Wellenreiter-Finanzblog

18. Juli 2010

19.07.10-Wellenreiter Frühausgabe: Update Blasenmuster, “Sell the (good) news”-Muster in US-Berichtssaison, Übersicht über Anlageklassen

Abgelegt unter: Allgemein — hirse @ 16:58

Bevor der Überblick über die einzelnen Märkte beginnt, steht an erster Stelle unser Hauptgedanke aus dem Jahresausblick 2010, aber auch aus den älteren Jahresausblicken, die für die Jahre 2006-2009 frei zugänglich im Internet stehen. Der Hauptgedanke – das Blasenmuster für die Aktienmärkte – ist bereits seit vielen Jahren ein ständiger Wegbegleiter des Wellenreiters gewesen, denn bereits in 2004 schrieb Robert Rethfeld für das monatlich erscheinende Printmagazin den Artikel „Die Anatomie der Spekulationsblase“.

http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=457

In diesem Artikel sagte er mit Hilfe von Blasenmustern und zyklischen Zeitrelationen ein Preistief an den Aktienmärkten für 2009 voraus und zudem für 2008 einen Inflationshöhepunkt.

Urlaubsbedingt kann ich leider nicht mit einer ganz aktuellen Version des Blasenmusterverlaufscharts dienen, ich bediene mich des Chartbildes vom Wochenend-Wellenreiter vom 13.06.2009

http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter090613.htm

Die wichtigen Schlüsselmarken sind die Zeitpunkte 2,5 Jahre nach einem Blasenhoch (Tiefpunkt), 5 Jahre (Tiefpunkt), ca. 7,5 Jahre (Hochpunkt), Jahr 9 (Tiefpunkt) und zu Beginn des 11. Jahres (Hochpunkt). Diese wesentlichen Koordinaten stimmen weiterhin für die Blase der Technologiewerte an der Nasdaq mit ehemaligen Blasen wie dem Dow ab 1929, dem Nikkei ab 1990, aber auch Gold ab 1980 (hier nicht dargestellt) überein. Insofern ist das Aprilhoch 2010 als ein wichtiger zyklischer oberer Wendepunkt einzustufen. Übergeordnet steht eine Abwärtsbewegung in das 12./13. Jahr an, der sich dann eine mehrjährige Aufwärtsbewegung anschließen würde. Im großen Bild bleibt zudem festzuhalten, dass die nächste große Haussebewegung im Dow Jones Vergleich ab 1929 erst nach 20 Jahren mit einem wichtigen Preistief in 1949 und bei Gold nach 21 Jahren (Doppeltief 1999/2001) startete. Japans Aktienmarkt befindet sich seit 20 Jahren in einer Baisse, ab 2011 würde zyklisch Hoffnung auf einen Trendwechsel (Dreifachtief im Bereich von ca. 7.000 Punkten in 2003/2009/2011?) bestehen.

Der Weg der Abwärtsbewegung in das 12./13. Jahr wird nicht geradlinig sein und die beiden Verläufe von Nikkei und Dow zeigen gerade für das 10. Jahr eine unterschiedliche Entwicklung an. Das Gros der Abwärtsbewegung endete im Nikkei bereits im Herbst 2001.

Im Blog erschien am 27.04.2010 ein Vergleich der Verläufe der Nasdaq und des Nikkeis, da der Nasdaq damals exakt das Preisniveau erreicht hatte, bei dem die Aufwärtsbewegung im Nikkei endete.

http://www.wellenreiter-invest.de/Wordpress/?p=108

Im Fall vom Nikkei folgte eine Abwärtsbewegung von etwas über 20% vom Top, eine Rally um 10% und dann eine Seitwärtsbewegung, die sich nach unten auflöste. Die Gefahr eines neuen Preistiefs in den kommenden Wochen ist damit nach diesem Vergleich vorhanden, im S&P 500 liegt das Risiko nach diesem Vergleich bei einem Rückgang in den Bereich von 950 Punkten.

Für den Dow im Jahre 1939 ergab sich hingegen eine monatelange Seitwärtsbewegung, bevor spät im 10. Jahr ein scharfer Einbruch (Mai 1940) erfolgte. Ein sehr scharfer Einbruch geschah damit zwei Jahre nach einem wichtigen Tiefpunkt, ein erster Einbruch ein Jahr nach dem Tief 1938 wurde komplett korrigiert, die alten Zwischenhochs wurden wieder erreicht.

Fazit zum Blasenmuster als Blaupause der kommenden Jahre:

Die Bewegung des Dows war nicht so stark deflationär, der Nikkei zeigte damals mehr Preisschwäche und fiel in der Folge auch deutlich auf neue Bewegungstiefs. In den letzten drei Jahren erinnert die Bewegung im Nasdaq stärker an die Bewegung des Nikkeis, zum Teil wahrscheinlich auch durch die politischen Einflussmaßnahmen (Konjunkturmaßnahmen, die zu Strohfeuern führen). Politiker drehen mit ihren Maßnahmen keinen übergeordneten Trend! Setzt sich die hohe Korrelation zwischen Nikkei anno 2000/01 und dem Nasdaq 100 anno 2010 fort, dann sind neue Bewegungstiefs noch in diesem Jahr zu erwarten.

Der Bondsmarkt ist größer als der Aktienmarkt und die Signale, die dieser Markt aussendet, sind wichtige Determinanten in der Bestimmung des größeren Trendbildes.

In 2006 und 2007 bildete sich ein preisliches Doppeltief und damit ein Renditehoch. Der Hochpunkt in 2007 bildete sich Anfang Juni, die Bewegung im Juli oder gar im Oktober wurde von den Anleihen nicht mehr bestätigt. Der Bondsmarkt war ein vorauslaufender Indikator, diese Beobachtung galt ebenso für das Jahr wie für den Frühjahr 2009. In 2010 bildete sich ein Doppeltief und ab Anfang April begann der Bondsmarkt zu steigen, insofern toppte der Bondsmarkt auch in diesem Jahr vor dem Aktienmarkt und bewies damit den vorauslaufenden Charakter. Wir hatten im Jahresausblick 2010 für das Frühjahr eine höhere Inflation und einen schwächeren Bondsmarkt erwartet, haben die Erwartung angesichts des Doppeltiefs am 19.04. korrigiert. Da der Kapitalmarkttrend seit 2000 alternierend durch Deflation und Reflation geprägt ist, ist die Aussage des Bondsmarkt seit drei Monaten wieder auf Deflation gerichtet. Die jüngste Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt haben die US-Staatsanleihen nicht bestätigt, es gab lediglich eine kurze korrektive Bewegung, zum Ende der Handelswoche notierten die Anleihen bereits wieder an ihrem Jahreshoch. Würden die Investoren optimistischer in die Zukunft schauen, dann würden sie Anleihen verkaufen (und Aktien kaufen). Da sie es nicht tun, ist es um den Optimismus schlecht bestellt, die Zukunft wird negativer eingeschätzt.

An diesem Punkt erfolgt fließend der Übergang zum Handel der letzten Tage. Die Berichtssaison in den USA ist angelaufen und zeigt ein klares Muster: „Sell the (good) news“. Zunächst konnte dies bei Alcoa beobachtet werden (Handelsstart 11,32 US-Dollar, Schlusskurs 11,00 US-Dollar), es setzte sich bei Intel fort (Handelsstart 22,06 US-Dollar, Schlusskurs 21,36 US-Dollar) und wer die Erwartungen nicht (über-)erfüllen konnte wie Google, verzeichnete deutliche Abgaben (-6,97%).

Als ein zweiter Faktor für die Trendbestimmung kann das Verhalten von größeren IPOs angesehen werden. Der Donnerstag war dabei der Tag der IPOs. In China war die Emission der AgBank 20-fach überzeichnet- trotz der hohen Nachfrage endete die Emission nur marginal im Plus. In Deutschland ging die Werbefirma Ströer an die Börse, der Emissionspreis lag bei 20 Euro. Nach einem positiven Start mit 20,60 Euro fiel die Aktie bereits am Donnerstag am frühen Nachmittag unter das Emissionsniveau. Der größte US-Börsengang in den USA – Smart Tech – wurde zu 17 US-Dollar emittiert, fiel ebenfalls intraday unter das Emissionsniveau, um sich zum Handelsende marginal (17,05 US-Dollar) ins Plus zu retten. Wenn Neuemissionen floppen, auch wenn sie es gerade noch an die Börse schaffen, dann wollen die Pferde nicht mehr saufen. Dies ist ein Indiz für eine schwächere Börsenentwicklung. Schwach war auch die Entwicklung am Freitag, auch wenn diese Entwicklung für die wenigsten eine Überraschung darstellt, denn die schwachen Freitagsverläufe haben in den letzten Monaten bereits Tradition.

  09.07 12.07. 13.07. 14.07 15.07 16.07.
S&P 500 1.078 1.079 1.095 1.095 1.096 1.064
Volumen 0,88 0,85 1,13 1,06 1,11 1,49
Aufwärtsvolumen 81% 42% 92% 38% 48% 4%
Neue Hochs 87 87 100 93 89 65
Neue Tiefs 8 12 6 9 12 29
PCR CBOE 0,86 1,01 0,83 0,93 0,88 1,10

Mit einem Abwärtsvolumen von 96% war der Freitag, der 16.07., bereits der 19. (!!) Handelstag innerhalb von drei Monaten mit einem extremen Handelsvolumen von mindestens 90%, so dass beinahe jeder dritte Handelstag ein extremes Handelsvolumen aufweist. Eine solche Vielzahl von Extremtagen konnte in den 13 Monaten des Aufschwungs zwischen März 2009 und Mitte April 2010 nicht beobachtet werden, so dass alleine diese extreme Häufung von Extremtagen indiziert, dass „etwas anders“ ist als in dieser vorherigen Aufschwungsphase.

Der größte Verlierersektor war am Freitag der Bankenindex. Im Bereich von 51 Punkten hat sich ein preisliches Doppelhoch gebildet, auf der Unterseite sind der Bereich 46 und 44 Punkte als Unterstützung anzusehen. Für ein positiveres Chartbild muss der Bereich von 51 Punkten überschritten werden. Die Entwicklung der letzten Tage ist durch relative Schwäche gekennzeichnet.

Eine Indikatoraktie ist IBM, da die Aktie im Vergleich zu den Schönwetteraktien wie Intel oder General Electric, nicht abgestürzt ist, sondern nahe am historischen Rekordkurs notiert. IBM wird am Montag nachbörslich Zahlen melden, ich erwähne die Aktie aufgrund der charttechnischen Konstellation. Der Optimist wird eine Tasse-Henkel-Formation, die bei einem Auflösen nach oben ein Kursziel von etwa 200-US-Dollar besitzen würde. Der Pessimist erkennt das abermalige Scheitern an den Hochs der Jahre 1999/2000/2001 sowie 2008 in diesem Jahr und erwartet, dass die eingezeichnete Seitwärtsbewegung nach unten verlassen werden wird. In der Fortsetzung der japanischen Entwicklung unseres Blasenmusters ist die Auflösung nach unten zu erwarten.

Es ist selten, dass Aktien so häufig an ihren Widerständen scheitern, aber auch Newmont Mining zeigt, dass Hochpunkte von vor 20 Jahren mitunter eine zu harte Hürde sind. In dieser Woche bildete die Aktie bei 63 US-Dollar ein preisliches Doppelhoch und verabschiedete sich somit wieder von der Chance, auf neue historische Rekordhochs anzusteigen.

Nachfolgend der Überblick über die einzelnen Assetklassen mit einem Schwerpunkt auf den Devisenmarkt.

Aktien: S&P 500 manifestiert Abwärtstrend, 96%iger Abwärtstrend am Freitag als Ende der Aufwärtsbewegung im Juli, zyklisch Schwäche zu erwarten, „Sell the (good) news“-Muster zu beobachten
 

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Dow Jones Ind. Av. 10.363,02 619,40 +3.591 +5.494 +1.045 -4.449
S&P 500 1.095,34 67,28 +26.964 +28.936 +4.749 -24.188
Nasdaq 100 1.845,03 110,35 +4.175 +1.736 +53 -1.683
Russell 2000 642,82 52,79 +15.253 +3.034 +4.152 +1.117

Die Commercials haben bei stark steigenden Kursen ihre jeweiligen Netto-Long-Positionierungen aufgestockt, indem sie überwiegend Short-Positionen aufgelöst haben. Ein solches Muster ist extrem ungewöhnlich, da üblicherweise die Commercials bei steigenden Kursen antizyklisch vorgehen und nicht den Squeeze auslösen, indem sie Short-Positionen auflösen. Insofern ist die Aussage, dass die Commercials im S&P 500 die größte Netto-Long-Positionierung seit März 2008 besitzen, mit gemischten Gefühlen behaftet, da damals eine Gegenbewegung einsetzte, die den eingeschlagenen Abwärtstrend nicht änderte. Aufgrund des untypischen Handlungsmusters der Commercials bewerte ich ihr Bewertungsverhalten sehr vorsichtig.


