09.07.08- Crashpattern im US-Aktienmarkt weiterhin aktiv
Der gestrige Handelstag hatte wie Robert Rethfeld ausgeführt hatte etliche Schönheitsfehler:
Das Aufwärtsvolumen lag nur bei 75% (Und nicht mindestens bei 90%), die Rally passierte nur in den beiden letzten Handelsstunden und die größten Gewinner waren zuvor die größten Verlierer. Dazu war im Sentiment kaum Angst erkennbar.
Beim Blick auf die aktuellen Charts ist erkennbar, dass das angesprochene Crashmuster a la 1987, dem ich eine Alternative folgen lasse, weiterhin intakt ist.
Der S&P 500 hat gestern abend einen Pullback auf das Märztief von unten vollzogen, der heutige Schlusskurs stellt bereits ein neues Bewegungstief dar. Weiterhin kommt es zu keinen größeren preislichen Erholungen, die gestrige Intradayerholung dauerte 2 Stunden an, auch heute blieb der Index nicht länger in einem Bereich um die Nullinie. Insofern kann man feststellen, dass die sehr hohe und außergewöhnliche Trendstärke weiterhin intakt ist. Bei 1.230 Punkten ergibt sich zwar eine Unterstützung aus der fallenden Trendgerade, die das Januar- und Märztief verbindet, als Fan der EInstandspreisbildung sind mir die Horiziontalunterstützungen aber wichtiger. Insofern sollte das Niveau 1.230 Punkte nicht ein wichtiges Preistief darstellen, sondern höchstens temporär einen Bounce ermöglichen.
Der Durchschnitt der Industriewerte im Dow Jones hat bereits einen Kursrückgang von 2.000 Punkten zu verzeichnen, eine preisliche Gegenbewegung ist weiterhin nicht erkennbar. Die Seitwärtsbewegung reichte bis an die steile Abwärtstrendgerade heran, auf Schlusskursbasis ergibt sich bereits ein neues Bewegungstief. Auch hier ist eine eklatante technische Schwäche zu beobachten. Als Unterstützung ist neben der runden 11.000er Marke vor allem der Bereich um 10.650 Punkte anzusehen, hier verläuft das 50%-Retracement der Hausse 2003-2007 und zudem der 10-Jahres-GD als weitere Unterstützung, der die Baissebewegung in 2002 und 2003 stoppte. Danach ist vor allem die runde 10.000er Marke als Unterstützung der Preistiefs 2004/5 zu nennen.
Trotz der offensichtlichen Trendbrüche ist in der jüngsten Seitwärtsbewegung die Angst der Investoren sogar etwas zurückgegangen, das heutige Put/Call-Ratio an der CBOE liegt mit 1,02 auf einem (relativ) niedrigen Niveau.
Eine Art Minicrash konnte man zuletzt im Juni/Juli 2002 beobachten.

Das übergeordnete Muster war etwas anders, da die Baisse bereits am Laufen war, allerdings wurde sie lange Zeit verdrängt und fallende Kurse waren “Nachkaufkurse”. Es bildete sich- wenn auch über einen längeren Zeitraum- ein ähnliches Muster, nämlich ein preisliches Doppelhoch im Frühjahr 2002, danach ging es zur Unterstützung des Preistiefs aus dem September 2001 zurück. Dort erfolgte ein gewisser Kampf um die Marke, das Unterschreiten führte dann zu einer Kapitulationsbewegung.

Im kürzerfristigen Chart vom Juni/Juli 2002 kann man den Kampf um die Marke von 950 Punkten gut erkennen und die nachfolgende Kapitulation in Form eines zeitlich kurzen, aber preislich deutlichen Kursrückgangs. Die preisliche Umkehr geschah durch eine extrem große Intradaybewegung, ein ähnliches Muster als Umkehrmuster gab es zuletzt im Sell-Off im Januar 2008. Die Muster 1987 und 2002 unterscheiden sich vom Ausmaß, sie haben aber letztlich etwas entscheidendes gemeinsam: Eine wichtige Unterstützung wird getestet, als der Kampf dieser Unterstützung nicht gelingt, erhöht sich der Verkaufsdruck und die preisliche Abwärtsbewegung beschleunigt sich. Diese Gefahr ist in diesem Jahr gerade vor dem weit weniger ängstlichen Umfelds weiterhin gegeben.
Auch in Deutschland gibt es die Anzeichen von Sorglosigkeit bzw. zuviel Risikoneigung der Investoren.
Cognitrend erkennt eine zunehmende Anzahl der Bullen und eine weiterhin geschrumpfte Anzahl an Bären. Ein Unterschreiten der alten Unterstützungen würde demzufolge den Verkaufsdruck sehr stark erhöhen.
Diese Schieflagen geschehen vor dem Hintergrund einer ohnehin deutlich eingetrübten Charttechnik.

Im Gegensatz zu früheren Preistiefs im August 2007 oder Januar und März 2008 fehlen die Umsätze auf dem aktuellen Niveau. Das ist sicherlich kein Wunder, wenn die DWS am 16.05. erklärt hat, dass die Kreditkrise vorbei ist und man nun wieder voll investiert sein, ähnlich gingen auch andere Fondsgesellschaften vor. Daher liegt der Verdacht nahe, dass es an Möglichkeiten (Cash) zum Einkaufen mangelt.
Der Verkaufsdruck in Deutschland könnte deutlich zunehmen mit Blick auf den DAX aus Sicht eines US-Amerikaners, da sich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation (DAX=gelbe Linie) gebildet hat.

Fazit: Die Abwärtsbewegung wird trotz der Crashwarnung der Royal Bank of Scotland unterschätzt, dabei hat der dortige Analyst Bon Janjuah gute Chancen die Nachfolge von Roland Leuschel anzutreten. Das Risiko auf der Unterseite ist durch das Unterschreiten der Jahrestiefs in den USA größer als die Chance nach oben hin. Im aktuellen Gemengenlage liegt momentan auf dem aktuellen Niveau keine Kaufchance wie im Januar oder März 2008 vor. Der Druck auf die Aktienmärkte ergibt sich durch den Abwärtsstrudel der Banken und Broker, die nach Cash suchen. Wenn Merrill Lynch schon das Tafelsilber verkaufen muss und gestern Bernanke ankündigt, dass Liquiditätsbeihilfen nicht bis September 2008, sondern bis 2009 bereitgestellt werden, dann zeigt dies an, dass Cash momentan bei den Banken knapp ist. Alle größeren Preistiefs haben sich in den letzten 12 Monaten gebildet, als die US-Notenbank Leitzinssatzsenkungen durchgeführt hat (August 2007, Januar und März 2008) oder sie angekündigt hatte (Ende November 2007), diese politische Unterstützung fehlt und ist zumindest dann erst wieder eine Option, wenn existenzbedrohende Schieflagen eines Instituts bekannt werden. Solange dies nicht der Fall ist, liegt das Risiko vorerst auf der Unterseite.



