12.10.09- Wellenreiter Frühausgabe: Marktkommentar, Dow 10.000 im Visier, Exit-Strategie der FED
Zum kleinen Jubiläum des Threads – es ist der 100. Beitrag – zunächst ein paar übergeordnete Gedanken, bevor es in die Details auch unter kürzerfristigen Gesichtspunkten für den Monat Oktober geht. Es gibt es einfach Nachrichten, die eine Erwähnung wert sind. Der Literaturnobelpreis geht an eine Deutsche (Herta Müller), der Überraschungscoup schlechthin ist die Verleihung des Friedensnobelpreises für Barack Obama. Wenn man bedenkt, dass die Nominierung bis zum 01. Februar abgeschlossen sein muss, damit im selben Jahr eine Verleihung möglich ist, so war Barack Obama bis zu diesem Tag 11 Tage im Amt (seine Amtseinführung war am 20.01.). Seine Leistung liegt bis dahin bei Null. Insofern ist seine Auszeichnung eine schallende Ohrfeige für all die Menschen, die sich engagieren und Leistungen vollbringen bzw. vollbracht haben. Obama ist damit bereits der dritte Amerikaner, der diese Auszeichnung in dieser Dekade bekommt, Al Gore in 2007 und Jimmy Carter in 2002 waren seine Vorgänger. Wann bekommt man üblicherweise einen solchen Preis? Er ist ja eher eine Auszeichnung für das Lebenswerk, insofern bekommt man ihn üblicherweise, wenn man den beruflichen Zenit überschritten hat. Bei Willy Brandt wurde 1971 aufgrund seiner Bemühungen in der Ostpolitik auch die „Hoffnung“ auf Frieden prämiert, bei Gorbatschow erfolgte die Auszeichnung 1990 als logische Konsequenz aus dem friedlichen Fall der Mauer.
Auf der anderen Seite – und da kommen wir auch langsam wieder zum Thema Börse – zeigt es an, dass das Sentiment gegenüber Amerika völlig am Boden lag, wenn es ausreicht, eine solch große Auszeichnung, die nebenbei erwähnt auch noch mit etwa 1 Million Euro dotiert ist, zu bekommen, wenn man mit seinen Worten Hoffnung verbreitet.
Wenn wir schon bei den Preisverleihungen sind, dann fällt unter Sentimentsgesichtspunkten auch die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2009 auf, der nur mit 10.000 Euro dotiert ist. Nikolaus Piper bekommt den Preis für sein Buch „Die große Rezession“. Die Jury meinte, dass nicht das Thema den Ausschlag für den Preis gegeben hat, sondern der perspektivische Blick überzeugen konnte. Das hat mich neugierig gemacht, schließlich haben wir in vielen Kolumnen immer wieder versucht, die Ereignisse einzuordnen.
http://www.wellenreiter-invest.de/Wordpress/?p=82
Auch an dieser Stelle gab es bereits am 07.10.08 den Hinweis darauf, dass die finale Phase der Abwärtsbewegung eingeleitet ist und danach aus zyklischen Gründen eine längere Erholungsphase einsetzen würde. Diese soll nach den bisherigen Vergleichen bis in das elfte Jahr nach einem signifikanten Hochpunkt reichen, der Hochpunkte erfolgte etwa nach 10 Jahren und nur wenigen Monaten. Ausgehend vom Preishoch im März 2000 in der Nasdaq 100 würde man einen signifikanten Hochpunkt wahrscheinlich im zweiten Quartal 2010 („Sell in May and go away“???) erwarten können. Aber über das genaue Timing können wir im Jahresausblick 2010 nachdenken.
Und das prämierte Buch liefert dann neben dem Lob für die Politiker so Erkenntnisse wie „Die Zeiten, in denen die Wall Street den Puls der Weltwirtschaft bestimmte, sind unwiderruflich vorbei“.
Diese Erkenntnis ist nicht furchtbar neu, aber die USA bleibt auch in der kommenden Dekade die größte Volkswirtschaft der Welt, Wall Street bestimmt die Trends für die etablierten Volkswirtschaften und der US-Dollar bestimmt zudem das Geschehen für die Intermarket-Korrelationen, wie nachfolgend noch gezeigt werden wird. Insofern ist auch diese Auszeichnung ein Sentimentzeichen, dass die Menschen nach einer solchen Zuspitzung einer Krise glauben, dass eine Rückkehr zu einem vorherigen Zustand nicht möglich ist.