Der S&P 500 befindet sich in einem Abwärtstrend seit April 2010. Ausgehend vom Jahresendstand 2009 von 1.115 Punkten ergibt sich bis dato eine Abweichung von 105 Punkten auf der Ober- (1.220 Punkte Jahreshoch 2010) und Unterseite (1.010 Punkte bisheriges Jahrestief). Die Aufwärtsbewegung im Juni dauerte 6 Handelstage an, am 10. Handelstag folgte die Umkehr, die zu neuen Tiefs führte. Die jüngste Aufwärtsbewegung dauerte 6 Handelstage an, am 9. Tag erfolgte die Umkehr. Der preisliche Umfang beider Aufwärtsbewegungen betrug 89 Punkte (Juni 1.042 -> 1.131; Juli 1.010 -> 1.099), insofern war der Anstieg identisch groß. Das Handelsvolumen des jüngsten Anstiegs lag jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Im Juni erfolgte in der einsetzenden Abwärtsbewegung ein 90%iger Abwärtstag am zweiten Tag der Abwärtsbewegung, in dieser Woche setzte ein solch starker Abwärtstag direkt am Topp ein. 90%ige Abwärtstage können einen Abwärtstrend erschöpfen, wenn sie nach einer Phase fallender Kurse zu beobachten sind. Sie stellen dann eine Erschöpfung des Verkaufsdrucks dar (siehe Anfang Februar 2010). Kommen 90%ige Abwärtstage hingegen direkt an einem Topp vor, dann ist es ein Indiz, dass die Aufwärtsphase beendet ist. In der Summe war die Anstiegsphase im Juli marginal schwächer als im Juni, da sie mit niedrigerem Volumen ablief und einen Tag früher nach unten umkehrte.

Auf Wochenbasis ergibt sich eine negative Handelswoche für den S&P 500, der damit eben gerade nicht dem Pfad des Jahres 2009 folgt und der sich auch vom Pfad des Jahres 2004 abhebt, so dass der Verlauf in 2010 nicht den sehr positiven Verlauf im zweiten Halbjahr der beiden genannten Jahre aufweisen wird.

Der Nasdaq 100 legt momentan kuriose Serien an den Tag: zuerst gab es 11 rote Kerzen in Folge, danach 7 weiße Kerzen. Der Abwärtstrend bleibt jedoch intakt. Das erhöhte Handelsvolumen an einem Preishoch ist bearish zu werten, da es für eine Erschöpfung der Käufer spricht. Als preisliche Unterstützung ist der Bereich um 1.750/60 Punkte (Maitiefs) sowie zwischen 1.700-1.720 Punkte (Februartief, Julitief) anzusehen. Im langfristigen Chartbild ist der Bereich um 1.700 Punkte eine sehr wichtige Unterstützung.

Der zyklische Ausblick für die zweite Julihälfte ist negativ.

 

Das Verhalten in 2010 während der Berichtssaison ist zudem vom Muster: „Sell the news“ geprägt, da sich jeweils Hochpunkte Mitte Januar und Mitte April bildeten. Der Hochpunkt in der abgelaufenen Woche reiht sich in dieses Muster des Abverkaufs der Bilanzsaison ein.

Bei den kurzfristigen Marktstrukturdaten zeigte das Aufwärtsvolumen in einer 10-Tageseinstellung per Donnerstag abend einen überkauften Marktzustand (60%) an, per Freitag liegt es mit 56% noch immer auf einem relativ hohen Niveau, so dass bis zu einem abermaligen überverkauften Marktzustand oder bis zur Ausbildung einer positiven Divergenz (höherer Tiefpunkt) einiges an (Abwärts-)Potential besteht. Die Reaktion nach Erreichen eines überkauften Marktzustands zeugte im Juni und am Freitag von deutlicher Schwäche, da sich ein extrem starker Verkaufsdruck bildete. In Bullenmärkten fallen die Pullbacks bei einem überkauften Marktzustand geringer aus. Als positiver Faktor der kurzfristigen Marktstrukturdaten bleibt weiterhin das Put/Call-Ratio im S&P 100 zu nennen, es liegt auf einem sehr niedrigen Absicherungsniveau.(0,77 in einer 10-Tageseinstellung). Da dieser Indikator bereits Anfang Oktober 2008 auf einem sehr neidrigen Niveau lag und danach noch eine deutliche Preisschwäche folgte, ist dieser Indikator zwar gut, aber nicht unfehlbar. Im Verbund mit den anderen beiden Put/Call-Ratios an der CBOE und Aktien ist momentan festzustellen, dass eine Angstspitze nicht vorhanden ist.

Fazit: Die US-Aktienmärkte befinden sich in Abwärtstrends und zeigen bearishe Verhaltensmuster, die Berichtssaison zeigt ein „Sell the news“-Muster an, so dass nicht nur aus zyklischen Erwägungen mit mehr Preisschwäche zu rechnen ist. Das Risiko eines Unterschreitens des Bewegungstiefs von Anfang Juli bei 1.010 Punkten am 38%-Retracement ist gegeben, ein Anlaufen der Zone vor dem Hintergrund der kurzfristig noch überkauften Marktstruktur zu erwarten.

Anleihen: Der „sichere Hafen“ bei Aktienmarktschwäche, da antizyklisch zu Aktien korreliert, kurzfristiges Laufzeitende bereits mit frischen Renditetiefs, Indiz der Konjunkturschwäche
 

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
US Treasury Bonds 125,15 -2,85 +15.149 -18.577 +5.051 +23.628
10-year T-Notes 121,21 -1,03 +138.334 +2.324 +30.438 +28.114

Die letzten FED-Sitzungen inklusive der Protokolle waren in 2010 nicht besonders interessant, da neben der Aussage, dass der Leitzinssatz für eine längere Zeit unverändert bleiben wird. Dies war bei der letzten Sitzung Ende Juni anders. Die FED hat zum einen die Wachstumserwartungen für 2010 marginal gesenkt, die sie Ende April noch erhöht hatte. Mit 3-3,5% Wachstum wurde die Wachstumserwartung um 0,2% gesenkt. Für 2011 wird mit 3,5-4,2%, für 2012 mit 3,4%-4,5% Wachstum gerechnet. Bei soviel Wachstum ist mit normalem Menschenverstand eine Umkehr der Nullzinspolitik zu erwarten, da diese Erwartung drei Jahre überdurchschnittliches Wachstum bedeuten würde. Dieser Projektion glauben aber einige FED-Mitglieder (Eric Rosengren, Boston) nicht und reden von einem gestiegenen Risiko einer Deflation und bereits wieder über neue Konjunkturmaßnahmen. Alleine der Umstand, dass über neue Konjunkturmaßnahmen gesprochen wurde, deutet daraufhin, dass sich zumindest einige FED-Mitglieder darüber bewusst sind, dass der Wirtschaftsaufschwung nicht die Qualität besitzt, um das Etikett selbsttragend zu bekommen.

Aus technischer Sicht ist erwähnenswert, dass das kurze Ende der Anleihenlaufzeiten stärker gesucht als das lange Ende. Der Zinssatz für fünfjährige Anleihen notiert bereits auf einem neuen Renditetief, die zehnjährigen Anleihen notieren am Tief zur Quartalswende, während die dreißigjährigen Anleihen  noch oberhalb des jüngsten Preistiefs notieren. Der Pessimismus ist am kürzeren Ende größer, damit sendet der Bondsmarkt gegenüber den Aktien ein negatives Signal aus und lässt die Aufwärtsbewegung im Juli als Squeeze und nicht als ein wichtiges Preistief erscheinen.

Fazit: Die US-Staatsanleihen sind der „sichere Hafen“ bei Aktienmarktschwäche, die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen bleibt invers und Konjunkturschwäche das Thema am Kapitalmarkt.

Devisen: Euro/US-Dollar-Bewegung im Zielbereich, Rohstoffwährungen zeigen Schwäche, Japanischer Yen Stärke, Indiz steigender Risikoaversion

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
U.S. Dollar Index 83,8210 -0,4850 -15.754 +2.326 -330 -2.656
Euro 1,2728 0,0104 +34.894 -7.567 +860 +8.427
Schweizer Franken 0,9486 0,0050 -19.318 -24.428 -2.513 +21.915
Japanischer Yen 1,1275 -0,0146 -52.533 -9.686 -1.020 +8.666
Britisches Pfund 1,5182 0,0034 +46.623 -3.115 +9.230 +12.345

Die Aufwärtsbewegung des Euro/US-Dollars setzte sich bis Freitag fort, insofern dürfte das Gros der Short-Position der Großspekulanten bis zum Ende der angelaufenen Woche eingedeckt sein bzw. nur noch eine relativ geringe Short-Positionierung übrig geblieben sein, so dass von dieser Seite die Unterstützung der Aufwärtsbewegung am Auslaufen ist.

Der Devisenmarkt besitzt interessante Bewegungen im Euro, im Japanischen Yen und in Rohstoffwährungen wie dem Australischen Dollar.Der Devisenmarkt besitzt interessante Bewegungen im Euro, im Japanischen Yen und in Rohstoffwährungen wie dem Australischen Dollar.

Der Australische Dollar zeigt gegenüber dem US-Dollar am 61%-Retracement ein preisliches Doppelhoch mit einer oberen Umkehr am Freitag. Der Carry Trade in der Rohstoffwährung verliert an Beliebtheit und stellt damit auch eine Belastung für den US-Aktienmarkt und für die Entwicklung der Rohstoffe dar.

Der US-Dollar/Yen ist der nächste „Carry Trade“, allerdings mit einer extrem langen Laufzeit von etwa 12 Jahren (1995-2007), der vor allem in der Realwirtschaft starke Spuren hinterlassen und auch Europa stark berühert, da nicht wenige Finanzierungen von Immobilien in Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Japanischen Yen laufen. Die markierten Hochpunkte im Währungspaar markierten Hochpunkte am US-Aktienmarkt, so dass die Tendenz zu “weniger” Yen auch zu “weniger” im US-Aktienmarkt führte. Zudem bedeutet ein sinkender US-Dollar/Yen auch “weniger” an Rendite bei den US-Staatsanleihen. Der US-Dollar/Yen befindet sich weiterhin in der Abwertungsphase. Das Spiketief 2009 lag bei 84,80 Yen, danach ist erst der Bereich von 80 Yen wieder eine Unterstützung. Die Gegenbewegung im Währungspaar verlief extrem schwach, so dass eine Fortsetzung des Abwärtstrends zu erwarten ist. Insofern ist „Deleveraging“ im Yen weiterhin als intakter Trend anzusehen.

Der Euro/US-Dollar erreichte am Freitag die „runde“ Marke von 1,30 US-Dollar, es bildete sich ein „Doji“ als Indiz eines Patts der Kräfte der Marktteilnehmer. Das Kursziel auf der Oberseite von 1,31 US-Dollar ist damit quasi erreicht worden, so dass ein Rücksetzer zu erwarten ist. Eine obere Umkehr ist noch nicht erkennbar. Die starke Aufwärtsbewegung in den letzten Handelstagen dürfte aber dazu geführt haben, dass die Short-Positionen der Großspekulanten wahrscheinlich komplett oder nahezu komplett aufgelöst wurden und damit die Aufwärtsbewegung an einem vorläufigen Endpunkt angekommen ist.

Fazit: Die Bewegungen am Devisenmarkt sprechen dafür, dass die Marktteilnehmer risikoaverser werden, da die Rohstoffwährungen nicht mehr en vogue sind und sich eine obere Umkehrformation bildet. Die Aufwärtsbewegung des Euros steht ebenfalls nahe an einem Hochpunkt, so dass der US-Dollar(-Index) vor einer Stabilisierung steht.

