11.09.08- “Blasen”- Auch Superinvestoren haben damit (Super-)Probleme
Seit dem Preishoch an der Nasdaq im März 2000 ist das Wort “Blase” ein ständiger medialer Wegbegleiter, allerdings wird der Begriff zu oft im Zusammenhang mit einem starken Preisanstieg verwendet.
Heute erschien im Manager Magazin ein großer Artikel mit der Überschrift “Wann platzt die nächste Blase?”
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,568010,00.html
In dem Artikel wird das Problem im Umgang mit Blasen deutlich. George Soros war zu früh short in Technologie (Frühjahr 1999), später dann wieder long und verpaßte den Ausstieg. Ganz interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass die letzte Anstiegsphase ziemlich genau 1,5 Jahre andauerte (Oktober 1998-März 2000). Warum dies so ist, dazu später etwas mehr. Soros umgab sich mit Experten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, entweder zu spät oder zu früh den Trendwechsel mitzuspielen.
Die Kennzeichen für einen anstehenden Trendwechsel sind eine steigende Volatilität, die Analystin Yamada nennt dann als Ziel einer Abwärtsbewegung den Ausgangspunkt der Bewegung. Im Monopolyspiel heißt es: “Zurück auf Los (natürlich ohne Euros zu kassieren)”.
Wenn man den letzten Abschnitt liest, dann waren die Lektionen Soros nicht sehr hilfreich, denn wenn er eine Blase im Rohstoffsektor sieht und weiterhin zu 16% in Rohstoffen investiert ist, dann erklärt sich vielleicht auch der starke Verkaufsdruck in den letzten Tagen…ohnehin gewinne ich den Eindruck, dass Soros den Nimbus des Super-Investoren verloren hat. Am 15.08. konnte man lesen, dass Soros seinen Anteil bei Lehman Brothers von 10.000 Stück auf 9,5 Mio Stücke erhöht hatte. Das waren 1,4% am Unternehmen. Mit Blick auf den Chartverlauf kann die Transaktion nur Verluste gebracht haben, auch wenn er sie gegebenfalls bereits wieder aufgelöst hat.
Zumindest beim Thema Blasenverläufe könnten wir George Soros aber helfen, auch wenn wir auf eine Initiativbewerbung verzichten.
http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=457
In 2004 hat Robert Rethfeld einen Artikel über die Anatomie der Spekulationsblase für das Magazin Smart Investor geschrieben. Bemerkenswert erscheinen die Aussagen zu einem Inflationshoch 2008, zu einem wichtigen Extremum im Aktienmarkt 2009 (Zitat: “Wenn man diese Anzahl von Jahren dem September 1929 hinzurechnet, gelangt man zum Frühjahr 2003. Eine Multiplikation mit dem Faktor 1,382 ergibt das Jahr 2009″). Aus heutiger Sicht kann es an sich nur ein Preistief sein, wann genau wird Robert Rethfeld bestimmt bei Gelegenheit in der täglichen Ausgabe erläutern.
Die Unterscheidung der Verlaufsvergleiche bei Aktien und Rohstoffen zeigt deutliche Unterschiede in der Abwärtsphase, die Rohstoffe fallen schneller und heftiger in der ersten Zeitphase ab, die preislichen Gegenbewegungen sind geringer als bei den Aktien.
In dem Artikel wird Johann A. Saiger, Kurzform “JAS”, erwähnt, der eine Blase dann sieht, wenn ein Anstieg mindestens 10 Jahre andauert und das neunte Jahr besonders starke Zuwächse gesehen hat. In Bezug auf Erdöl ergibt sich eine Haussephase zwischen August 1998 und Juli 2008, somit beinahe 10 Jahre, wobei im neunten Jahr der Anstieg sehr groß war, die Rate of Change erreichte temporär über 100%. Auf der Zeitebene erreichte der Ölpreis nach 1,5 Jahren (Preistief Januar 2007 bis Preishoch Juli 2008) einen wichtigen Hochpunkt, diese Zeitphase hatte die Nasdaq auch zu bieten.
Auch wenn wir bei Erdöl keinen Preisrückgang a la Nasdaq oder Deutschen Telekom erwarten, ist dieser Aspekt zumindest ein Warnsignal für die Erwartung an die zukünftige Entwicklung. Umso überraschender erscheint es jedoch in meinen Augen, dass Soros vor diesem Hintergrund, dass er einmal zu zeitig ausgestiegen ist, nun lieber zu lange drin bleibt. Des Pudels Kern für uns alle beim täglichen Umgang am Kapitalmarkt: Die besten Ratgeber taugen nichts, wenn man in die emotionale Falle tappt. Hier hilft nur der Psychologe…
Was können wir momentan für die Aktienmärkte in den kommenden Wochen/Monaten erwarten?

Chart aus dem Smart Investor-Artikel aus dem Jahr 2004
Der Verlaufsvergleich legt nahe, dass sich ein Preistief gegen Ende des Jahres 2008 einstellen dürfte, eine preisliche wWendeformation würde aber weitere Zeit benötigen und ein zweites höheres Preistief ausbilden. Erst dann startet nach der Phase der Bodenbildung eine Trendbewegung nach dem Motto: “Turnaround 2009″.