Robert Rethfeld hat in seinem Wochenend-Wellenreiter „Dow 10.000-die große runde Zahl“ schöne Charts über einige der Krisen im letzten Jahrhundert verwendet.
http://www.wellenreiter-invest.de/
Und auch diese Krise 2007/8 wird nicht die letzte gewesen sein.
Wie man anhand der Charts sehen kann, starten große neue Bullenmärkte erst nach einem dritten oder vierten Tief, auch wenn das zweite große Preistief vielleicht bereits DAS Tief dieser Seitwärtsbewegung war. Also wir können uns unter diesem Blickwinkel auch auf weitere Krisensituationen in der kommenden Dekade „freuen“.
Wie sind eigentlich die Aussichten, dass das Preistief Herbst 2008/Frühjahr 2009 (im S&P 500 muss man die 666 Punkte aus dem März 2009 als das wichtige Preistief ansehen, während im Nasdaq 100 bereits Ende November 2008 das Preistief gebildet wurde) auch bereits das finale Tief innerhalb einer längeren preislichen Seitwärtsentwicklung ist? Obwohl die korrekte Beantwortung nicht entscheidend für das Agieren in den kommenden Monaten ist, sehe ich ein technisches Argument, um annehmen zu können, dass das Preistief im S&P 500 von 666 Punkten in der kommenden Krise/Rezession nicht mehr unterschritten werden wird.
Die Advance-/Decline-Linie zeigt eine extrem starke Dynamik an und notiert bereits unmittelbar an den Verlaufshochs vom Mai 2007.
Die AD-Linie neigte vor dem 2000er Hoch bereits lange Zeit zur Schwäche, zeigte dann aber deutliche Stärke ab 2002. Im Oktober 2007 bildete die AD-Linie ein niedrigeres zweites Hoch aus, im März 2009 bildete sie kein neues Tief aus und steigt in lediglich 7 Monaten auf ihr vorheriges Höchstniveau an. Das „Mehr an Inflation“ zeigt also nicht nur bei den Rohstoffen, sondern auch hinter der Fassade der großen Indizes ihre Wirkung.
Neben diesen längerfristigen Gedanken geht es nun eine Zeitebene nach unten. Es ist bereits etwa 18 Monate her, da schrieb mir Abonnent Ro*** Pf***** eine E-Mail und wies mich auf einen Artikel des Kollegen Marcel Mussler hin, der in der Zeitschrift „Smart Investor“ geschrieben hatte. Abseits des Rauschens der täglichen Berichterstattung lieferte der MACD im Monatschart recht gute Informationen, was auf Sicht von einigen Monaten zu erwarten ist. Ich fange mit dem S&P 500 an, bevor der Blick zusätzlich aus aktuellem Anlass auf den DAX fällt, da der Schwanz bekanntlich nicht mit dem Hund wackelt.
Als Handlungsmarken auf Monatsbasis sind die Punkte markiert, wenn sich die beiden Linien gekreuzt haben. Im S&P 500 gab es demzufolge ein Verkaufssignal am 29.02.2000, ein Kaufsignal am 31.05.2003, ein Verkaufssignal am 31.05.2006 und ein neuerliches Kaufsignal am 31.07.2006, ein Verkaufssignal am 31.12.2007 und per 31.08.2009 ein neues Kaufsignal. Das sind wenige Handelssignale (6) für den Zeitraum einer Dekade. Zudem war lediglich das Verkaufssignal Ende Mai 2006 verfrüht. Da der Indikator auf sehr tiefem Niveau verläuft, ist ein neuerliches Signal für den Rest des Jahres unwahrscheinlich.
Im DAX gab es zeitlich leichte Verschiebungen bei den Signalen. Zum 30.09. gab es hier ein frisches Kaufsignal, Ende August scheiterte dieses Signal noch hauchdünn. Da der Indikator noch auf sehr tiefem Niveau notiert, ist auch hier auf Sicht einiger Monate kein neues Verkaufssignal zu erwarten. Der Indikator ist sehr träge und das Generieren eines Signals führte in den drei vorherigen Fällen im Folgemonat zu Gegenbewegungen, aber die wenigen generierten Signale verliefen profitabel.