Metalle: Konjunkturmetalle wie Platin, Silber und Kupfer neigen zur Schwäche, auch Gold folgt mit zeitlichem Abstand und erstmals einem zweiten niedrigeren Preistief im Bereich von 1.215-17 US-Dollar 

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Gold 1.211,15 19,15 -248.348 +794 -4.980 -5.774
Silber 18,22 0,41 -51.214 +1.153 +975 -178
Platin 1.521,00 6,50 -16.027 -181 -362 -181
Kupfer 300,95 4,95 -504 -2.297 +522 +2.819

Neue kommerzielle Extrem-Positionen liegen in diesem Sektor nicht vor.

Der Goldpreis scheiterte zuletzt immer wieder im Bereich von 1.215-17 US-Dollar. Damit hat sich ein zweites niedrigeres Preishoch ausgebildet. Ein Unterschreiten des Zwischentiefs bei 1.185 US-Dollar lässt eine Fortsetzung der Preisschwäche erwarten, da der Goldpreis dann kurzfristig einen Abwärtstrend ausbildet. Eine zentrale Unterstützung in der zweiten Julihälfte stellt der Bereich um 1.160 US-Dollar dar, da der Aufwärtstrend seit einem Jahr am Ende des Monats Juli dieses Niveau erreichen wird.

Die Marktbreite des Goldpreises ist zuletzt negativ, da der Goldpreis in allen großen Währungspaaren an Terrain verliert und somit mehr preisliche Schwäche erwarten lässt.

Der Platinpreis neigte im Sommer 2008 bereits zur Schwäche, bevor der Goldpreis ein zweites niedrigeres Preishoch ausbildete. In den letzten Wochen neigt der Platinpreis bereits zur Schwäche, dies ist auch für den Goldpreis ein negatives Omen. Die Schwäche des Industriemetalls ist zudem ein Hinweis, dass im Sommer 2010 konjunkturell bereits der Herbst Einzug gehalten hat.

 

Da Silber ein Industriemetall ist, orientiert sich die Entwicklung des Silberpreises an der Tendenz des Goldpreises, aber auch an der Entwicklung der Wirtschaft (als Vergleichsmaßstab S&P 500). Der Silberpreis besitzt bei 17 US-Dollar eine starke Unterstützung auf der Unterseite, ein Bruch dieser Zone bestätigt eine Toppbildungsformation.

Aus konjunktureller Sicht ist die Preisentwicklung der Industriemetalle wichtig. Sie haben Anfang Juli die frischen Preistiefs des S&P 500 nicht bestätigt und bestätigten zuletzt den Anstieg des S&P 500 nicht mehr, so dass die Entwicklung des S&P 500 eher als eine Art „Snapback“ anzusehen ist und fortan die Assetklassen Aktien und Rohstoffe gemeinsam in dieselbe Richtung tendieren dürften.

Fazit: Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.

Energie: Erdölpreis oszelliert seitwärts zwischen 71 und 79 US-Dollar, weiterer niedrigerer Hochpunkt in Dreiecksformation deutet auf weitere Schwäche hin

Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Erdöl 77,15 5,17 -28.042 +7.027 +29.287 +22.260
Erdgas 4,35 -0,33 +123.383 +12.038 +8.450 -3.588

Eine neue kommerzielle Extrem-Positionierung liegt in diesem Bereich nicht.


Der Erdölpreis oszilliert in der Bandbreite von 71 und 79 US-Dollar. Der Preischart zeigt sehr erratische Muster, aber keinen Trend an. In der abgelaufenen Woche hat sich ein niedrigeres Preishoch gebildet, damit scheint sich eine Dreiecksformation auszubilden. Eine solche Formation, die in vielen Rohstoffcharts erkennbar ist, kann als Fortsetzungsformation angesehen werden und steht für fallende Preise.

Fazit: Die starke Spekulation ist aus dem Erdölpreis gewichen, bullishe Muster sind jedoch nicht erkennbar, da die Preisentwicklung wie bereits in den Vormonaten sehr erratisch ist und damit sinkende Preise erwarten lässt.

Agrar/Sonstiges: Weizenpreis erreicht kurzfristiges Preisziel
 

Zwei squeezeartige Bewegungen kennzeichnen den Sektor der Soft Commodities. Erst brach der Kaffeepreis aus einer extrem Verengung der Handelsspanne in Trendrichtung nach oben aus. Bei Weizen konnte in den letzten Tagen ein heftiger Short Squeeze beobachtet werden, der nun zum Ende der Handelswoche einen „Zielbereich“ erreicht hat. Da der Weizenpreis sehr stark positiv mit der Entwicklung des Euro/US-Dollars verbunden ist, ist ein Verkauf der Tradingposition sinnvoll. Das Rückschlagspotential ist nach einem Preisanstieg von 32% in 11 Handelstagen als substanziell anzusehen.

Fazit/Ausblick:

Einige Indikatoren für den US-Aktienmarkt gaben zuletzt antizyklische Kaufsignale (siehe jüngste Merrill Lynch-Fondsumfrage mit der niedrigsten Hedge Fonds Aktiengewichtung seit März 2009). Die Rohstoffpreise hatten die Preistiefs des S&P 500 Anfang Juli nicht bestätigt, zeigten sich aber in den vergangenen Tagen schwach und dürften nun wieder parallel mit den Aktien notieren. Dabei dürfte für die Rohstoffe auch die Entwicklung des Euro/US-Dollars zu einer Belastung werden, dessen Aufwärtsbewegung an einem Endpunkt angekommen sein dürfte. Die Rohstoffwährungen neigen bereits zur Schwäche und deuten eine steigende Risikoaversion der Marktteilnehmer ein, die den „sicheren Hafen“ der Staatsanleihen anlaufen. Das Verhalten der Staatsanleihen – und hier insbesondere das kürzerfristige Ende bis 5 Jahre – sendet durch neue Bewegungstiefs der Rendite bereits das Signal aus, dass Konjunkturschwäche das Thema am Kapitalmarkt bleibt und übergeordnet bekannte Symptome aus dem „Land des Lächels“ auch für die Amerikaner sichtbarer werden.

In der kommenden Handelswoche stehen weiterhin die Berichte der Unternehmen im Vordergrund, auch wenn positive Impulse für den Gesamtmarkt aufgrund des anfangs geschilderten Kursverhaltens nach guten Nachrichten nicht zu erwarten sind. Am Montag abend meldet „Big Blue“ IBM Zahlen, am Dienstag folgt vor Börsenbeginn die ehemals göttlichen Banker von Go(l)dman Sachs, nachbörslich folgt Trendikone Apple (hier beginnt technisch betrachtet die Phase Entzauberung, höhere Handelsvolumina an Abwärtstagen). Am Mittwoch folgt nachbörslich eBay, am Donnerstag nachbörslich American Express und Microsoft.

Wenn die Unternehmensergebnisse keine positiven Impulse für den Aktienmarkt bringen können, dann sind andere Faktoren bestimmender. Am Mittwoch wird Ben Bernanke seine übliche halbjährliche Rede halten und das Interesse der Investoren wird darauf abzielen, wann und ob neue Konjunkturmaßnahmen getroffen werden. Da die FED bereits über Konjunkturmaßnahmen bei der jüngsten Sitzung Ende Juni sprach, stellt dieser Aspekt die Hoffnung der Investoren für eine neuerliche reflatorische Bewegung dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bernanke deutlich an die Politiker wendet und neue Konjunkturmaßnahmen fordert, erscheint aber ziemlich unwahrscheinlich, der Ausblick der FED an die Zukunft ist viel zu optimistisch, um neue Maßnahmen zu rechtfertigen. Insofern sollten Erwartungen an neue Konjunkturmaßnahmen enttäuscht werden.

Aus europäischer Sicht wird am Freitag der Stresstest publik gemacht, am Mittwoch trifft sich EZB-Präsident Trichet bereits mit den CEOs der größten europäischen Banken. Interessant an diesem Termin ist nicht, welche Bank den Test nicht besteht – die Parameter des Stresstestes wurden so ausgewählt, dass die Banken ihn bestehen -, sondern wie viele Banken Kapitalmaßnahmen durchführen sollen. In den USA führte etwa die Hälfte der Banken in den folgenden Monaten Kapitalerhöhungen durch.

Ein Hinweis in eigener Sache: Ab kommender Woche (KW 29) übernimmt Robert Rethfeld nach dem Sommerurlaub wieder die täglichen Ausgabe, die in pdf-Form erscheinen wird. Alle Charts zu Marktstrukturdaten, CoT-Daten etc. werden ab Montag aktualisiert sein.

Absacker:

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:devisenspezialist-im-interview-die-d-mark-wuerde-den-dollar-alt-aussehen-lassen/50143734.html

Ein besonderes Schmankerl der Mainstreammedien ist das Interview der FTD mit John Taylor, Chef des weltgrößten Devisen-Hedge-Fonds, der mit seinen 66 Jahren Lebenserfahrung interessante Ansichten über die Rolle der Politik, die Entwicklung Griechenlands und über Euro und Renminbi vertritt.

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14. Juli 2010

14.07.10-Wellenreiter Frühausgabe: Intels Zahlenpräsentation kurzfristiger Hochpunkt, Statistikübersicht zu negativen Verläufen im Januar, Mai und Juni

Abgelegt unter: Allgemein — hirse @ 00:31

In der Montagsausgabe stand zu Beginn der Analyse der zyklische Chart für Nullerjahre, die gleichzeitig Zwischenwahljahre sind. Die Aussage des Chartbildes: Das erste Halbjahr pfui, das zweite Halbjahr stabil. Mir fiel bei dieser Gelegenheit ein Wochenend-Wellenreiter von Robert Rethfeld vom 29.05.2010 ein.

http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter100529.htm

Einem negativen Mai folgten drei positive Monate, bevor ein schwacher Herbst folgen würde. Nun wissen wir, dass der Monat Juni auch ein negativer Monat war, so dass ich mir die Verteilung der einzelnen Jahre noch einmal anschauen wollte. Untersucht wurden die Werte für den Dow Jones Industrial Average seit 1927.

Jahr Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
1929 6,56 0,47 -6,47 6,57 -7,10 12,71 4,58 8,49 -9,93 -20,16 -12,64 3,99
1931 2,89 13,60 -9,12 -12,28 -15,03 16,96 -9,85 2,02 -30,70 7,62 -10,96 -16,58
1932 3,36 6,71 -10,02 -23,68 -20,26 -4,25 25,79 34,83 -2,19 -14,14 -8,48 6,94
1934 7,33 -4,15 -3,04 -1,34 -6,46 2,18 -8,00 4,87 -0,11 1,29 10,26 1,24
1940 -3,40 0,83 0,68 0,32 -21,55 5,52 3,59 2,17 2,49 1,18 -3,40 0,10
1956 -3,62 2,74 5,82 0,85 -7,38 3,08 5,08 -3,05 -5,34 0,97 -1,55 5,32
1962
-4,26 1,15 -0,16 -5,89 -7,81 -8,49 6,53 1,93 -4,96 1,86 10,09 0,43
1966 1,47 -3,22 -2,85 0,96 -5,31 -1,58 -2,61 -6,87 -1,80 4,24 -1,92 -0,75
1967 8,17 -1,24 3,17 3,59 -4,96 0,90 5,11 -0,33 2,81 -5,06 -0,45 3,35
1970
-7,03 4,51 1,03 -6,30 -4,84 -2,41 7,40 4,15 -0,51 -0,67 5,09 5,65
1984 -3,02 -5,40 0,89 0,50 -5,63 2,36 -1,51 9,78 -1,28 0,06 -1,53 1,90
2010 -3,46
2,56 5,15 1,40 -7,92 -2,49

Der Filter für die Untersuchung war das Ereignis „sehr schwacher Mai mit Werten von >5%“. Die Jahre 1967 und 1970 sind mit knapp -5% in die Aufstellung gekommen, dann gab es zuvor in 82 Jahren immerhin 11 Fälle. Wenn man nun weitersucht und die Kombination des negativen Mais mit einem weiteren Kursverlust im Juni UND einem negativen Januar („Wie der Januar, so das Gesamtjahr“), dann erhält man lediglich die Jahre 1962 und 1970 – beides Zwischenwahljahre.

