Robert Rethfeld wird bereits morgens um 5 Uhr im Zug nach Berlin sitzen, um an einer Tagung unter der Federführung von CAPITAL teilzunehmen und daher wie heute in der Frühausgabe angekündigt nicht publizieren können.
Der 07.11. brachte ein nahezu bekanntes Bild zutage: Der Dow Jones Industrial Average verlor 360 Punkte. Am Freitag, 19.10. und am Donnerstag, 01.11., waren es nahzu identische Kursverluste, gestern betrug das Abwärtsvolumen 94%, dies war auch am 01.11. so, am 19.10. waren es knapp 95%. Insofern sind die Kursverluste inklusive Handelsvolumen sehr ähnlich.
Was folgte am Handelstag danach? In beiden vorherigen Fällen zunächst weitere Schwäche, aber eine Umkehr im Laufe des Handelstages. Insofern erscheint es leicht zu sagen, dass sich dies morgen auch so wiederholen wird, zumal ein gap down bei der Kurseröffnung nach einer sehr schwachen Eröffnung dann eine gewisse Anziehungskraft besitzt und üblicherweise zu einer Gegenbewegung in den kommenden 1-3 Tagen führt.
Das Volumen expandiert weiter auf 4,3 Mrd Aktien, die Anzahl neuer Hochs sank auf 114 (von 151), die Anzahl neuer Tiefs stieg auf 376 (von 236), die Daten beziehen sich auf Yahoo!
Das Sentiment brachte ein Put/Call Ratio von 1,06 an der CBOE zutage, die Put/Call Ratio OEX (S&P 100) lag nur bei 1,01, an der ISE lag es bei 108.
Die Charttechnik weist ein sehr stark angeschlagenes Bild auf.

Der S&P 500 ist nach unten durch, das Währungspaar USD/Yen hat die Unterstützung vom September unterschritten. Insofern sind die Carry Trades, die seit heute früh unter Druck sind, ein weiterer Aspekt, warum der Druck auf den S&P 500 anhalten wird. Die größten Verlierer kommen weiterhin aus dem Finanzsektor, der Bankindex verlor sage und schreibe 5,79%, die Broker waren mit 4,50% der zweitgrößte Verlierersektor.
Der “Leader” der Aufwärtsbewegung, der Nasdaq 100, zeigt zwar weiterhin gegenüber dem S&P 500 relative Stärke, aber der Aufwärtstrend wurde gebrochen.

Als Unterstützung dient das preisliche Zwischentief bei 2.120 und danach bei 2.060 Punkten.
Betrachtet man den S&P 500, dann liegen die nächsten Unterstützungen bei 1.430/40 Punkten sowie als sehr gute mittelfristige Unterstützung bei 1.360-70 Punkten als Preistief aus dem März und August 2007.
Zwei Aspekte erscheinen wichtig: Ein solches Cluster an Hindenburg Omen- ein Indiz für eine schlechte Marktbreite - ist historisch selten. Im Aboraum sind die Cluster der letzten 40 Jahre vorhanden. Ein ähnliches Cluster existierte Ende April 2006, Ende 1999 im Dezember, im 1. Quartal 1980 und in den 70iger Jahren 1971 und 1972. In allen Fällen konnte man einen Monat später niedrigere Kurse beobachten.
Morgen nachmittag wird Ben Bernanke eine Rede halten, die die Investoren definitiv bewegen wird. Die zentrale Botschaft der FED lautete zuletzt: “We will act as needed”. Kurzum: Die FED betreibt in der Vertrauens- und Bankenkrise keine proaktive Politik, sondern reagiert nur. Momentan wird sie von Wall Street gezwungen oder anders gesagt “überredet”, bald wieder aus ihrem Schneckenhaus zu kommen und zu reagieren. Anbei noch einmal der Wortlaut der FED vom 31.10.
Dow Jones Newswires sendet im Anschluss den aktuellen Zinsbeschluss des
Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank im Wortlaut.
“The Federal Open Market Committee decided today to lower its target for the
federal funds rate 25 basis points to 4-1/2 percent.
Economic growth was solid in the third quarter, and strains in financial
markets have eased somewhat on balance. However, the pace of economic expansion
will likely slow in the near term, partly reflecting the intensification of the
housing correction. Today’s action, combined with the policy action taken in
September, should help forestall some of the adverse effects on the broader
economy that might otherwise arise from the disruptions in financial markets
and promote moderate growth over time.