Bevor es nun zum gewohnten Marktkommentar mit den CoT-Daten geht, steht mit Beginn der kommenden Kalenderwoche ab Dienstag der Beginn der Quartalssaison an. Im Juli war dies der Beginn des zweiten Teils der Rally, so dass sich die Frage stellt, ob auch diesmal wieder mit einer starken Aufwärtsbewegung zu rechnen ist. Alcoa meldete in der vergangenen Woche bereits Zahlen und die Börsianer jubelten, da die Ergebnisse besser als erwartet ausfielen. Doch die Fakten sind an der Börse das eine, die Reaktion mitunter eine andere. Wenn schlechte Nachrichten gekauft werden, dann ist dies positiv für die mittelfristigen Aussichten zu werten. Wenn gute Nachrichten abverkauft werden, dann ist damit zumindest eine Verschnaufpause zu erwarten.
Im Fall von Alcoa war die erste Reaktion positiv, die Aktie stieg mit Kurslücke in den Handel am Donnerstag, allerdings notiert sie am Freitag abend auf dem Niveau vom Mittwoch abend vor der Veröffentlichung der Zahlen. Auch wenn Alcoa noch nicht DER Gradmesser für die Berichtssaison ist, so zeigt die Reaktion auf die Zahlen mit einer hochvolumigen Kerze, dass bereits einiges eingepreist ist und die Berichtssaison ab Dienstag eher holprig verlaufen wird. Und damit kommen wir zum eigentlichen Marktgeschehen am Freitag und nachfolgend zum Marktkommentar mit den CoT-Daten.
Vorab kurz die Marktdaten von Freitag:
Dow Jones Industrial Average 9.864 +78
S&P 500 1.071 +6
Nasdaq 100 1.727 +10
T-Bonds (30 Jahre) 119,97 -1,75
US-Dollar-Index 76,43 +0,46
Euro/US-Dollar 1,4731 -0,0063
Gold in US-Dollar 1.049 -6
Ölpreis in US-Dollar 72,25 +0,56
Handelsvolumen 0,99 Mrd (1,23)
Aufwärtsvolumen 60%
Neue Hochs 283
Neue Tiefs 6
Put/Call-Ratio CBOE: 0,79 ; GD 10 0,89
Put/Call-Ratio Equity: 0,55 ; GD 10 0,62
Put/Call-Ratio OEX: 1,08 ; GD 10 1,28
Put/Call-Ratio ISEE: 160 : GD 10 122
Das Handelsvolumen war mit unter 1 Mrd Aktien an der NYSE unterirdisch niedrig und zeigt trotz steigender Kurse an jedem einzelnen Handelstag in der abgelaufenen Woche eine abwartende Haltung der Marktteilnehmer. Die gesamte Handelswoche beinhaltete summa summarum eine Kontraktion im Handelsvolumen, so dass die jüngste Aufwärtsbewegung auf die „magische“ Marke von 10.000 Punkten im Dow Jones (Industrial Average) den Malus besitzt, dass mit sinkendem Interesse die Kraft auf ein nachhaltiges Überwinden fehlt. Die Kleinspekulanten zeigen bei den ISEE bei der Annäherung an die runde Marke wieder einen größeren Optimismus, von Seiten des smarten Geldes im S&P 500 gibt es jedoch noch kein Warnsignal in Form erhöhter Absicherungstätigkeit.
Der Veröffentlichungs-Fahrplan für die kommende Handelswoche aus Sicht des Wellenreiters:
Am Mittwoch und am Freitag wird Robert Rethfeld aus seinem Urlaubsdomizil in Norddeutschland die pdf-Version der Frühausgabe versenden. Wenn es kurz nach 9 Uhr werden sollte, dann bitten wir um Verständnis aufgrund der Urlaubssaison. Am Montag in der kommenden Woche geht es dann mit einem Marktüberblick von Robert Rethfeld weiter.
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Interpretation des aktuellen CoT-Reports
Von Alexander Hirsekorn
Der CoT-Report vom 06.10.09 enthält neue Extrempositionierungen der Commercials bei Aktien (Nasdaq 100), Devisen (Euro/US-Dollar) und Edelmetallen (Silber).
Eine veränderte Einschätzung ergibt sich lediglich am Anleihenmarkt, sie verändert sich von neutral auf bearish.