Aus zwei Fällen etwas herauszulesen, mag gewagt sein. Aber so unterschiedlich die charttechnische Ausgangslage in den Jahren 1962 und 1970 auch ausfiel – 1962 wichtiges Korrekturtief und Fortsetzung der Hausse bis 1966, 1970 Ende des Bärenmarktes und Anstieg bis 1973 -, es gibt interessante Parallelen für die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2010. Der Monat Juli verlief in beiden Fällen extrem positiv. In 1962 verlief der Monat September negativ, das vierte Quartal positiv mit einem außergewöhnlich positiven Monat November (+10%). In 1970 verlief der September nur marginal negativ, dafür war auch der Oktober leicht negativ. Die Monate November und Dezember zeigten ein Plus von jeweils über 5%, so dass sich der zehnprozentige Zuwachs vom November 1962 quasi auf November und Dezember 1970 aufgeteilt hatte. Demzufolge müsste man für 2010 erwarten, dass nach einem sehr positiven Juliverlauf eine korrektive Phase folgt, bevor es im vierten Quartal noch einmal einen deutlich positiven Schub nach oben mit einer Quartalsbilanz von ca. 10% Plus geben wird. Bedenkt man zusätzlich, dass das Startniveau des S&P 500 bei 1.115 Punkten lag, dann würde die gesamte Jahresperformance 2010 erst am Jahresende erzielt werden und das Jahreshoch vom April würde wieder erreicht werden.

Nach dieser statistischen Spielerei zurück zum Spielgeschehen an den Märkten:

Die wichtigste Nachricht war die große Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen, so dass wie erwartet der Dienstag zum Trendtag wurde und alle Anlageklassen mit Ausnahme der US-Staatsanleihen stiegen und damit „Risiko“ gesucht wurde. Der Erfolg der Auktion griechischer Staatsanleihen zeigt sich in der Entwicklung des Euro/US-Dollar.

Der Euro/US-Dollar korrigierte die letzten Tage moderat und oberhalb von 1,25 US-Dollar (SL-Marke) sind die Aussichten auf steigende Kurse gen 1,30/1 US-Dollar intakt.

Der Weizenpreis korreliert extrem positiv mit der Entwicklung des Euro/US-Dollars, das jüngste Zwischentief von gestern kann nun als erhöhter Stopp-Kurs (SL-Marke 519 Cents) betrachtet werden. Der Squeeze aus den Short-Positionen der Großspekulanten ist noch nicht beendet, sollte aber unterhalb des Januarhochs sehr wahrscheinlich enden.

Der US-Aktienmarkt konnte deutlich zulegen, der Nasdaq 100 hatte bereits am Montag seine offene Kurslücke bei 1.823 Punkten geschlossen und konnte am Dienstag auch knapp über die 200-Tagesline ansteigen. Der S&P 500 steigt V-förmig an und notiert direkt an der Abwärtstrendlinie. Weitere Widerstände auf der Oberseite sind die 200-Tageslinie bei 1.111 Punkten sowie das Junihoch bei 1.130 Punkten. Zusätzlich eingezeichnet wurde das Niveau des Jahresendes von 1.115 Punkten im S&P 500, da die Aufwärtsbewegung im Juni auf Schlusskursniveau über mehrere Tage bei 1.113-1.116 Punkten endete. Im Verbund mit der 200-Tageslone stellt der Bereich von 1.110-1.120 Punkten im S&P 500 ein extrem starkes Widerstandsniveau dar, was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überboten werden wird.

Bei den Marktstrukturdaten konnte man die abwartende Haltung der Invesoren/Spekulanten erkennen, am Montag wurde noch einmal ein niedrigeres Handelsvolumen verzeichnet, ein neuer Minusrekord für 2010. Allerdings lag die Angst der Investoren auf einem sehr hohen Niveau und wurde demnach direkt mit einem 92%igen Aufwärtstag „bestraft“. Das „smarte Geld“ im S&P 100 zeigt weiterhin keinen erhöhten Absicherungsbedarf, an jedem Tag der Aufwärtsbewegung liegt das Put/Call-Ratio unter 1 und der 10-Tagesdurchschnitt liegt bei extrem niedrigen 0.69.

Dies ist weiterhin das niedrigste Absicherungsniveau des „smarten Geldes“ seit 13 Jahren. (Hinweis: Die CoT-Daten und die Marktstrukturdaten im Aboraum sind aktualisiert worden). Dies bedeutet, dass die Aufwärtsbewegung der letzten Tage nicht beendet ist. Nach einem 90%igen Aufwärtstag ist eine kurze Konsolidierungsphase von ein oder zwei Handelstagen üblich. Die heute entstandenen Kurslücke sollte im Hinterkopf bleiben, denn sie wird sicherlich geschlossen werden.

06.07. 07.07. 08.07. 09.07 12.07. 13.07.
S&P 500 1.028 1.060 1.070 1.078 1.079 1.095
Volumen 1,32 1,34 1,17 0,88 0,85 1,13
Aufwärtsvolumen 52% 95%
81% 81% 42% 92%
Neue Hochs 59 51 72 87 87 100
Neue Tiefs 93 63 17 8 12 6
PCR CBOE 1,13 0,87 0,81 0,86 1,01 0,83

Die Berichtssaison startete am Montag abend mit Alcoa. Die Zahlen wurden positiv aufgenommen, die Aktie ist jedoch der schwächste Dow-Wert anno 2010 und generell nur sehr bedingt ein Indikator für die Berichtssaison. Da die Ergebnisse marginal über den Erwartungen lagen, könnte man erwarten, dass Alcoa als „Nachzügler“aktie stark gekauft wurde. Dies war nicht der Fall, die Aktie startete mit 11,32 US-Dollar und beendete den Handel mit 11,00 US-Dollar mit 1,20% im Plus, dies war weniger als der Gesamtmarkt. Der Handelsverlauf war zudem nicht bullish, da der positive Handelsbeginn nicht verteidigt werden konnte.
Als erstes großes Unternehmen aus dem Technologiebereich folgt am Dienstag abend nachbörslich Intel Corp mit Zahlen. Die erste Reaktion auf die Zahlen fallen positiv aus, da Intel zum einen die Erwartungen an Umsatz und Ergebnis deutlich übertroffen hat und zum anderen das beste Quartal der 42jährigen Geschichte vermelden konnte. Betrachtet ein Laie das Chartbild, dann würde er niemals ein historisches Rekordergebnis für Intel vermuten, da die Aktie etwas mehr als 70%(!!) unterhalb ihres historischen Rekordhochs notiert. Dies zeigt an, wie teuer Technologieaktien anno 2000 einmal waren. Als Börsianer lautet aber die Frage bei solchen Ergebnissen: Kann es noch besser werden?

Bei solchen Zahlen wird man zumindest vorsichtig, wenn man antizyklisch denkt. In 2010 meldete Intel Zahlen und die Indizes notierten sowohl im Januar als auch im April nahe an ihrem jeweiligen Zwischenhoch. Wiederholt sich dieses Szenario im Juli? Eine Korrektur wie im Januar (8% im S&P 500) ist unwahrscheinlich, der Beginn einer größeren Abwärtsbewegung wie ab Mitte April ebenfalls. In der ersten Reaktion nach den Zahlen notiert die Intel-Aktie 7% im Plus. Ähnlich wie bei Alcoa dürfte die Reaktion an der Börse auf die Zahlen ausfallen. Sollte wieder das Muster beobachtet werden können, dass anfängliche Stärke verkauft wird, wäre dies ein Indiz, dass der Squeeze vom Preistief Anfang des Monats langsam ausläuft.

Fazit: Die Unterseite ist für die Aktien zunächst „zu“, dafür spricht auch die weiterhin günstig ausfallende Put/Call-Ratio auf den S&P 100. Auf der Oberseite rückt allerdings eine sehr starke Widerstandszone in den Fokus, die den Kursaufschwung bremsen sollte. In 2010 war ein großes Gap Up nach den Zahlen von Intel zuletzt kein gutes Omen für weiter steigende Kurse, sondern zunächst jeweils der Beginn einer Toppingphase.

Wenn man über die zukünftigen Risiken nachdenkt, dann ist ein Blick auf die Bankenwelt wichtig. Funktioniert die Bankenwelt nicht, dann funktioniert die Volkswirtschaft nicht. Positiv ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die US-Bankenwelt charttechnisch betrachtet leichte relative Stärke besitzt. Zum einen könnte das Februartief positiv verteidigt werden, zum anderen ist bereits das Junihoch knapp überschritten worden und der Index notiert zudem oberhalb der 200-Tageslinie. Insofern ist eine zweite Runde der Bankenkrise in 2010 nicht zu erwarten.

Das Problem dürfte die konjunkturelle Entwicklung sein, der Hoffnungsträger China präsentiert sich international weiterhin als schwächster Index der großen Volkswirtschaften. Gerade wenn man am heutigen Tag Meldungen von BMW hört, dass 10.000 Fahrzeuge der 3er Serie nach China verschifft werden, da die Nachfrage dort aus eigener Produktion vor Ort nicht befriedigt werden kann, stellt sich übergeordnet die Frage, ob solche Meldungen nicht doch ein Indiz sind, dass es aus deutscher Sicht nicht mehr soviel besser laufen wird. Entweder der chinesische Aktienmarkt läuft in Kürze wieder deutlich besser und es hat sich ein wichtiges Preistief gebildet oder die Bremswirkungen der Regierung zeigt erfolgreich ihre Spuren, dann wird die Nachfrage der Chinesen nach Luxusgütern made in Germany nachlassen.

Ein Hinweis in eigener Sache: Ab kommender Woche (KW 29) läuft der Wellenreiter-Betrieb wieder auf Normaltemperatur, Robert Rethfeld übernimmt dann wieder die täglichen Ausgabe, die in pdf-Form erscheinen werden. Dies wird ab Dienstag der Fall sein. Die Montagsausgabe erscheint noch einmal im Blog und wird ab Sonntag online sein.
Absacker:

http://www.marketwatch.com/story/story/print?guid=92318178-A660-4BDA-8EF5-8C75451B96A6

Mark Hulbert sieht anhand seines Indikators der Börsenbriefschreiber eine starke Mauer der Angst gegenüber dem US-Aktienmarkt, da trotz der Aufwärtsbewegung in der letzten Woche die Empfehlungen von Short-Positionen zugenommen hat.

http://www.faz.net/s/Rub645F7F4386535344D198A672E313F3D2C3/Doc~E31ACC8C977B642F7AE967CEA36977B6C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Nicht nur die Börsenbriefschreiber sind stark skeptisch, was im Umkehrschluss positiv zu werten ist, auch die Fondsmanager haben im Juni reagiert und sind so skeptisch wie im November 2006. Damals bildeten sich wichtige Preistiefs im Euro/US-Dollar und im US-Aktienmarkt, der dann bis in den Sommer 2007 anstieg. Insofern ist davon auszugehen, dass das Preistief Anfang Juli 2010 ein übergeordnet wichtiges Preistief darstellt.

10. Juli 2010

12.07.10-Wellenreiter Frühausgabe: Übersicht über die Märkte, Vergleich S&P 500 2004 versus 2010, Australischer Dollar mit Divergenz

Abgelegt unter: Allgemein — hirse @ 18:52

Familie Rethfeld befindet sich momentan im Urlaubsparadies (Paradies = Internetfreie Zeit), daher liegen in dieser Woche keine aktualisierten CoT-Charts und keine Aktualisierungen bei den Marktstrukturdaten vor. Die Änderungen bei den CoT-Daten sind aus den kleinen Tabellen zu den einzelnen Anlageklassen ersichtlich. Es ergeben sich in den einzelnen Anlageklassen keine Änderungen bei der Einschätzung (neutral).

 

Der beste „Ratgeber“ für die Entwicklung des US-Aktienmarktes in 2010 war bis dato der zyklische Verlauf als Kombination von Nuller- und Zwischenwahljahren. Demnach wäre das Risiko aus den Aktienmärkten mit dem Erreichen von Anfang Juli raus, das kurzfristige Muster spricht jedoch für einen kurzfristigen Anstieg mit Rücksetzer in den August. Nach diesen durchschnittlichen Verläufen verläuft das zweite Halbjahr 2010 positiver als das erste, absolut betrachtet würde es aber zu keiner starken Trendphase kommen.

Aktien:

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Dow Jones Ind. Av. 9.743,62 -126,68 -1.903 +2.441 +54 -2.387
S&P 500 1.028,06 -13,18 -1.972 +23.542 +17.776 -5.766
Nasdaq 100 1.734,68 -29,38 +2.439 +235 +7.166 +6.931
Russell 2000 590,03 -25,93 +12.219 +3.331 +2.816 -515

Die Commercials haben im S&P 500 bei der Preisschwäche überwiegend neue Long-Positionen aufgebaut, insgesamt betrachtet ergibt sich im Sektor jedoch keine Extrem-Positionierung.

