24.05.07- Die “weichen” Faktoren geben ein Warnsignal für den Aktienmarkt
Diese Woche stand unter dem Vorzeichen der Warnsignale in den täglichen Ausgaben der Wellenreiter Frühausgabe, da u.a. die US-Anleihen eine ungünstige Entwicklung für den US-Aktienmarkt anzeigen.
Der US-Anleihemarkt ist als Vorläufer für den US-Aktienmarkt anzusehen, so dass von diesem klassischen Intermarket-Faktor ein negatives Signal ausgesendet wird. In der kommenden Frühausgabe am Dienstag nach Pfingsten werden die Intermarketfakoren und Korrelationen zum US-Aktienmarkt einen Schwerpunkt bilden, um das “Quo vadis?” zu erörtern.
Der heutige Abverkauf könnte im Chart auch als “Greenspan 2″ markiert werden, als “Greenspan 1″ ist die Phase Ende Februar markiert. Damals warnte Greenspan vor einer möglichen US-Rezession, diesmal war es die Warnung vor einer Blase in China. Daher war auch die Kursreaktion wesentlich moderater, vor allem die Währungsseite und damit die Carry Trades blieben von den Nachrichten im wesentlichen unberühert. Insofern war Greenspans Warnung zwar kein Non-Event, aber zunächst lediglich als Abkühlung anzusehen, die aufgrund des starken preislichen Widerstands am alten ATH im S&P 500 anzusehen ist.
Die Preisschwäche ging jedoch etwas weiter, als dass man sie verharmlosen könnte, da sie den Bereich 1511 unterschritten hat und somit eine etwas größere preisliche Korrektur als am Donnerstag vor zwei Wochen (ein großer Abwärtstag mit knapp 90% Downvolumen, der am nächsten Tag zu keiner weiteren Schwäche führte). Insofern kommt dem morgigen Handelstag eine größere Bedeutung zu, da der heutige Handelstag durch die Vielzahl der Fehlausbrüche auf der Oberseite (z.B. Russell 2000, Nasdaq 100, Intel) eine mögliche Erschöpfung der Auftriebskräfte indiziert.
Neben dieser Faktenlage fallen mir aber momentan besonders im Bereich der “weichen” Faktoren etliche Warnsignale auf. Diese weichen Faktoren haben einen Raum von 5-10% bei den Entscheidungen und geben einem mitunter einen zusätzlichen Hinweis für ein potentielles Preisextremum. In den beiden Hinweisen zum Gesamtmarkt im März wurden dabei einzelne Schlagzeilen von Zeitungen wie Handelsblatt oder auch einem Börsenbriefschreiber genannt.

Es geht an dieser Stelle nicht darum, einen Kollegen der Branche vorzuführen, dafür machen wir alle unsere Fehler. Neben seinem Börsenbrief hat Prior in 2007 zwei Artikel auf Wallstreet-Online publiziert.
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/2037067.html
http://www.wallstreet-online.de/nachrichten/nachricht/2081733.html
Der Zeitpunkt des 1. Artikels mit dem Titel “Hurra, jetzt kommt der Crash!” erfolgte etwa 20 Minuten nach dem endgültigen Preistief im S&P 500 (siehe Kommmentat vom 14.03.), der zweite Artikel wurde gestern kurz nach Börsenschluss publiziert. Wieso der Autor nun zu dieser Aussage “Jetzt steigt der DAX auf über 11.000 Punkte” kommt, bleibt offen. Sein Fazit lautet: wer jetzt nicht investiert, ist selbst schuld!
Es gibt weitere Beispiele aus dem Dunstkreis der Kollegen, wo erst jetzt mit Hebelprodukten auf einen weiteren Kursanstieg gewettet wird, so dass diese prozyklische Aktivität an dieser Stelle des Trends den Eindruck erweckt, dass der Handlungsdruck enorm groß ist und man daher auch gewillt ist, gewisse Risiken einzugehen, die man bei den jeweiligen prozyklischen Signalen vor ca. 6 Wochen nicht bereit war einzugehen. Dieser (emotionale) Handlungsdruck führt in den seltensten Fällen zu guten Ergebnissen (ich kann selbst ein Lied davon singen…)
Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund von zunehmenden Divergenzen im Aktienmarkt. William O’Neill schrieb über den “Trend des Gesamtmarktes und wie man ihn erkennt” folgende Zeilen:
“Der versierte Investor, der Charts benutzt und seinen Markt kennt, wird auch unschwer herausfinden, dass im Zeitpunkt einer oberen Trendumkehr sehr wenige der führenden Werte einen korrekten Kauf erlauben würden. Nacxhzügler tendieren ferner genau an diesem Punkt zur Kursstärke. Für den erfahrenen Börsianer ist es daher ein deutliches Signal, dass der Aufwärtstrend sich vermutlich seinem Ende nähert, sobald träge, billige, zweitklassige Werte Boden gutmachen. Wenn der Wind nur stark genug bläst, können auch Truthähne so tun, als könnten sie fliegen.”
Schaut man sich die Performance im DAX jüngst an, dann waren zuletzt gerade Deutsche Telekom und SAP gefragt, die beide die schlechteste Performance in 2007 aufwiesen, zudem stiegen vorgestern etliche Titel “von unten” heraus mit gutem Volumen (z.B. Aixtron) an.
Fazit: Es werden Warnsignale gerade bei den weichen Faktoren des Sentiments, aber auch zunehmend aus dem Markt heraus erkennbar. Es mag an dieser Stelle verfrüht sein, Moll-Töne über die Entwicklung des US-Aktienmarktes zu verbreiten, aber es ist jetzt erhöhte Aufmerksamkeit notwendig. Weiterführende Gedanken zum Thema Pullback am alten ATH oder beginnende Toppbildung dann am kommenden Dienstag in der Frühausgabe.