Aktien: Dow 10.000 als Magnet für die kommende Woche, Berichtssaison dürfte eher holprig verlaufen
Der S&P 500 befindet sich weiterhin in seinem steilen Aufwärtstrend seit dem Märztief. Die Sequenz steigender Hoch- und vor allem Tiefpunkte ist weiterhin intakt, so dass der Aufwärtstrend als intakt anzusehen ist. Das jüngste Preistief vom 02.10.2009 lag bei 1.019,95 Punkten, das Zwischenhoch vom 07.08. lag bei 1.018,00 Punkten. Die Umkehrkerze vom Freitag der Vorwoche nach den Arbeitsmarktdaten und der nachfolgende quasi 90% Aufwärtstag sind als ein gutes Umkehrmuster auf der Unterseite anzusehen (siehe Dienstagsausgabe). Insofern hatte die Korrektur dazu geführt, dass per Saldo zwischen Anfang August und Anfang Oktober trotz des intakten Trends per Saldo wenig passierte. Die zentrale Unterstützung auf der Unterseite liegt damit im Bereich von 1.020 Punkten und damit schon auf deutlich höherem Niveau die der Bereich von 950 Punkten, der noch signifikanter unter längerfristigen Gesichtspunkten ausfällt. Auf der Oberseite lag das Preishoch auf Schlusskursbasis am 22.09. bei 1.071,66 Punkten, das Intradayhoch bei 1.080,15 Punkten. Beide Niveaus wurden noch nicht übertroffen, das Freitagshoch lag quasi auf dem identischen Niveau (1.071,49 Punkte) vom Septemberhoch. Ein bearishes Doppelhoch ist momentan jedoch nicht zu erkennen. Die Industriewerte im Dow Jones haben auf Schlusskursbasis bereits ein neues Bewegungshoch erreicht, die Transportwerte liegen noch deutlich zurück (vorläufige Nicht-Bestätigung nach der Dow-Theorie).
Der Malus der Aufwärtsbewegung liegt im sehr niedrigen Handelsvolumen in der vergangenen Woche. Die Daten lauten: 1,11-1,23-1,09-1,28 und 0,99 Mrd Aktien. Saisonal ist eine Schwäche in den Handelsvolumina zu diesem Zeitpunkt durchaus üblich. Nachdem die Abwärtsbewegung jedoch mit hohem Handelsvolumen ablief und der jüngste Preisanstieg wenig Volumen besaß, besitzt ein Verharren in der Nähe der alten Bewegungshochs eine erhöhte Wahrscheinlichkeit.
Da Bankenindex und Technologieindex im Vergleich zum S&P 500 ein nahezu identisches kurzfristiges Bild angeben, sparen wir uns die charttechnischen Details. In den CoT-Daten ergibt sich jedoch für den Nasdaq 100 ein neues Extremum bei der kommerziellen Positionierung.
Im Technologiebarometer besitzen die Commercials die größte Netto-Short-Positionierung der letzten 52 Wochen. Zuletzt ergab sich Anfang August eine nahezu identische Positionierung der Commercials, damals setzte eine Konsolidierungsformation ein.
Aus Sicht der Intermarkets ist ein Blick auf die Carry-Währung Euro/US-Dollar sinnvoll.
Der Chart zeigt an, dass die unteren Wendepunkte im Euro/US-Dollar mit Preistiefs im S&P 500 einhergehen, zuletzt am Freitag der Vorwoche (02.10.). Auf der Oberseite lief das Währungspaar zeitlich einer Korrektur aus (Junihoch im Euro/US-Dollar, Julihoch sowie momentan mit einem Septemberhoch). Das (potentielle) Doppelhoch im Euro/US-Dollar ist zumindest kurzfristig als ein Signal einer anstehenden Verschnaufpause zu verstehen, oberhalb der Marke von 1,44 US-Dollar gibt es auch kein negatives Signal aus dem Währungspaar.
Mit Blick auf den saisonalen Chart ist ein Pullback mit einer anschließenden Seitwärtsbewegung an dieser Stelle als normal zu bezeichnen.
Wenn das Währungsbarometer eine Verschnaufpause in Form einer Konsolidierung/Korrektur anzeigt, dann hat dies auch Auswirkungen auf den Goldpreis.
Beide Märkte steigen im Rahmen der Reflationierung gemeinsam an, der Goldpreis hat dabei zeitlich die Funktion eines Vorläufers. Dies war Anfang Juni beim Hoch zu beobachten, dies galt vor allem bei der Preisschwäche des S&P 500 Anfang September (Goldpreis bestätigte die Schwäche des Aktienmarktes nicht) und war auch am Freitag der Vorwoche zu erkennen (kein neues Bewegungstief des Goldpreises). Dem Ausbruch auf neue historische Bewegungshochs folgte am Freitag die Verschnaufpause, die der Aktienmarkt noch nicht anzeigt.
Bei den Marktstrukturdaten des US-Aktienmarktes ergeben sich trotz 5 Tage in Folge steigender Kurse keinerlei Extrema.