Sehr populär war bei vielen Analysten die Parallele zwischen den Preistiefs im März 2003 und März 2009. Demzufolge erwarten sie in diesem Jahr eine korrektive Phase, die sich danach bullish auflöst. Daher wollen wir den Vergleich für den S&P 500 zwischen der korrektiven Phase in 2004 und dem Status Quo detaillierter untersuchen.

In 2004 bildete der S&P 500 zwischen Ende Januar und Anfang März 2004 eine kleine Toppbildung aus und korrigierte dann im März scharf. Die erste Schwäche wurde gekauft, der Index schnellte in wenigen Handelstagen bis knapp an das Märztief. Danach folgte eine zweite Schwächephase mit einem Maitief, dieses lag marginal tiefer als das erste Preistief im März. Bis in den Juni erholte sich der S&P 500 bis auf das Zwischenhoch von April und damit komplett. Bis Anfang August folgte eine dritte Schwächephase mit einem dritten marginal tieferen Preistief. Die Bodenbildung dauerte 5 Handelstage an, danach stieg der Index dynamisch an und korrigierte preislich erst wieder einen Monat später. Nach der Ausbildung eines zweiten höheren Preistiefs im Oktober (damals bildete sich gegenüber dem Dow eine Divergenz, da der Dow noch ein viertes marginal tieferes Preistief erzielte) folgte ein Anstieg bis März 2005, bevor es eine weitere Korrektur gab.

Auffällig bei der Korrektur in 2004 waren folgende Aspekte:

-          Das Handelsvolumen zeigte keine extremen Ausschläge

-          Nach der Ausbildung eines Preistiefs stieg der Index wieder in die unmittelbare Nähe der vorherigen Preishochs an, dies ist ein Zeichen von Stärke

-          Das dritte Tief kann als Fehlausbruch gewertet werden und beendete die Korrekturphase

-          Die Korrekturphase dauerte 5 Monate an, das zweite höhere Preistief bildete sich zwei Monate später

Nun blicken wir auf 2010 und können mit einem bisschen guten Willen das jüngste Preistief ebenfalls als dritten niedrigeren Tiefpunkt ansehen. Insofern kann es sich um ein wichtiges Preistief handeln, ein solches bildet sich gerne im Umfeld von „Stresstests“. Die Unterschiede sind jedoch ebenfalls vorhanden:

-          Das Handelsvolumen zeigt ein gänzlich anderes Muster, einen „Flash Crash“ gab es im April 2000 kurz nach einem wichtigen Hochpunkt, aber nicht im Korrekturjahr 2004

-          Die preislichen Gegenbewegungen wurden zuletzt schwächer wie die angedeutete Wedge-Formation anzeigt. Gerade die Gegenbewegung von dem preislichen Doppeltief im Juni zeigt die Schwäche, da sie nach 6 Handelstagen endet und nach wenigen Tagen der Seitwärtsphase bereits am 10. Handelstag nach unten umdreht. Das Versagen eines Signals eines Handelstages mit einem Aufwärtsvolumen von 98% ist ein Zeichen von Schwäche.

-          Auf der zeitlichen Ebene ist die „Korrekturformation“ 2010 halb so alt, preislich aber beinahe doppelt so stark ausgefallen.     

[Ergänzung: Die Zahl „Drei“ ist im Trading eine besondere Zahl, ich hatte zu diesem Thema am 04.04.2008 einen eigenen Beitrag geschrieben: http://www.wellenreiter-invest.de/Wordpress/?p=70]

Nach einem dritten Tief besteht die Chance auf eine neue Trendbewegung in die Gegenrichtung (in diesem Fall nach oben), ein zweites höheres Preistief gehört aber zu einer neuen Trendbewegung dazu. Im Gegensatz zu 2010 ist die Korrektur wesentlich stärker in einer wesentlich kürzeren Zeit ausgefallen, daher sind die Aufwärtskräfte als deutlich niedriger einzuschätzen. 2004 wird sich in 2010 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in dem Rahmen wiederholen, wie es die Optimisten erhoffen.

Die abgelaufene Handelswoche war die positivste Woche seit …Juli 2009. Die Wochenkerze umschließt die Kerze der Vorwoche, so dass aus Sicht der Wochenkerze eine positive Umkehr erfolgen kann, wenn die kommende Woche an die abgelaufene anschließen kann.

Im Juli 2009 war die Wochenkerze positiver, da mit der Umkehr die Kerzen der drei Handelswochen zuvor „korrigiert“ wurde. Die Abwärtstrendline seit dem April Hoch verläuft in der kommenden Woche im Bereich von 1.090/95 Punkten und stellt zunächst einen Widerstand dar, der einen Pullback mit sich bringen dürfte.

Der Nasdaq 100 hat ähnlich wie der S&P 500 nach dem Unterschreiten der Mai/Juni-Tiefs einen Preisboden ausgebildet und einen Fehlausbruch auf der Unterseite ausgebildet. Die offene Kurslücke bei 1.823 Punkten ist wahrscheinlich am Montag geschlossen. Damit gerät der Nasdaq 100 an einen Widerstand heran – das Schließen der Kurslücke bei 1.939 Punkten brachte am 18.06. eine Umkehr nach unten mit sich. Eine Konsolidierung/Pullback an dieser Marke ist wahrscheinlich, eine abermalige Umkehr mit frischen Tiefs erscheint momentan unwahrscheinlich.

  01.07. 02.07. 06.07. 07.07. 08.07. 09.07
S&P 500 1.027 1.022 1.028 1.060 1.070 1.078
Volumen 1,60 1,10 1,32 1,34 1,17 0,88
Aufwärtsvolumen 42% 27% 52% 95% 81% 81%
Neue Hochs 35 37 59 51 72 87
Neue Tiefs 151 82 93 63 17 8
PCR CBOE 1,26 0,90 1,13 0,87 0,81 0,86

 

Welche Spuren hat die positive Woche hinterlassen? Auffällig ist zunächst die extrem starke Kontraktion des Handelsvolumens, am Freitag wurde das niedrigste Handelsvolumen in 2010 beobachtet. Die Stärke der Indizes ging nicht mehr mit einem anhaltenden Kaufinteresse einher, auch wenn die Marktbreite des Anstiegs weiterhin sehr gut war, wie das Aufwärtsvolumen anzeigt. Befestigt sich das Handelsvolumen in der kommenden Woche nicht wieder, dann wäre die Bewegung „nur“ ein Short Squeeze gewesen, der dann in der kommenden Woche enden wird. Die Angst der Investoren lässt nach, mit einem Put/Call-Ratio von 0,97 in der 10-Tageseinstellung liegt jedoch noch immer ein erhöhtes Angstniveau vor. Auffällig ist das Verhalten des „smarten Geldes“ im S&P 100 – mit einem Niveau von 0,66 in der 10-Tageseinstellung wird am Ende der Woche das niedrigste Niveau seit 1997 notiert. Auch in den letzten Tagen überwiegen die Käufe von Calls, das Put/Call-Ratio bleibt jeweils unterhalb von 1. Die smarteren Investoren setzen damit auf ein anderes Szenario als einen kurzen Short Squeeze, der dann wieder in sich zusammenfällt und neue Bewegungstiefs mit sich bringt. Deren Optimismus kann als ein Indiz angesehen werden, dass es nur zu einem Pullback, aber nicht einer kompletten negativen Umkehr kommen wird.

Die Sentiment-Daten von Investors Intelligence und AAII lauten in dieser Woche:

  Investors Intelligence AAII
Bullish 37 21
Bearish 35 57

Während die Veränderungen bei den Börsenbriefschreibern nicht spektakulär ausfielen und per Saldo eine neutrale Stimmung vorherrscht, ist bei den volatileren Daten von AAII ein Extremum zu beobachten, Lediglich 21% der Befragten sind bullish, aber 57% bearish. Die Marke von 20% Bullen markierte im Bärenmarkt immer einen Tiefpunkt, wenngleich es sich lediglich um temporäre Tiefpunkte handelte. Ende Februar/Anfang März 2009 wurde zuletzt eine ähnlich große Skepsis beobachtet, damals war es der Ausgangspunkt zu einer großen Erholung bis April 2010. Allerdings lag damals die Anzahl der Bären noch 10% höher. Zu den anderen Zwischentiefs passt aber eine solch hohe Anzahl an Pessimisten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Sentiment der Börsenbriefschreiber sich in den letzten Wochen deutlich abgekühlt hat und per Saldo neutral ausfällt.

Fazit zu den Aktien:

Der Nasdaq 100 steht zu Wochenbeginn unmittelbar vor dem Schließen der jüngst entstandenen Kurslücke und sollte an diesem Punkt einen Pulback absolvieren. Der starke Rückgang des Handelsvolumens ist der Wermutstropfen einer positiven Umkehrwoche, die aber in der kommenden Woche beweisen muss, dass sie auf dem Pfad des Jahres 2009 wandeln kann. Der Vergleich mit 2004 zeigt einige Parallele, aber auch deutliche Unterschiede. Nach einem dritten Tief besteht die Chance auf eine neue Aufwärtsbewegung, allerdings ist ein Trendwechsel ohne ein zweites (höheres) Standbein sehr unwahrscheinlich. Zyklisch ist in der zweiten Julihälfte Schwäche zu erwarten.

Devisen:

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
U.S. Dollar Index 84,3060 -2,1190 -18.080 +3.782 -546 -4.328
Euro 1,2624 0,0435 +42.461 -41.025 -17.438 +23.587
Schweizer Franken 0,9436 0,0194 +5.110 -13.572 -3.788 +9.784
Japanischer Yen 1,1421 0,0127 -42.847 -11.895 +270 +12.165
Britisches Pfund 1,5148 0,0086 +49.738 -2.232 +770 +3.002

Eine neue Extrem-Positionierung der Commercials liegt im Australischen Dollar vor, hier besitzen die Commercials die niedrigste Netto-Short-Positionierung seit März 2009. Auch im Kanadischen Dollar liegt eine sehr niedrige Netto-Short-Positionierung der Commercials vor. Das kommerzielle Verhalten ist ein positives Omen für die Entwicklung von Rohstoffen und Rohstoffwährungen. Beim Euro/US-Dollar haben die Großspekulanten ihre extrem hohen Netto-Short-Positionen reduziert, sie sind jedoch noch nicht wieder annähernd neutral positioniert, so dass weiteres Erholungspotential besteht.

Der Australische Dollar steht für die Rohstoffwelt und für einen Teil an Carry Trades. Am 38%-Retracement endete die Korrektur mit einem Doppeltief, in der Vorwoche bildete sich ebenfalls ein Doppeltief auf der Unterseite. Die Commercials besitzen eine niedrigere Netto-Short-Positionierung als am Tief Ende Mai/Anfang Juni, insofern spricht das kommerzielle Verhalten für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Kurzfristig erreicht das Währungspaar mit dem Zwischenhoch einen Widerstand. Kann dieser überwunden werden, dann ist eine Rückkehr an die alten Hochs zu erwarten. Dies wäre auch für die Rohstoffe eine positive Nachricht.

Der Australische Dollar stand ausnahmsweise an Position Eins der Analyse im Devisenbereich, da die Korrelation zwischen diesem Währungspaar und dem S&P 500 in den letzten 6 Monaten extrem positiv war.  Auch in 2008/09 gab es bereits Divergenzen, die von Bedeutung waren. Der deflationäre Kapitalmarkttrend endete im März 2009 mit einer positiven Divergenz (höheres Preistief) der Rohstoffwährung, dies war auch bei den Rohstoffen selbst zu beobachten. Der reflationäre Trend bildete im Januar, aber spätestens im April 2010 etliche negative Divergenzen aus – die BRIC-Staaten neigten zur Schwäche und die Rohstoffmärkte wie Kupfer und Erdöl, aber auch die Rohstoffwährungen bildeten zahlreiche negative Divergenzen aus. Dies war der Ausgnagspunkt der Schwächephase des zweiten Quartals. Mittlerweile haben sich positive Divergenzen ausgebildet, in den CoT-Daten ist erkennbar, dass sich die Spekulation massiv aus Rohstoffwährungen und Rohstoffen zurückgezogen hat, so dass aus dieser Sicht die Luft abgelassen scheint. Die positive Divergenz des Währungspaares und die ebenfalls positiven Divergenzen von Kupfer und Erdöl (höhere Tiefpunkte im Juli) zeigen nunmehr an, dass der deflationäre Prozess der letzten Wochen einem Ende entgegengeht. Bei Divergenzen dieser Art ist es immer schwierig zu beurteilen, ob eine vierwöchige Divergenz bereits mit einer Trendwende einhergeht oder ob dazu weitere Zeit vergehen muss (in 2008/09 bildete sich die Divergenz über drei Monate, im Januar/April 2010 ebenfalls über drei Monate).