Readings on core inflation have improved modestly this year, but recent
increases in energy and commodity prices, among other factors, may put renewed
upward pressure on inflation. In this context, the Committee judges that some
inflation risks remain, and it will continue to monitor inflation developments
carefully.
The Committee judges that, after this action, the upside risks to inflation
roughly balance the downside risks to growth. The Committee will continue to
assess the effects of financial and other developments on economic prospects
and will act as needed to foster price stability and sustainable economic
growth.
Voting for the FOMC monetary policy action were: Ben S. Bernanke, Chairman;
Timothy F. Geithner, Vice Chairman; Charles L. Evans; Donald L. Kohn; Randall
S. Kroszner; Frederic S. Mishkin; William Poole; Eric S. Rosengren; and Kevin
M. Warsh. Voting against was Thomas M. Hoenig, who preferred no change in the
federal funds rate at this meeting.
In a related action, the Board of Governors unanimously approved a
25-basis-point decrease in the discount rate to 5 percent. In taking this
action, the Board approved the requests submitted by the Boards of Directors of
the Federal Reserve Banks of New York, Richmond, Atlanta, Chicago, St. Louis,
and San Francisco.”
DJG/apo
(END) Dow Jones Newswires
October 31, 2007 14:24 ET (18:24 GMT)
Wann wissen wir zudem, dass die Abwärtsbewegung vom Oktoberhoch beendet sein wird?
Nachdem es bereits der 3. Handelstag mit einem Abwärtsvolumen von mindestens 90% in den letzten 3 Handelswochen ist, fehlt nun ein Handelstag mit einem Aufwärtsvolumen von mindestens 90%. Dieser Aspekt konnte im August beobachtet, da traten 4 Handelstage mit einem Abwärtsvolumen von 90+% auf, dann brachte die überraschende Diskontsatzsenkung am 17.08. mit einem Aufwärtsvolumen von über 90% sowie dem größten Handelsvolumen aller Zeiten am Handelstag zuvor die Wende. Dieser Aspekt fehlt momentan im Puzzle, insofern verändert sich die Einschätzung wie angekündigt auf bearish.
Kommt es kurzfristig zu einem “Bounce” wie zuvor nach einem solchen Selloff und werden sich dann die Investoren auf den Verfallstag in der kommenden Woche hin positiv positionieren? Die Chance ist da, mein Blick wird sich morgen sehr stark auf die Entwicklung des Carry Trade Währungspaares USD/Yen konzentrieren, ob sich hier eine Stabilisierung ergibt. Die große Wende lässt sich aber bis dato nicht antizipieren, hier wäre der Aufwärtstag mit einem Handelsvolumen von 90%+ das beste Indiz.
Die nächste Ausgabe erscheint wie gewohnt am Freitag, den 09.11.-zumindest dann, wenn die Deutsche Bahn nicht streikt und Robert Rethfeld an seinem Weg zurück an den Schreibtisch hindert. Sollte dieser Unsicherheitsfaktor doch zuschlagen, wird es an dieser Stelle ein paar Gedanken für den letzten Handelstag der Woche geben.
Absacker:
Zwei Volkswirte, drei Meinungen. Dieses Bonmot geistert nicht unbedingt durch die Uni, aber die Aussagen von Volkswirten sind an der Börse üblicherweise mit Vorsicht zu genießen. Der Grund ist einfach: Volkswirte schauen bei ihrer Fahrt an der Börse zuviel in den Rückspiegel und füttern ihre Computer mit den Daten der Vergangenheit.
Redeker gehört nicht dazu, ihm zuzuhören bei seinen Calls auf n-tv am Montag morgen (üblicherweise gegen 10.15 Uhr) ist eine Freude und Redeker redet Klartext, spricht eine verständliche Sprache und verzichtet dabei auf jegliche Schnörkel, insofern freue ich mich immer, wenn er auch in der FAZ ein Interview gibt.
http://www.faz.net/s/Rub034D6E2A72C942018B05D0420E6C9831/Doc~EC27348B3F8F443EB9B7FA99D4C21ED6D~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
“Die amerikanische Zentralbank bewertet die Lage falsch”, so sein Urteil. Ich sehe es genauso, Bernanke schaut in den Rückspiegel und wartet darauf, dass die Daten der Wirtschaft schwach werden. Greenspans Schatten ist sooooo lang…als Trainer von Schalke 04 würde Bernanke jetzt schon wackeln.