Nachdem das Aufwärtsvolumen im 10-Tages-Durchschnitt den überverkauften Bereich am Freitag der Vorwoche erreichte, steigt es an und hat noch nicht den überkauften Bereich (> 60 Prozent) erreicht. Die Grenzen 40 und 60 Prozent sind gute Orientierungsmarken, allerdings gelten folgende Regeln: In Abwärtstrends (siehe 2008) fällt das Aufwärtsvolumen bis 30-35 Prozent, bevor sich Preistiefs bilden. Bei einem Aufwärtsvolumen von 60 Prozent bildeten sich sehr zuverlässig Preishochs. Im Aufwärtstrend gelten die Regeln exakt spiegelbildlich: Preistiefs bilden sich bei Niveaus von 40 Prozent, Preishochs erst bei 65-70 Prozent. Insofern besitzt dieser kurzfristige Indikator noch etwas Luft auf der Oberseite und damit etwas weiteren Raum für einen Preisanstieg.
Fazit für den US-Aktienmarkt:
Die runde Marke von 10.000 Punkten zieht die Kurse im Dow Jones Industrial Average wie ein Magnet an, ein Erreichen dieser Marke ist im Verlauf der ersten Wochenhälfte wahrscheinlich. Aufgrund der dann erreichten kurzfristigen Überkauftheit und der saisonal üblichen Korrekturbewegungen in den Intermarkets sollte aber etwas ähnliches wie beim Goldpreis nach dem Überwinden der 1.000er Marke Anfang September passieren: Es setzte eine Konsolidierung und ein Oszillieren um diese Marke ein. Das Erreichen der 10.000er Marke ist letztlich nicht als der Eintritt in den kommenden Bärenmarkt zu werten, die Entwicklung hin zum Schlechten wäre ein Prozess, der über viele Wochen abläuft und eine deutliche Verschlechterung der Marktstruktur mit der Ausbildung einer Vielzahl von Divergenzen als Voraussetzung besitzen müsste.
Die Einschätzung verbleibt auf bullish.
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Anleihen: Staatsanleihen mit Umkehrkerze am Freitag, Rebreak der Marke von 3,25% lässt Fehlausbruchsszenario wahrscheinlich werden, Fehlausbrüche führen zu schnellen Bewegungen in die Gegenrichtung, einige Gedanken zur Exit-Strategie der FED
Die kommerzielle Begeisterung für lang laufende Staatsanleihen hat zuletzt deutlich gelitten, auch wenn in beiden Laufzeiten von 10 und 30 Jahren weiterhin per Saldo eine Netto-Long-Positionierung zu beobachten ist. Es handelt sich in dieser Woche um die niedrigste Netto-Long-Positionierung der Commercials seit März 2009. Damals notierten jedoch auf einem deutlich höheren Preisniveau, so dass das Verhalten der Commercials mittlerweile einen niedrigeren fairen Wert impliziert.
http://stockcharts.com/h-sc/ui?c=$TNX,uu[h,a]daclyyay[pb50!b200!f][vc60][iue12,26,9!lc20]
Die Unterstützung bei 3,25% wurde bei den zehnjährigen Anleihen zwar unterschritten, die perfekte a-b-c-Korrektur wäre unter der Bedingung a=c bis 3,13% gelaufen, es wurden 3,106%. Die nunmehr steigende 200-Tageslinie hat jedoch den Renditerutsch aufgehalten und seit Donnerstag ergibt sich eine Wendeformation. Somit ergibt sich auch ein Fehlausbruch unter die Marke von 3,25% und Fehlausbrüche sind sehr gute Muster, die größere Bewegungen mit sich bringen (siehe Fehlausbruch im S&P 500 unter die Marke von 875 Punkten im Juli).
http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=$TNX&p=W&b=5&g=0&i=t45176114435&r=6908
Im längerfristigen Chartbild steht eine V-förmige Erholung eine korrektive Phase gegenüber. Insofern dürften höhere Renditen in den kommenden Monaten zu erwarten sein.
Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der langfristigen Zinsen wird die Entwicklung der kurzfristigen Leitzinsen und die generelle FED-Politik in Richtung einer neutraleren Geldpolitik. Robert Rethfeld hatte dieses Thema bereits charttechnisch in der Freitagsausgabe vom 09.10.2009 aufgearbeitet und kam zu dem Ergebnis, dass aufgrund der leichten Verbesserungen am Arbeitsmarkt (bei den wöchentlichen Daten) ein Zinsschritt in einigen Monaten anstehen wird. Die stimmungsberechtigten FED-Mitglieder sind sich kurzfristig einig, dass es in diesem Kalenderjahr keine Leitzinserhöhung geben wird. Das Thema Exit-Strategie wird aktueller, Ben Bernanke nennt (neben der Erhöhung des Leitzinssatzes) hierfür drei Optionen.