Der Euro/US-Dollar befindet sich in der Aufwärtsbewegung seit Juni, die Dynamik hat sich jedoch zuletzt vermindert. Ein Rutsch unter den Bereich von 1,2450 US-Dollar wäre negativ zu werten und würde die Bewegung lediglich als korrektive a-b-c-Bewegung aussehen lassen. Das bevorzugte Szenario einer inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation würde eine Bewegung bis etwa 1,31 US-Dollar erwarten lassen.

Fazit zu den Devisen:

Kurzfristig sind Widerstände erreicht, die eine Konsolidierung erwarten lassen. Eine Trendumkehr erscheint jedoch wenig wahrscheinlich. Die Positionierung der Commercials in den Rohstoffwährungen ist positiv für die weitere Entwicklung der Rohstoffe zu werten.

Anleihen:

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
US Treasury Bonds 128,00 0,96 +33.726 -10.450 -5.989 +4.461
10-year T-Notes 122,24 0,06 +136.010 -52.959 -36.327 +16.632

Die Commercials haben bei steigenden Preisen ihre jeweiligen Netto-Long-Positionierungen reduziert, es handelt sich dabei jedoch noch nicht um ein Extremum. Die Staatsanleihen waren als „sicherer Hafen“ zuletzt nicht gefragt, die Bewegung besitzt bis dato jedoch nur einen korrektiven Charakter. Eine Fluchtbewegung raus aus Anleihen rein in Aktien ist aus den Bewegungen der letzten Tage nicht erkennbar. Als Unterstützung fungiert in der kommenden Woche der Bereich um 125 Punkte in den dreißigjährigen Anleihen.

Fazit: Die Staatsanleihen handeln wie „Anti-Aktien“ und spiegeln die Dynmaik vom US-Aktienmarkt bis jetzt nicht wieder. Die Bewegung wirkt korrektiv.

Metalle:

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Gold 1.192,00 -48,33 -249.142 +40.814 +11.265 -29.549
Silber 17,81 -0,68 -52.367 +6.142 -626 -6.768
Platin 1.514,50 -23,50 -15.846 +2.121 +462 -1.659
Kupfer 296,00 3,90 +1.793 +1.639 -1.053 -2.692

Die Commercials haben auf den Preisrückgang deutlich reagiert und ihre Netto-Short-Positionierung um immerhin 40.000 Kontrakte reduziert, dies geschah überwiegend durch das Schließen von Short-Positionen.

Das Steckenpferd von Robert Rethfeld ist seit Jahren die Aktie von Newmont Mining. Die größte US-Goldmine bildet desöfteren Divergenzen zu Minenaktien und physischen preisen aus und ist daher für uns eine Indikatoraktie wie es z.B. eine Intel für Halbleiter- und Technologieaktien ist. Die Aktie hat im Bereich 62/63 US-Dollar einen extrem starken Widerstand. Das 2006er Intradayhoch bei 62,70 US-Dollar konnte am Freitag intraday übertroffen werden, per Handelsschluss endete die Aktie bei 61,93 US-Dollar. Auffällig ist die jüngste relative Stärke der Aktie, die wir als positives Omen für den Gesamtsektor werten. In 2008 zeigte die Aktie im Märzhoch bereits eine negative Divergenz an und lief damit der deflatorischen Phase voraus. Momentan kämpft die Aktie hartnäckig mit dem langfristigen Widerstand, ein Überwinden wäre ein positives Omen und ein Hinweis auf mehr Reflation in der Zukunft.

Der Goldpreis befindet sich in einer Korrekturphase, zeigt dabei aber wenig Dynamik auf der Unterseite. Der Bereich 1.215 US-Dollar fungiert momentan als kleiner Widerstand, der bei einem Scheitern eine weiterführende Korrekturphase bedeuten würde. Die Ausbildung eines großen Topps bei Gold ist nicht erkennbar, hierfür fehlt einfach die Dynamik auf der Unterseite, so dass die Bewegung eher als Verschnaufpause in einem übergeordnet intakten Aufwärtstrend anzusehen ist.

Fazit: Die Metalle befinden sich in korrektiven Bewegungen, eine Trendumkehr ist momentan nicht erkennbar.

Energie:

Future Kurs Veränd.
Vorw.
Positionierung der Commercials
Netto Ver. Netto Ver. Long Ver. Short
Erdöl 71,98 -3,41 -35.069 +6.075 -7.217 -13.292
Erdgas 4,68 0,13 +111.345 -7.939 +14.880 +22.819

Die Positionsveränderungen der Commercials fallen bei Erdöl nicht groß aus, hingegen bei Heizöl. Dort besitzen die Commercials mit lediglich 10.043 Kontrakten auf der Shortseite die niedrigste Netto-Short-Positionierung seit Ende Dezember 2008. Eine ähnlich niedrige Netto-Short-Positionierung konnte man zuletzt im Februar und Anfang März 2009 beobachten, damals bildete sich ein Preisboden aus. Da Heizöl und Erdöl in die gleiche Richtung tendieren, ist das kommerzielle Verhalten bei Heizöl ein positives Indiz für die Ausbildung eines Preistiefs.

Erratische Bewegungen bleiben weiterhin angesagt, der Erdölpreis hat auf der Unterseite im Juli ein höheres Preistief gegenüber Mai und ein Doppeltief gegenüber Juni ausgebildet und pendelt zuletzt zwischen 71 und 79 US-Dollar hin und her. Unter Trendgesichtspunkten ist zumindest seit Oktober 2009 kein eindeutiger Trend erkennbar. Nach der Preisschwäche im Mai und der damit verbundenen Bereinigung spekulativer Positionen pendelt der Ölpreis nicht mehr im 80iger US-Dollar-Bereich, sondern ein Stockwerk tiefer im 70iger Bereich hin und her.

Fazit/Ausblick:

Die Intermarket-Bewegungen zeigen zum Halbjahreswechsel eine „Reversion to the mean“-Bewegung an. Der S&P 500 verlor im zweiten Quartal 12%, der Euro/US-Dollar war DER Verlierer des ersten Halbjahres und der „sichere Hafen“ der US-Staatsanleihen und Gold befinden sich zuletzt in einer Korrekturphase. Die kommende Woche stellt den ersten Prüfstein für diesen „neuen“ Trend dar, da der US-Aktienmarkt die ersten Widerstände erreichen wird. An den preislichen nahen Widerständen (Nasdaq, Australischer Dollar) ist mit einem Pullback zu rechnen. Die Extrema von Anfang Juli können wichtige Extrema sein, ein Szenario wie in 2004 erscheint wenig wahrscheinlich. Das Verhalten der Commercials deutet aber auch an, dass nicht mit einem größeren deflationären Schub über den Sommer zu rechnen ist.

In der kommenden Woche startet in den USA die Berichtssaison der US-Unternehmen. Traditionell beginnt die Berichtssaison mit den Ergebnissen von Alcoa, die am Montag nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Alcoa ist dabei aber nicht als Gradmesser für die Berichtssaison anzusehen, diese beginnt am Dienstag abend nachbörslich mit den Ergebnissen von Intel Corp. Weitere Berichte von größerem Interesse sind die Ergebnisse der Banken und Broker. J.P. Morgan wird diese am Donnerstag vor Börsenbeginn veröffentlichen, am Freitag folgen vor Börsenbeginn General Electric, Bank Of America und Citigroup.

Neben den Unternehmensergebnissen werden die Investoren mit Interesse am Mittwoch abend das Protokoll der jüngsten FED-Sitzung vom 22./23.06. sowie am Donnerstag auf den Philly FED-Index schauen.

Der wichtigste Termin in der kommenden Woche ist der Dienstag – Griechenland geht wieder an den Kapitalmarkt und möchte eine Anleihe mit einer Laufzeit von 6 Monaten begeben. Gelingt dies den Griechen nicht, dann ist ein „Turnaround Tuesday“ als obere Umkehr zu erwarten. Gelingt die Platzierung hingegen, dann dürften der Euro/US-Dollar und der Aktienmarkt profitieren, die „sicheren Häfen“ wie Staatsanleihen wären der Verlierer. Daher dürfte sich der Dienstag als Trendtag erweisen.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die nächste Wellenreiter Frühausgabe wird im Blog am Mittwoch veröffentlicht.
 

Absacker:

http://www.ftd.de/sport/wm-2010/news/topnews/:orakel-krake-paul-tippt-auf-siege-fuer-deutschland-und-spanien/50141771.html

Regiert in Deutschland bereits das Sommerloch? Es sieht sehr danach aus, denn am Freitag haben parallel n-tv und N24 eine Live-Übertragung in das Oberhausener Sea-Life ab 11 Uhr gehabt, damit das Kraken-Orakel seine Entscheidung zeigen kann, wer bei der WM Dritter und wer bei der WM Sieger wird. Paul hat sich für die Favoriten der Buchmacher entschieden- Deutschland wird Dritter und Spanien als WM-Sieger entschieden. Hat Paulchen wieder recht, warten wir einfach mal ab, ob er Chefberater bei einem Hedge Fonds wird… :-)

Seine Trefferquote entspricht dem achtmaligen Münzwurf oder einem Besuch in der Spielbank, wo er achtmal in Folge richtig zwischen rot und schwarz entscheidet.

9. Juli 2010

09.07.10-Wellenreiter Frühausgabe: Euro/US-Dollar wieder Intermarket-Kapitän, Weizen im Squeeze-Modus

Abgelegt unter: Allgemein — hirse @ 08:17

Die Korrelation des Euro/US-Dollars zum S&P 500 schien in der zweiten Wochenhäflte der Vorwoche verschwunden zu sein, da der S&P 500 seine Tiefs von Februar/Mai/Juni unterbot, während der Euro/US-Dollar dynamisch nach oben drehte. Die Aufwärtsbewegung des Euro/US-Dollar ist als intakt anzusehen und besitzt noch Potential auf der Oberseite. Es scheint zudem, dass der Aktienmarkt wieder in die Spur gefunden hat, denn die wichtigsten Rohstoffe wie Kupfer und Erdöl haben ebenfalls höhere Preistiefs ausgebildet. Dies gilt auch für eine Carry-Trade-Währung wie den Australischen Dollar. Die Sell-Off-Gefahr am Aktienmarkt ist als erledigt anzusehen, wenn der Aktienmarkt mehr als zwei Handelstage ansteigt. Dies ist per Donnerstag geschehen, per Saldo ist es der dritte Handelstag mit einem Plus in Folge. Ferner wurde als eine weitere Bedingung genannt, dass ein Handelstag mit einem Aufwärtsvolumen von mindestens 90% anzeigen würde, dass sich zumindest ein kurzfristiges Preistief gebildet hat. Dies geschah am Mittwoch, das Aufwärtsvolumen an der NYSE lag bei etwa 95%. Auch wenn innerhalb von weniger als drei Monaten damit bereits der 17. (!!) Handelstag mit einem Volumen von 90% und mehr vorliegt, sind solche Handelstage in der Nähe eines Preistiefs ein Indiz, dass sich ein Tiefpunkt ausgebildet hat und die Abwärtsbewegung mit hoher Wahrscheinlichkeit beendet ist. Üblicherweise folgt einem solch starken Anstiegstag ein Handelstag der Konsolidierung. Dies geschah am Donnerstag nicht, die Standardwerte stiegen deutlich an. Folgen Anschlusskäufe, dann ist dies als ist ein Zeichen von Stärke und damit positiv zu werten. Das Aufwärtsvolumen betrug 81%, das Handelsvolumen sank jedoch von 1,3 auf 1,16 Mrd Aktien.

Der Dow Jones Industrial Average besaß eine offene Kurslücke (vom 28. auf 29.06.) im Bereich von 10.137 Punkten, diese wurde am Donnerstag komplett geschlossen. Der S&P 500 erreichte mit 1.070 Punkten zugleich ein Widerstandsniveau und punktgenau unser definiertes Stopp-Niveau.

