05.09.07-Die Sehnsucht nach der Zinssenkung
Seit der Senkung des Diskontsatzes am 17.08.2007 grassiert bei den Investoren die Sehnsucht nach einer Zinssenkung, manch Investmentbank wie Merrill Lynch kalkuliert bereits mit einem Rückgang der Leitzinsen um einen ganzen Prozentpunkt auf dann 4,25%. Die Frage ist: Was bewirkt eigentlich die Zinssenkung auf den Aktienmarkt?

Standard and Poors (S&P) ist dieser Frage bereits nachgegangen, die FAZ hat am 03.09. einen entsprechenden Artike veröffentlicht und schrieb “Zinssenkungen sind meist Signale für steigende Aktienkurse”. Angegeben sind die Kursveränderungen 6 Monate nach einer ersten Zinssenkung im S&P 500. Dabei kommen beim näheren Betrachten ganz interessante Details zum Vorschein. Der durchschnittliche Zugewinn im S&P 500 betrug dabei 11%, was ein sehr positives Ergebnis darstellt, insofern ist die Überschrift des Artikels gerechtfertigt. Schaut man sich die Ergebnisse im Einzelnen an, dann zeigt sich (wieder einmal) die Crux der Durchschnittswerte.
Von 10 ersten Zinssenkungen in den letzten 52 Jahren verliefen
- vier negativ und sechs positiv (Wahrscheinlichkeit für aufwärts also “nur” bei 60%)
- drei der vier Negativjahre sind mit einer Performance zwischen -2,3% und -4,5% statistisch eher vernachlässigbar, eine Veränderung in 1990 war ja deutlich deutlich negativ mit -13,7% (sie wurde begleitet von einem Krieg, es war im Vorfeld des ersten Golfkrieges), insofern eine Ausnahme, die momentan nicht gegeben ist
- drei der sechs Aufwärtsjahre verliefen im Rahmen des Durchschnittswertes mit +17,9% (1954), +9,3% (1957) und +15,3% (1995)
- drei der sechs Aufwärtsjahre brachten sehr starke Kurszuwächse mit sich mit +22,3% (1970), +27,4% (1980) und +42,3% (1974)
Interessant erscheint mir auch die Verteilung der Zinssenkungen auf Basis der Jahre in einer Dekade, eine Gleichverteilung ist nicht zu beobachten. Die Zinssenkungen erfolgten:
- in 0er Jahren viermal (1960,1970,1980,1990), so dass eine Zinssenkung in einer neuen Dekade quasi “Pflicht” ist, die im Jahr 2000 “vergessene” Zinssenkung erfolgte am 03.01.2001…
- in 1er Jahren zweimal (1981, 2001)
- in 4er Jahren zweimal (1954, 1974)
- in 5er Jahren einmal (1995)
- in 7er Jahren einmal (1957)
Insofern kann man eine Verteilung von 6 ersten Zinssenkungungsschritten zu Beginn der Dekade in 0er und 1er Jahren, das zweite “Cluster” sind die 4er/5er Jahre mit einer ersten Zinssenkung und nun dürfte das 7er Jahr in 2007 zum zweiten Mal dazustoßen. Diese Zyklik erklärt dann auch das Zustandekommen des Dekadenzyklus, ein Zinssenkungszyklus wird etwa alle 5 Jahre eingeläutet und dies vereinfacht ausgedrückt am Anfang und in der Mitte der Dekade.
Für 2007 heißt dies, dass eine Zinssenkung wahrscheinlich ist, wenn dies erforderlich ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, wann dies erforderlich ist, der Eindruck ist bis dato, dass Bernanke REAGIEREN wird, also der Markt diese Handlung erzwingen wird. Kommt es allerdings zu einer Zinssenkung, dann kommt dies einem Kaufsignal gleich, dieses man besser nicht ignorieren sollte. Der Negativfall 1990 wurde durch einen etwas später beginnenden Krieg überschattet, eine Wiederholung ist in diesem Jahr nicht in Sicht, so dass eine sehr negative Reaktion ausgeschlossen werden kann. Das Risiko eines marginales Minus auf diese Reaktion wie in den Jahren 1960,1981,2001 stellt kein erhebliches Portfoliorisiko dar, die Jahre, die nicht so funktionieren verlaufen anscheinend im 20-Jahreszyklusmuster ab. Die Reaktion in einem 7er Jahr war bis dato nur einmal in 1957 zu beobachten, der Zugewinn von 9,3% liegt in der Nähe des Durchschnittwertes. Betrachtet man weitere Indikatoren zum übergeordneten Sentiment in den USA, dann muss man für 2007 annehmen, dass eine erste Zinssenkung 6 Monate später zumindest einen durchschnitlichen Zugewinn mit sich bringen wird.
Insofern erscheint die Sehnsucht der Investoren nach einer Zinssenkung verständlich und eine solche wäre als ein Positivsignal für die Aktienmärkte zu verstehen. Wie und wann eine solche Zinssenkung erfolgen wird, dies ist momentan die Frage aller Fragen.