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:inflationsgefahr-bernankes-exit-gedankenspiele-befluegeln-den-dollar/50021249.html?page=2
- Reverse-Repo-Geschäfte, bei denen die Notenbank Wertpapiere verkauft, um sie später zu einem höheren Preis zurückzukaufen
- längerfristige Einlagen (Term deposits) bei der Fed für Geschäftsbanken, die dort ihr überschüssiges Geld anlegen
- Traditionelle Wertpapierverkäufe auf dem offenen Markt.
Option 3 (Traditionelle Wertpapierverkäufe) scheidet von meinem Grundverständnis aus, da damit die Preise unter Druck geraten würden und ein Zinsanstieg am langen Ende das letzte ist, was sich Ben Bernanke wünschen würde. Bleiben die Optionen 1 (Reverse Repo-Geschäfte) und 2 (längerfristige Einlagen). Nun habe ich kein Faible für die eine oder die andere Variante, aber zu Option 1 gab es in meinem Nachrichtenticker von Dow Jones Newswire am Freitagabend eine Nachricht mit dem Titel „FED testet seit März reserve Repogeschäfte“. Die Quintessenz des Beitrages habe ich kopiert.
Die Umsetzung dieser liquiditätsabsorbierenden Geschäfte dürfte allerdings
noch auf sich warten lassen. In diesem Jahr werde die Notenbank noch nicht
Gebrauch von diesem Instrument machen, eher erst nach dem ersten Quartal 2010, sagte die Person, die namentlich nicht genannt werden wollte.
Die FED denkt über einen Exit nach und tendiert zum Frühjahr 2010. Da wir zudem wissen, dass die FED aggressiver als in 2004 vorgehen möchte, werden die Maßnahmen der FED auch Spuren bei der Währung und über die Währung an den Aktien- und Rohstoffmärkten haben, da Carry Trades aufgelöst werden dürften. Zyklisch passen diese angekündigten Maßnahmen so beängstigend gut in den Fahrplan des Blasenmusters der Nasdaq, dass ich es selbst kaum glauben kann…
Fazit für den US-Anleihenmarkt:
Bei den zehnjährigen Anleihen war die Marke von 3,25% als die Linie im Sand genannt worden. Per Freitag erfolgte ein Rebreak der Marke nach der Ausbildung eines kleinen Doppelbodens, so dass nach der Regel, dass Fehlausbrüche zu schnellen Bewegungen in die Gegenrichtung führen, mit weiterer Preisschwäche bei den lang laufenden Anleihen in der kommenden Handelswoche zu rechnen ist. Die gesamte Aufwärtsbewegung seit Juni wirkt weiterhin korrektiv als a-b-c und würde für eine etwas größere Preisschwäche sprechen. Ob die Preisschwäche nur ein kleiner Mini-Sell Off wird oder mehr daraus wird, wird maßgeblich an der Entwicklung des Intermarketfaktors US-Dollar/Yen liegen, der Chancen auf ein preisliches Doppeltief besitzt und damit auf eine Trendumkehr besitzt. Ich nehme jedoch an, dass die Bewegung am Devisenmarkt eher eine Korrektur wird, so dass die Erwartungshaltung auf einem Mini Sell-Off am Anleihenmarkt liegt.
Durch das Rebreak der Marke von 3,25% verändert sich die Einschätzung für die US-Anleihen wieder auf bearish.
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Devisen: Euro/US-Dollar in Korrekturphase scheitert zunächst an 1,48er Marke, saisonal Konsolidierung üblich
Im Sektor gibt es eine kommerzielle Extrempositionierung. Im Euro/USD besitzen die Commercials die größte Netto-Short-Positionierung seit über einem Jahr. Da der Chart nach unten hin nicht weit genug dargestellt ist, entfällt an dieser Stelle die Verlinkung. Das große Positionierungsextremum spricht aber für Korrekturbedarf.