Die Technologieaktien waren zuletzt sehr schwach, es bildeten sich 11 rote Kerzenkörper in Folge, bevor am Mittwoch der starke Anstieg zu einem Ende der Verlustserie führte. Die offene Kurslücke bei 1.823 Punkten wurde im Gegensatz zu den Standardwerten noch nicht geschlossen. Auch der heutige Kerzenkörper verrät Schwäche, so dass die Technologieaktien momentan Underperfomer sind. Ich erwarte aber, dass diese Lücke in den kommenden Tagen noch geschlossen werden kann.

Unsere Marktstrukturdaten zeigten zwar keinen extrem stark überverkauften Marktzustand mehr an, aber die Daten bewegen sich noch nicht im überkauften Bereich. Das Aufwärtsvolumen liegt in seinem 10-Tages-Durchschnitt bei lediglich 46 Prozent und lässt damit Raum für einen weiteren Anstieg. Die Angstlevels notieren im klassischen Put/Call-Ratio in einer 10-Tageseinstellung bei 1,00. Auffällig ist das Put/Call-Ratio des „smarten Geldes“ im S&P 100, per Mittwoch abend erreichte es mit einem Wert von 0,71 (per Donnerstag 0,72) in der 10-Tageseinstellung. Dies stellt einen niedrigeren Wert als im Februar/März 2009 dar. Im Gegensatz zu den Smart Money Flow Indikatoren für die mittlere Frist ist dieser kurzfristige Indikator weiterhin als eine Unterstützung für eine Aufwärtsbewegung anzusehen.

Was machen wir angesichts des punktgenau getroffenen Stopp-Niveaus? In der technischen Analyse ist eine gute Regel, dass Fehlausbrüche (hier unter die Februar/Mai/Juni-Tiefs) starke Signale für die Gegenrichtung sein können. Der fortgesetzte Kaufdruck am Donnerstag ist ein Zeichen der Stärke und von daher der Grund, warum die bearishe Einschätzung nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Sie wird auf neutral verändert, da sich der S&P 500 weiterhin in einer Sequenz fallender Hoch- und Tiefpunkte seit April befindet und ein zweites Standbein (idealerweise höheres Preistief) noch nicht vorliegt.

So sieht mal ein Squeeze aus, bei dem die per Saldo short positionierten Großspekulanten alle in die gleiche Richtung denken. Hier bildete sich ein Preistief im Juni mit einem Fehlausbruch. Nach einem mehrtägigen Anstieg verharrten die Preise in einer Seitwärtsbewegung und bildeten dann ein zweites höheres Preistief. Dies war der Startpunkt einer starken Gegenbewegung. Ein ähnliches Setup für eine starke Aufwärtsbewegung existierte im Jahr 1962, aber eben momentan (noch) nicht.

Der Ausblick für den Freitag: Zuletzt dominierte das Muster der Schwäche an einem Freitag, während der Wochenstart positiv verlief. Da keine Daten von Bedeutung zur Veröffentlichung anstehen: Auf ein neues…ein Konsolidierungstag, aber kein neuer 90%iger Abwärtstag erscheint wahrscheinlich.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die kommende Wellenreiter Frühausgabe vom Montag wird im Blog am Sonntag veröffentlicht.

Absacker:

http://www.marketwatch.com/story/story/print?guid=C17E3FAD-F7D3-49B1-AADC-3BB6F7EE65C5

Mark Hulbert schreibt über das vielfach erwähnte Schneider der 50- und der 200-Tageslinie und entzaubert mit Blick auf die statistische Entwicklung das negative Omen, über das momentan geschrieben wird.

6. Juli 2010

07.07.10-Wellenreiter-Frühausgabe: Politische Einflussfaktoren für die Aktienmärkte, Juli zuletzt als Monat der Extreme, Statistisches vor dem WM-Halbfinalspiel Deutschland-Spanien

Abgelegt unter: Allgemein — hirse @ 23:23

Was ist das wichtigste Ereignis am Mittwoch? Ich bin sicher, dass 95% sagen, dass es das WM- Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Spanien ist. Die „schönste Nebensache der Welt“ regiert in den Medien und in den Herzen der Menschen. Bilder von 500.000 Menschen beim Public Viewing in Berlin erinnern an die besten Tage der Love Parade, die bis zu 1 Million Menschen anlockte und in dieser Form am eigenen Erfolg zugrunde ging, da die Nebenwirkungen wie Müllbeseitigung die Gegner und Politiker auf den Plan riefen.

Das Spiel zwischen Deutschland und Spanien ist auch das Spiel, welche Vereinsmannschaft die beste Mannschaft der Welt darstellt. Das Duell heißt aus deutscher Sicht erfreulicherweise FC Bayern München – FC Barcelona. Die Spanien stellen 5 Akteure aus der Mannschaft des FC Barcelona, David Villa wird zudem zur kommenden Saison die Mannschaft verstärken. 4 Akteure der aktuellen Mannschaft (Lahm, Schweinsteiger, Müller, Klose) sind ein wichtiger Baustein für die Erfolge bis dato gewesen, Badstuber als 5. Mann hatte nicht das Fortune bei dieser WM. Mit Gomez und Butt stehen insgesamt 7 Spieler im DFB-Team, die für den FC Bayern München spielen. Bei den Niederlanden sind zudem mit dem Kapitän Van Bommel und Flügelstürmer Robben zwei Protagonisten des FC Bayern bereits in das WM-Finale eingezogen. Da zudem Braafheid im Kader der Niederlande steht, könnten bei einem deutschen Sieg im Halbfinale insgesamt 10 Spieler des FB Bayern München im Endspiel der WM stehen.

Keine Mannschaft ist bei einer WM so erfolgreich wie Deutschland: Es handelt sich bereits um die 12. Halbfinalteilnahme Deutschlands, Brasilien war 10mal in einem Finale. Das sind Werte, von denen die Niederlande (4. Teilnahme) und die Spanier (2. Teilnahme) nur träumen. Zudem hat keine Mannschaft so viele WM-Spiele wie Deutschland absolviert, hier überholt Deutschland die Brasilianer und wird am Ende des Turniers 99 Spiele bei einer WM absolviert haben. Der Gegner im Endspiel, die Niederlande, steht zum dritten Mal nach 1974 und 1978 im Endspiel einer Weltmeisterschaft, bis dato gingen die Endspiele verloren. Das Momentum der Niederlande ist hingegen positiv, sie haben als einzige Mannschaft alle Spiele in diesem Turnier gewonnen und sind zudem seit 26 Spielen unbesiegt, so dass die relative Stärke für die Niederlande spricht. Weitere deutsche Rekorde sind die meisten Gegentore (114 Tore) aller Mannschaften, die meisten Spiele eines Fussballers (Lothar Matthäus, als einziger Fussballer bei 5 WM zwischen 1982 und 1998 insgesamt 25mal im Einsatz) und mit Blick auf die Rekordtorjägerliste besteht Hoffnung, dass Miroslav Klose zumindest Ronaldos 15 Tore erreichen kann, schließlich ist Klose „Mister Zuverlässig“ und hatte 2002 und 2006 jeweils 5 Tore erzielt, so dass ihm ein weiteres Tor gelingen sollte. Die Auszeichung des „besten jungen Spielers“ wird in 2010 sehr wahrscheinlich Thomas Müller bekommen, der damit die Nachfolge von Lukas Podolski antreten würde.

Ein hübsches Zahlenspiel ist auch die „magische Zahl“ 3.964.

-          Brasilien gewann 1994, zuvor 1970. Addiert man 1970+1994, dann erhält man 3.964

-          Argentinien gewann 1986, zuvor 1978. Addiert man 1986+1974, dann erhält man 3.964

-          Deutschland gewann 1990, zuvor 1974. Addiert man 1990+1974, dann erhält man 3.964

-          Brasilien gewann 2002, ein anderes Mal 1962. Addiert man 2002+1962, dann erhält man 3.964

-          Um also nach diesem Muster den Weltmeister zu tippen, muss man rechnen: 3960 -2010 = 1954. Und wer gewann 1954 erstmals den Titel? :-)

Schön, wenn es doch so einfach wäre…

http://www.amazon.de/Ole-Espana/dp/B002XZBM3Y/ref=pd_ts_zgc_dmusic_digital_music_track_display_on_website_6?ie=UTF8&s=dmusic&pf_rd_p=205768267&pf_rd_s=right-4&pf_rd_t=101&pf_rd_i=77195031&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=01R91HYMG0H5181Q49F8

Wer sich musikalisch auf den Abend einstimmen möchte, kann sich bei Amazon „Ole Espana“ (Michael Schanze und die deutsche Nationalmannschaft)  kostenlos runterladen. Der Song sollte die deutsche Nationalmannschaft 1982 unterstützen, damals gelang der Einzug in das Finale.

Während wir heute abend die Daumen drücken, dass unsere Jungs auch gegen die aktuell „beste Mannschaft der Welt“ (EM-Titelgewinner 2008, Spanien ist Weltranglistenzweiter, verlor 2 der letzten 53 Spiele und ist vor dem Turnier der Favorit der Buchmacher gewesen; heute ist hingegen beim Internetwettanbieter BWIN Deutschland leichter Favorit! ) diese Aufgabe erfolgreich meistern kann, sind die Weltmeisterjahre Deutschlands schwierige Börsenjahre gewesen. 1954 war mit Blick auf die US-Indizes zwar ein sehr positives Jahr, die Jahre 1974 und 1990 waren es nicht und Öl war ein großes Thema. In 1974 gab es den ersten Teil der Ölkrise (Beginn bereits im Herbst 1973) mit einem stark steigenden Ölpreis, in 1990 stieg der Ölpreis nur kurzfristig stark an, als Saddam Hussein mit dem Irak in den Kuwait einmarschierte. Eine Rezession war die Folge. In 2010 ist ein steigender Ölpreis nicht das Problem, die Ölkatastrophe im Gold von Mexiko könnte aber für ein Unternehmen wie BP in einer Insolvenz enden. Die Tatsache, dass sich die FED mit der Causa BP beschäftigt hat und sich in der vergangenen Woche dazu genötigt sah, zu versichern, dass eine Insolvenz von BP (Chapter 11 nach US-recht) keine Gefahr für die Finanzindustrie Amerikas sei, deutet daraufhin, dass eine solche Entwicklung nicht auszuschließen ist.

Am 20.04. ergab sich die Explosion auf der Ölplattform, die dann am 22.04. sank. Zufall oder nicht? – Auf jeden Fall trat der Unglücksfall an den Bewegungshochs des S&P 500 auf.

Die Nachrichtenlage um BP verrät aber den Ernst der Lage. Am Montag kamen Gerüchte auf, dass Gaddafis lybischer Staatsfonds frisches Geld investieren könnte (die Vorstellung, dass Gaddafi ein großes britisches Unternehmen „rettet“, sprengt die bescheidene Vorstellungskraft des Autoren dieser Frühausgabe).Am Dienstag kann in der Onlineausgabe der Financial Times Deutschland nachgelesen werden, dass sich die britische Regierung bereits mit einem „Plan B(P)“ beschäftigt.

http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:oel-im-golf-von-mexiko-britische-regierung-arbeitet-an-bp-notfallplan/50139707.html

Solche Nachrichten können an einem Tief vorkommen, aber es ist sehr viel Rauch um BP erkennbar, der auf Feuer schließen lässt. Ich erwähne den Fall BP auch aus dem Grund, da es immer mal wieder Anfragen gibt, ob die BP-Aktie jetzt nicht ein Kauf sei, zumal Value-Anhänger mit akademischem Titel im Internet für einen Kauf der Aktie trommeln.

Aus technischer Sicht kann die Devise nur heißen: Finger weg!

Bis eine Aktie eine Bodenbildung vollzogen hat und sich ein neuer Aufwärtstrend bilden kann, vergehen Monate.

Aus fundamentaler Sicht ist es schwer einzuschätzen, ob Chapter 11 die Lösung der Probleme ist. Allerdings ist es ein typisches Merkmal eines fundamentalen Bärenmarktes, dass die Probleme bzw. die Zahlen mit der Zeit größer werden. Bei der Subrpime-Krise sprach Bernanke am Anfang von einer Belastung der Banken von 100 Mrd, später wurden es 1.000 Mrd und bis heute folgten über 1.600 Mrd. Wenn sich der lybische Staatsfonds wirklich an BP beteiligen sollte, was mich persönlich sehr überraschen würde, dann hätten die Amerikaner eine weitere Motivation, um ohne große Hemmungen den BP-Konzern mit einer Klageflut in das Szenario „Chapter 11“ zu schicken. Aus fundamentaler Sicht ist mit Blick auf die nicht seriös einzuschätzenden Kosten der Bewältigung des Schadensfalles, der von meinem Verständnis signifikant über 20 Mrd US-Dollar liegen wird, der Bärenmarkt in der Aktie noch für einen längeren Zeitraum intakt.

