzten Jahren sind. Betrachtet man die Performance von Turnaroundwerten wie Volkswagen oder jüngst DaimlerChrysler, die sukzessive ex Chrysler gehandelt werden, dann könnten die ersten Insiderkäufe ein Indiz sein, dass die Aktie aus ihrem Dornröschenschlaf der Underperformance erwacht und ihren Discount zum Gesamtmarkt im Zuge besserer Nachrichten abbauen kann. Die Aktie ist momentan nichts für Trendtrader, sondern nur etwas für antizyklisch denkende Investoren, die Charttechnik gibt aber einen ersten interessanten Ansatzpunkt für Positionen in der Aktie.
Weitere Käufe im DAX fielen in geringem Maß in der BASF, Deutschen Bank, DaimlerChrysler und E.ON an, eine etwas größere Transaktionen konnte man zudem beimj potentiellen Turnaroundkandidaten TUI durch den Aufsichtsrast Kuhnt (Ex-RWE) beobachten, der für knapp 100.000 Euro Aktien zu 17,69 Euro kaufte.
Im MDAX waren in den letzten Wochen vor allem bei Krones ein großer Kauf zu beobachten, darauf wurde in der Vorwoche (siehe 18.03.) eingegangen sowie bei Wincor Nixdorf.
Im TecDax konnte man bei IDS Scheer seit Ende Oktober 2006 im Preisbereich um etwa 14,50 Euro zahlreiche Insiderkäufe zu beobachten, neben den Aufsichtsräten Pocsay und Gründer Scheer ist Vorstandsvorsitzender Thomas Volk auf der Kaufseite (jeweils in Tranchen im November, Januar und März) und hat bereits Aktien für etwas über 200.000 Euro erworben. Charttechnisch notiert die Aktie seitwärts, an Erfolge aus der Umstrukturierung glauben die Unternehmensbosse.
Im SDAX sind vor allem die starken Insiderkäufe bei Fuchs Petrolub erwähnenswert. In Ergänzung zur Vorwoche sind weitere größere Insiderkäufe durch die Familie Fuchs zu beobachten gewesen, die jedoch Stammaktien kauft und nicht die im SDAX notierten Vorzugsaktien. In der letzten Wochen wurden zwei weitere Transaktionen mit einem Volumen von etwa knapp 2 Millionen Euro gemeldet. Dies ist sehr bemerkenswert, da die familie bereits über 40% der Aktien hielt und in einem intakten Aufwärtstrend auf einem “hohen” Niveau zukauft. Ob sie sich damit gegen einen feindliche Übernahme wehren wollen, ist unklar. 2007 dürfte nach den Vorhersagen kein starkes Wachstum aufweisen, so dass diese Käufe überraschend sind, aber trotzdem als sehr positiv zu bewerten sind.
Weitere Insiderkäufe im Wert von über 500.000 Euro sind bei Cewe Color (WKN 540390) zu beobachten, auch hier erfolgen Käufe im Aufwärtstrend. Zudem macht ein Hedge Fonds sowie der “Raider” Wyser-Pratte dem Management Druck, was sich in steigenden Kursen widerspiegelt.
Ein weiterer Wert mit deutlichen Insiderkäufenseit Juni 2006 ist die Dürr AG, Gründer und Großaktionär Heinz Dürr ist im Bereich von 20/21 Euro auf der Kaufseite tätig gewesen und dabei insgesamt für knapp 6 Mio Euro Aktien des Unternehmens gekauft. Dürr ist ein Automobilzulieferer, der sich in einer fundamentalen Turnaroundsituation befindet, Börse Online schätzt, dass der Gewinn/Aktie von 0,45 Euro (2006) über 1,45 (2007) auf 2,20 (2008) anstiegen wird, was momentan ein KGV von 10 für 2008 entsprechen würde.
Weitere Insiderkäufe sind bei Small Caps wie vor allem bei potentiellen Turnaroundwerten wie Zapf Creation, Nordwest Handel (Aufsichtsrat Grevenkmap kaufte ca. 4% und hält nun über 20% am Unternehmen), bei SM Wirtschaftsberatungs AG, Dialog Semiconductor oder bei Borussia Dortmund zu beobachten gewesen. Borussia Dortmund ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass diese Insiderkäufe einen längerfristigen Anlagehorizont haben. Aufsichtsrat Geske hat in den letzten 9 Monaten für etwa 2,5 Mio Euro Aktien (bei 2 Euro bzw. 1,95 Euro) gekauft, zudem sind Banken wie JP Morgan oder Hedge Fonds wie Floriam Homm engagiert. Dies deutet darauf hin, dass in den kommenden 12-24 Monaten ein neuer Großaktionär, der den Verein mehrheitlich übernimmt, gut denkbar ist. Bis dato haben einige Milliardäre mit Vorliebe Vereine in England “gesammelt”, Manchester United und Chelsea London mögen den bekanntesten Fälle sein. Der positive Effekt der WM 2006 in der Außendarstellung Deutschlands dürfte aber nicht nur wie in der Vorsaison Gazprom als neuen Hauptsponsor für Schalke 04 mit Hilfe von Ex-Kanzler Schröder nach Deutschland gelockt haben. Wenn ein Verein in Deutschland für einen Käufer interessant ist, dann ist es Borussia Dortmund aufgrund der Kombination größtes Stadion in Deutschland und damit großem Fanpotential sowie der einfach zu erlangenden Mehrheit der Aktien. Damit so ein deal zustande kommen kann, muss Borussia Dortmund jedoch erstklassig bleiben und das ist momentan die große Crux. Im Falle eines Abstiegs hat die Aktie noch signifikantes Potential nach unten.
Generell gilt als Regel: Insiderkäufe in Aktien mit einem intakten Aufwärtstrend sind am positivsten zu werten. Bei Insiderkäufen von Turnaroundwerten sind diese ebenfalls positiv zu werten, dass der Turnaround gelingen könnte, sie sind aber deutlich spekulativer und benötigen in der Regel mehr Sitzfleisch bei den Investoren, bis sich dies in klingender Münze bezahlbar macht. Eine Ausnahme gibt es bis dato in den letzten Jahren und das sind die Insiderkäufe von Detlef W. Hübner bei D Logistics. Da werden viele Aktien gekauft und diese dann immer mal wieder verkauft, ohne dass eine signifikante Korrelation zu den Preisen erkennbar ist.