Der Aufwärtstrend des Euro/US-Dollars seit März 2009 ist intakt, der Bereich 1,44/4450 US-Dollar ist eine sehr starke Unterstützungszone. Das Währungspaar hat zwar zunächst ein kleines Doppelhoch ausgebildet, dies kann aber ebenso nur eine Pullbackreaktion werden. Die Marke von 1,48 US-Dollar ist ein Widerstand, da im September die Gegenbewegung auf diesem Preisniveau stoppte. Da die letzte Bewegung bereits die dritte Bewegung auf dieses Niveau war, scheitert die Aufwärtsbewegung nun endgültig oder im vierten Anlauf erfolgt der Durchbruch auf der Oberseite.
Mit Blick auf den saisonalen Verlauf erfolgt nach einer korrektiven Bewegung im Oktober weitere Schwäche im US-Dollar bis zum Jahresende. Insofern überwiegen die Chancen einer Pullbackbewegung.
Fazit für den US-Dollar:
Der Abwärtstrend des US-Dollars ist intakt, eine Pullbackbewegung im Euro/US-Dollar bis in den 1,44er Bereich wäre für den Monat Oktober aber auch aus saisonalen Erwägungen heraus zu erwarten. Als potentieller Überraschungsfaktor für den Monat Oktober taugt am ehesten den US-Dollar/Yen (siehe Ausführungen zu Anleihen).
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Edelmetalle: Goldpreis mit Ausbruch auf neue historische Preishochs, Monat Oktober Konsolidierungs-/Korrekturmonat
Die Commercials sind bei Gold, Platin und Palladium bis „zum Anschlag“ short positioniert, bei Silber fällt die wöchentliche Veränderung marginal aus, es ergibt sich jedoch ein neues 52-Wochen-Extremum auf der Shortseite.
Karikaturist Horsch hat das Zeitgeschehen mal wieder auf den Punkt gebracht: Der Goldpreis erreichte in dieser Woche neue historische Preishochs. Und damit zeigt der Goldpreis zumindest kurzfristig die „erfolgreiche“ Reflationierungspolitik der FED an.
Um die kurzfristigen Schwankungen zu eliminieren habe ich absichtlich die Sichtweise der Wochencharts gewählt. Im März 2008 gab es exakt einen einzigen Handelstag mit einem Schlusskurs über 1.000 US-Dollar. Mit 1.001 US-Dollar war dies trotz des Intradayhochs von 1.033 US-Dollars nur ein marginales Überschreiten der runden Marke, auch das Überschreiben im September 2009 fiel marginal (1.004 US-Dollar) aus. Erst in der abgelaufenen Woche erfolgte auf Wochenbasis der Ausbruch des Goldpreises auf US-Dollar. Wenn man die lange Seitwärtsphase im Chartbild berücksichtig und die reduzierte Volatilität, die vor dem Kursanstieg ab Anfang September zu beobachten war, berücksichtigt, dann sehen so keine Fehlausbrüche aus. Zur Absicherung der Positionen sollte der Stopp-Loss knapp unterhalb des jüngsten Zwischentiefs (war bei 985 US-Dollar, daher bei 980 US-Dollar) liegen.
Die Unterstützungszone bei 980 US-Dollar ergibt sich kurzfristig auch als Kreuzunterstützung, da neben der horizontalen Unterstützung auch der Aufwärtstrend seit Ende Oktober 2008 am Ende dieses Monats die Marke von 980 US-Dollar berühert.
Fazit für den Edelmetallsektor:
Der Monat Oktober ist als Korrektur- bzw. Konsolidierungsphase bekannt, insofern wäre eine kurzfristige Verschnaufpause bei den Edelmetallen nicht ungewöhnlich.
Die Einschätzung für den Goldpreis verbleibt weiterhin auf bullish.
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Energie: Erdölpreis am Beginn der saisonalen Schwächephase
http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=$WTIC&p=D&b=5&g=0&i=t66043567358&r=1589
Der Erdölpreis bewegt sich übergeordnet weiterhin in einer engen Seitwärtsbewegung von etwa 10% zwischen 67 und 75 US-Dollar, nachdem auf der Unterseite ein Fehlausbruch zu verzeichnen war. Auf der Oberseite ist der Preisbereich von 73-75 US-Dollar als ein sehr starker Widerstand anzusehen. Die Wunschvorstellung der OPEC lautete 70-75 US-Dollar für den Erdölpreis und mit Blick auf die Preisentwicklung muss man feststellen, dass die OPEC exakt diesen Preis auch bekommen hat.
Das saisonale Muster sieht den Erdölpreis am Ende der Toppingphase, in Kürze beginnt die saisonal schwächste Phase, die bis Mitte Dezember anhält.