Die politische Komponente ist nicht nur im Fall BP ein wesentlicher Faktor, sondern auch in der Bankenbranche. Das Aprilhoch 2010 kann man auch als „Goldman Sachs“-Hochpunkt bezeichnen, da die SEC damals Goldman Sachs verklagte. Wer „Gottes Werk verrichtet“, wie es Goldman-Sachs Blankfein im Oktober 2009 formulierte, dem helfen die Politiker wieder bei der Erdung.

Historisch gab es in einem anderen WM-Jahr (1962) unter Präsident Kennedy eine Initiative gegen die steigenden Stahlpreise. Kennedy zwang die Unternehmen zur Zurücknahme einer Preiserhöhung. Die Initiative Kennedys entfaltete auch auf den Gesamtmarkt eine deflatorische Entwicklung. Am Beispiel des Durchschnitts der Industriewerte aus der Dow-Familie lässt sich der scharfe Rückgang gut erkennen.

Kennedys Rede gegen die US-Stahlindustrie fand am 11.04.1962 statt, im Vorfeld toppte der Aktienmarkt bereits über einen Zeitraum von fast 12 Monaten im Rahmen einer übergeordneten Hausse. Das Jahrestief bildete sich Ende Juni, ein zweites Standbein im Oktober 1962 (Stichwort Kubakrise). Danach setzte sich die Hausse bis Januar 1966 fort. Das Unterschreiten der Tiefs von 1961 und Januar 1962 führte zu deutlichen Verlusten, aber nicht mehr das Unterschreiten der Tiefs von 1960.

Ich glaube nicht, dass die Situation in 2010 mit 1962 vergleichbar ist, da der übergeordnete Trend anders einzuschätzen ist. Ich erwähne dieses Beispiel, da unpoläre Entscheidungen von Politikern in der Mitte eines Wahlzyklus getroffen werden (müssen), um ihre Wiederwahl zwei Jahre später nicht zu gefährden. 2010 ist ein solches Zwischenwahljahr. Obama muss in diesem Jahr wichtige unpopuläre Maßnahmen gegenüber der Bankenbranche, aber auch gegenüber BP treffen. Setzt sich der übergeordnete Blasenzyklus mit einem wichtigen Tief im 12./13. Jahr fort, dann wird Barack Obama nur ein Präsident für eine Legislaturperiode sein. Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft sind vorerst nicht zu erwarten, hier hatte er das Pech, dass er direkt zu Beginn seiner Amtszeit stark expansiv tätig sein musste und zudem die Wirtschaftsdaten noch zu gut aussehen. Die FED hatte Ende April ihre Projektion für das Wirtschaftswachstum in 2011 auf 3,2% erhöht, daher fehlt auch aus politischer Sicht jegliche Legitimierung für weitere Konjunkturmaßnahmen.

Ein weiterer und für heute letzter politischer Aspekt sind die momentan stattfindenden Stresstests der europäischen Banken. Die Ergebnisse sollen um den 23.07. veröffentlicht werden, am 21.07. unterhält sich EZB-Präsident Trichet mit den Chefs der europäischen Banken, inwiefern Kapitalerhöhungen notwendig sind. Das Wort „Stresstest“ kam in der vergangenen Dekade zweimal vor und es bildeten sich damals jeweils wichtige Preistiefs. In Deutschland führte die BaFin im März 2003 bei den deutschen Versicherern Stresstests durch, mit dem Ende der Stresstests bildeten sich bei den Versicherern Preistiefs.

Im Februar 2009 folgte der US-Banken-Stresstest unter Timothy Geithner, 4 Wochen später war ein Preistief erzielt. Wiederholt sich ein solches Szenario und steht der Monat Juli für die Ausbildung des dann wahrscheinlichen Jahrestiefs? Auch wenn es an dieser Stelle keine definitive Antwort geben kann, ist zumindest diese positive Variante im Hinterkopf zu behalten.

Zyklisch betrachtet ist der März in der letzten Dekade DER Monat für die Wendepunkte gewesen. In diesem Jahr war der Monat März allerdings nicht wieder ein Wendepunkt, sondern erst der April. Der zweitwichtigste Monat für Preisextrema war in der vergangenen Dekade der Juli. In den WM-Jahren 2002 und 2006 bildeten sich wichtige Tiefpunkte. Das Preistief am 23.07.2002 (Umkehrtag mit Intraday war 24.07.) war mit Blick auf die Marktinterna das Tief bei den Standardwerten, der damalige Sell-Off war ein ähnlich bedeutendes Tief wie im Oktober 2008 zuletzt erzielt wurde.

Das Preistief am 18.07.2006 war das zweite Standbein einer Doppeltiefformation (Juni/Juli), die der Beginn der beschleunigten Aufwärtsentwicklung bis in den Sommer 2007 war. Hier bildete sich Mitte Juli ein wichtiger Hochpunkt. Im EM-Jahr 2008 bildete sich am 15.07. lediglich ein temporäres Preistief, im August endete die Gegenbewegung und es folgte der unvergessene Herbst 2008. In 2009 bildete sich um den 10.07. ein wichtiges Preistief als Ausgangsbasis für den Anstieg bis Januar bzw. April 2010. Insofern war der Monat Juli in den letzten 5 Jahren für Extrema bedeutend, die jeweiligen Extrema bildeten sich dabei zur Mitte des Monats hin. Setzt sich die Serie der Extrema fort, dann wäre mit Blick auf den WM-Zyklus ein Preistief zu erwarten.

Ich schrieb für die Montagsausgabe, dass das aktuelle Verhalten des Aktienmarktes mich an die Situation im Dezember 2007/Januar 2008 erinnert. Im Nachhinein wurde der Dezember 2007 zum Beginn einer Rezession erklärt, aber mehr noch als dieser Faktor war damals die Formation von Bedeutung und das ungewöhnliche Verhalten des Aktienmarktes für die Jahreszeit. Das „Smart Money“ verkaufte und es folgte eine richtige Sell-Off-Situation, die dann als Jerome Kerviel-Tief als Synonym für eine Schieflage Geschichte schrieb und die Ouverture war für ein Jahr voller (Unternehmens-)Pleiten. An dieser Stelle erscheint mir der Blick auf die technische Entwicklung von damals aus aktuellem Anlass interessant.

Die Toppbildung in 2007 verlief über einen signifikant längeren Zeitraum, auffällig war die Volumensentwicklung, denn am ersten Preistief Mitte August 2007 wurde das höchste Handelsvolumen an der NYSE beobachtet. Mehr als 3 Mrd Aktien wurden bis heute nicht wieder gehandelt. Es bildete sich ein potentielles Doppeltief Ende November und die daran anschließende Aufwärtsbewegung endete oberhalb des 61%-Retracements nach insgesamt 10 Handelstagen, am 11. Tag gab es die negative Umkehr. Das Zwischentief wurde unterschritten, für einige Tage war dieses Niveau umkämpft. Als dieses Niveau am 15.01. unterschritten wurde, folgten noch vier Handelstage mit Schwäche vor dem Sell-Off, der einen weiteren Kursverlust von etwa 10% inklusive des negativen Umkehrtages mit sich brachte.

In 2010 wurde das höchste Volumen Anfang Mai beobachtet („Flash Crash“), die potentielle Doppeltiefformation hielt nicht und die Gegenbewegung endete bereits beim 50% -Retracement am 10. Handelstag. Der Rutsch unter das potentielle Doppeltief geschah mit Blick auf den Faktor Zeit ebenfalls schneller, so dass die aktuelle Bewegung mehr Schwäche offenbart. In 2008 gab es eine zweitägige Gegenbewegung, auch in der Abwärtsbewegung Anfang Juli 2002 gab es eine zweitägige Gegenbewegung, bevor sich der Abwärtstrend beschleunigte. Insofern sollte die Gegenbewegung nicht länger als zwei Handelstage andauern, wenn es noch im Juli zu einem Sell-Off kommen sollte.

Die Gegenbewegung an einem „Montag“ (nach dem langen Wochenende mit dem Feiertag am Montag) kann bereits als Pullback an die vorherige Unterstützungszone angesehen werden. Das Tageshoch bildete sich bereits kurz nach 16 Uhr, das „Smart Money“ nutzte die Euphorie wie bereits in den letzten Tagen zu Verkäufen. Es bildete sich ein „Doji“, der auf Unsicherheit schließen lässt. Die Dreiecksformation wäre als Fortsetzungsformation anzusehen. Insofern ist die Gefahr eines weiteren Sell-Offs alles andere als gebannt.

Die Marktstrukturdaten vom 06.07.2010:

Dow Jones Industrial Average 9.743 +57
S&P 500 1.028 +5
Nasdaq 100 1.734 +6
Russell 2000 590 -9
T-Bonds 127,94 -0,06
Euro/US-Dollar 1,262 +0,052
Gold 1.192 -19
Crude Oil 72,22 +0,03

Aufwärtsvolumen 52%

Neue Hochs 61

Neue Tiefs 96

Put/Call-Ratio CBOE 1,13

Die Vorgaben aus China waren positiv, der dortige Index konnte seine Verlustserie unterbrechen. Die Zeichnungsfrist für die letzte chinesische Großbank – Agricultural Bank of China – endete heute, die Emission ist etwa 20-fach überzeichnet. Von einer solchen Überzeichnung träumen deutsche Emissionsbanken nur. Umso beeindruckender ist die Überzeichnung vor dem Hintergrund eines Volumens von über 20 Mrd US-Dollar. Das IPO dürfte das größte IPO der Welt werden. Ein weiterer Rekord dürfte der Umstand sein, dass die Banken mehr Kunden (320 Millionen) besitzt als die USA Einwohner (308 Millionen). Die IPO-Euphorie steht damit im Kontrast zur bisherigen Wertentwicklung in China, denn üblicherweise floppen die Börsenpläne, wenn die Investoren risikoaverser werden.

Technisch befindet sich der chinesische Aktienmarkt weiterhin im Abwärtstrend, der Bereich von 2.600 Punkten fungiert als starker Widerstand. Das kleine Gap aus der Vorwoche dürfte geschlossen werden.

Die positiven Vorgaben aus Asien zeigten aber nicht die Wirkung an Wall Street, da trotz des positiven Handelsschlusses für Dow, S&P 500 und Nasdaq 100 das Aufwärtsvolumen relativ schwach blieb und an der NYSE mehr Titel fielen als stiegen. Die signifikante Schwäche der Nebenwerte, aber auch zyklischer Sektoren wie Transport zeigt eine schwache Handelssitzung an, an der Nasdaq überwog zudem das Abwärtsvolumen, die Anzahl steigender Aktien lag lediglich bei 33%. Diese Kennzahlen zeigen eine innere Marktschwäche an und sprechen lediglich für eine Gegenbewegung auf die zuvor erlittenen Verluste. Der in den Indizes positive Handelstag ändert nichts an dem bearishen Verhalten der letzten Wochen.

In eigener Sache: Am Freitag morgen wird es an dieser Stelle ein kleines Telegramm zur Entwicklung der Märkte geben.
 

Absacker:

Über den ECRI-Indikator haben wir bereits mehrfach berichtet. Christof Leisinger hat Lakshman Achthan interviewt:

http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E1DB51C48019C4AF3A2FD4849652C8ACD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Das Institut erwartet, dass es in den kommenden Jahren ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum geben wird uns sich wirtschaftliche Auf- und Abschwünge ähnlich wie zuletzt in den 70iger Jahren in kürzeren Zeiteinheiten abspielen werden.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre ist zudem seine Präsentation mit Kommentaren von Ende Juni.

http://www.businesscycle.com/reuters/news/2010/june/pdf/3radb25mavjw1pk.pdf

Sein Resümee: Deflatorische Tendenzen dominieren, wenn sich die Wirtschaft länger in einer Rezession befindet. Das japanische Gespenst ist zudem eine realistische Option bezüglich der Wirtschaftsentwicklung.

 

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