17.08.07- Vortrag Taunustreff Oberursel 16.08. (pdf+kurze Erläuterung)
Da ich in den letzten 10 Jahren keinen Sommerurlaub gemacht hatte, hatte ich mich im Februar entschieden, dass nach Durchsicht der Börsenzyklen in diesem Jahr ein guter Zeitpunkt für einen Sommerurlaub wäre, da die Aktienmärkte ab Anfang August toppen sollten, so dass man mit einem guten “Gefühl” (da eine sehr hohe Cashquote) in den Urlaub fahren kann. Zwischen zwei Reisen wollte ich daher nur mal “kurz” die Lage verfolgen und quasi mit einem Sabbatmonat neue Energien tanken. Soweit die Theorie… Mit viel Liquidität ging es dann auch tatsächlich Anfang August in den Urlaub, zwischen den beiden Urlauben hatte ich mich aber dann aufgrund der Turbulenzen entschieden, eine umfangreiche Analyse der Lage zu machen und habe diese gestern abend im Rahmen des (beinahe) monatlich stattfindenden Oberursels Finanztreff vorgetragen.Ergänzend zu den einzelnen Folien möchte ich an dieser Stelle ein paar Anmerkungen tätigen.
Aus meinem letzten Vortrag Mitte Juni stammen die ersten Folien, ich referierte damals über die Probleme aus dem Intermarketumfeld. Das Verständnis des psychologischen Börsenzyklus erschien mir im Juni sehr wichtig, da die ersten Anzeichen von Euphorie sichtbar wurden. Diese steigerte sich nach diesem Vortrag weiter (Folien 7-9) und schlug lediglich knapp 6 Wochen später bereits in Angst/leichte Panik um. Der Schlussakkord im Börsenzyklus (Folie 15) ist die Kapitualtion, sie konnte ich bei der Erstellung der Präsentation am Mittwoch abend noch nicht ausfindig machen.
Das fundamentale Problem des Jahres 2007 ist die Immobilienkrise in den USA (Folie 16), die gerade im letzten halben Jahr die großen Probleme mit sich bringt, die Erinnerungen an die Zeit März-Oktober 2002 sind sicherlich noch allgegenwärtig, hier gab es dann die wahren Schmerzen für die Investoren. Ob die Krise in die Geschichtsbücher eingehen wird als Immobilienkrise, Kreditkrise oder Hedge-Fonds-Krise ist zunächst zweitrangig. Wichtig ist, dass dieser Sektor weiterhin Probleme bereiten wird. Geht es nach diesem durchschnittlichen Blasenmuster, dann ist die Aktie von Toll Brothers (Segment Luxusimmobilien, diese werden überleben, da Luxus “immer” geht) einer der potentiell interessantesten Trades in 2008.
Die Frage ist, wie es an den Anlagemärkten weitergeht. Sentix hielt in der letzten wöchentlichen Analyse eine Kapitulation a la 1987 für möglich, dieser Absturz würde aber erst in 1-2 Wochen beginnen (es fehlt eine gescheiterte Rally, die dann eine solche Panik auslösen würde). Bei der Analyse des Status Quo (bis Folie 36) werden die wichtigsten Märkte untersucht, dabei stehen die längerfristigen Charts im Vordergrund. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell sehr hohen Volatilität erscheint ein wenig Abstand zu den kurzfristigen Ereignissen angemessen. Besonders beobachtenswert erscheint mir Gold, da sich hier eine Trendbewegung in absehbarer Zeit ankündigt und der Goldpreis im Gegensatz zu Mai/Juni 2006 und Ende Februar 2007 diesmal eine gewisse relative Stärke zu den Aktienmärkten zeigt, was positiv zu werten ist. Ein Einstieg ist in einem solch turbulenten Umfeld jedoch nicht zu diskutieren, da auch der Goldpreis dem Liquidationsdruck unterliegt, da viele Gelder in ETFs geflossen sind. Im Zwischenfazit (Folie 36) ist mir wichtig, dass das Auflösen der Kreditpositionen eine deflationäre Entwicklung an allen Anlagemärkten mit sich bringt und daher “Cash is king” gilt.
Bei der Beurteilung der zukünftigen Aussicht erscheint mir im Rahmen der monatlichen ML-Fondsmanagerumfrage (Folie 38-41) wichtig, dass die Fondsmanager zwar auf die Preisschwäche durch den Aufbau von Liquidität reagiert haben, ihr Verhalten zeigt aber an, dass die Erwartung einer “üblichen Preiskorrektur” vorherrscht, da sie ihre Positionierung nicht so defensiv gestaltet haben wie im Vorjahr oder in 2004. Ihre Wachstumserwartungen sind zudem bei weitem nicht so negativ wie im Vorjahr, so dass hier negatives Überraschungspotential besteht. Der Liquiditätsentzug an den Märkten im Verbund mit der Vertrauenskrise wird das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen.
Der Überblick über die Marktindikatoren, die hinter die Kulisse der reinen Preisentwicklung schauen, zeigen zwar bereits eine relativ große Angst an, es gibt aber Schönheitsfehler wie das relativ niedrige Handelsvolumen in Puts, so dass eine sehr starke/zu starke Absicherung der Portfolios nicht erkennbar ist (Folie 60). Auch ein Panikspike bei den Retailkunden (Folie 59) vermißt man bisweilen. Auf der Positivseite befinden sich u.a. die Insider, die sehr stark auf der Kaufseite tätig sind (Folie 67).
Zwei Szenarien für den weiteren Verlauf (Folien 68+69) sind angegeben. Aufgrund der Tatsache, dass durch das Auflösen von Kreditpositionen viel Liquidität dem System entzogen wird, ist ein Verlauf wie in Folie 68 am wahrscheinlichsten. Folie 69 zeigt den Verlauf der letzten Hedge-Fonds-Krise um LTCM an. Gemeinsam haben die Szenarien, dass die Abwärtsbewegung zeitlich relativ kurz, aber sehr hart ausfällt und sich dann eine Phase der Bodenbildung anschließt, die unterschiedlich lang ausfällt. Aufgrund der bis zum jahreswechsel anhaltenden Problematik am US-Immobiliensektor ist die kurze Bodenbildung a la 1998 unwahrscheinlich, das neue Marktgleichgewicht dürfte sich über einen zeitlich längeren Zeitraum einspielen.
Abschließend erscheint es wichtig, dass die Signalgeber für einen Preisboden (Folie 70) genannt werden, die genannten vier Signalgeber sollten zielführend bei der Erkennung des Preisbodens sein. Das Fazit (Folie 71) wurde am Mittwoch abend erstellt und ist bis dato gültig.
Die Präsentation ist unter folgendem Link abrufbar:
http://premium-5s2zsxugn9j444.eu.clickandbuy.com/Vortrag/2007.08.16.pdf