Fazit für den Erdölmarkt:
Der Erdölpreis notiert seit 4 Monaten seitwärts und zeigt wenig Dynamik an. Das saisonale Muster lässt den Beginn einer Schwächephase in den kommenden Handelstagen erwarten.
Insofern bleibt die Einschätzung auf bearish bestehen.
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Agrar/Fleisch:
Sojabohnen vor neuer Aufwärtsbewegung
Neue Extrema in der Positionierung liegen in dieser Woche nicht vor. Erwähnenswert erscheint aber der Markt für Sojabohnen. Die Commercials besitzen ähnlich wie in der Vorwoche eine leichte Netto-Long-Positionierung. Zuletzt konnte man dies im März 2009 beobachten. Damals lagen die Preise auf einem deutlich niedrigeren Niveau, so dass die Commercials den Sojabohnen einen deutlich höheren fairen Wert zubilligen. Dies ist schon einmal positiv zu bewerten. Im März 2009 war die positive kommerzielle Positionierung der Startpunkt einer deutlichen Aufwärtsbewegung. Insofern stehen die Chancen auf eine neuerliche Aufwärtsbewegung nach der deutlichen Preisschwäche ab Juni gut. Unterstützung bekommen die Sojabohnen zudem vom saisonalen Faktor, der ein Ende der Phase der Preisschwäche verspricht. Insofern erscheinen die Sojabohnen als ein antizyklisch interessanter Markt für eine Aufwärtsbewegung.
Berücksichtigt man zudem die relative Stärke der Sojabohnen in der Betrachtung der Getreidesorten und einen intakten Aufwärtstrend, dann ist das kommerzielle Verhalten ein sehr bullishes Omen für die Entwicklung der Sojabohnenpreise, so dass auch eine Rückkehr zu den 2008er Hochs denkbar ist.
Fazit/Ausblick
Die kommende Handelswoche wird in den USA relativ ruhig beginnen, da die Amerikaner mit dem „Columbus Day“ einen Feiertag begehen. Es ist jedoch lediglich der Anleihenmarkt geschlossen, am Aktienmarkt dürften die Volumina daher sehr gering ausfallen. Ab Dienstag startet die Berichtssaison der US-Unternehmen, vor Börsenbeginn wird Johnson&Johnson berichten, nach Börsenschluss u.a. Intel Corp. Zudem werden die beiden Reden der FED-Präsidenten Dudley und Kohn für Interesse sorgen. Kohns Thema „Gateway to recovery. A view from the FED“ wird weitere Hinweise auf den Beginn des Zinserhöhnungszyklus geben können. In 2004 sorgte dieses Thema ebenfalls im Vorfeld des ersten Zinsschrittes für eine korrektive Phase, als der erste Zinsschritt im Juni 2004 vollzogen wurde, war das Gros der Korrekturbewegung bereits absolviert.
Am Mittwoch wird mit J.P.Morgan die erste Großbank ihre Quartalszahlen berichten, am Abend erscheint das Protokoll der letzten FED-Sitzung. Zudem werden mit den Erzeugerpreisen die ersten Preisdaten veröffentlicht, am Donnerstag folgen die Verbraucherpreise. Das Überraschungspotential bei den Daten liegt auf der Oberseite. Am Donnerstag folgen zudem vor Börsenbeginn die Quartalszahlen von Goldman Sachs und Citigroup, am Nachmittag folgt zudem der Philly-FED-Index als Konjunkturindikator. Nach Börsenschluss folgt mit AMD ein weiteres Halbleiterunternehmen mit Zahlen, zudem mit Google und IBM zwei weitere Schwergewichte der Technologiebranche. Am Freitag melden zudem mit Bank of America und General Electric zwei weitere Unternehmen ihre Quartalszahlen.
Absacker:
Hans Redeker äußert sich zu den Perspektiven am Devisenmarkt:
http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E120DE77688F64F54B39B427A6A75F1C8~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
Der Dollar wird auf 80 Yen fallen, der Euro/US-Dollar wird sich in Richtung Jahresende weiter verteuern.
Die Vermutung, dass der Dollar auf 80 Yen fallen wird, hatte ich vor 14 Tagen auch. Die Divergenz beim RSI und die Umkehrkerze am Freitag lassen die Chancen auf ein Doppeltief zu. Mich stört jedoch die nicht deutlich angestiegenen Handelsvolumina, so dass die Bewegung auch nur eine Gegenbewegung („Bounce“) in einem intakten Abwärtstrend darstellen kann.
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