19.07.10-Wellenreiter Frühausgabe: Update Blasenmuster, “Sell the (good) news”-Muster in US-Berichtssaison, Übersicht über Anlageklassen
Bevor der Überblick über die einzelnen Märkte beginnt, steht an erster Stelle unser Hauptgedanke aus dem Jahresausblick 2010, aber auch aus den älteren Jahresausblicken, die für die Jahre 2006-2009 frei zugänglich im Internet stehen. Der Hauptgedanke – das Blasenmuster für die Aktienmärkte – ist bereits seit vielen Jahren ein ständiger Wegbegleiter des Wellenreiters gewesen, denn bereits in 2004 schrieb Robert Rethfeld für das monatlich erscheinende Printmagazin den Artikel „Die Anatomie der Spekulationsblase“.
http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=457
In diesem Artikel sagte er mit Hilfe von Blasenmustern und zyklischen Zeitrelationen ein Preistief an den Aktienmärkten für 2009 voraus und zudem für 2008 einen Inflationshöhepunkt.
Urlaubsbedingt kann ich leider nicht mit einer ganz aktuellen Version des Blasenmusterverlaufscharts dienen, ich bediene mich des Chartbildes vom Wochenend-Wellenreiter vom 13.06.2009
http://www.wellenreiter-invest.de/WellenreiterWoche/Wellenreiter090613.htm

Die wichtigen Schlüsselmarken sind die Zeitpunkte 2,5 Jahre nach einem Blasenhoch (Tiefpunkt), 5 Jahre (Tiefpunkt), ca. 7,5 Jahre (Hochpunkt), Jahr 9 (Tiefpunkt) und zu Beginn des 11. Jahres (Hochpunkt). Diese wesentlichen Koordinaten stimmen weiterhin für die Blase der Technologiewerte an der Nasdaq mit ehemaligen Blasen wie dem Dow ab 1929, dem Nikkei ab 1990, aber auch Gold ab 1980 (hier nicht dargestellt) überein. Insofern ist das Aprilhoch 2010 als ein wichtiger zyklischer oberer Wendepunkt einzustufen. Übergeordnet steht eine Abwärtsbewegung in das 12./13. Jahr an, der sich dann eine mehrjährige Aufwärtsbewegung anschließen würde. Im großen Bild bleibt zudem festzuhalten, dass die nächste große Haussebewegung im Dow Jones Vergleich ab 1929 erst nach 20 Jahren mit einem wichtigen Preistief in 1949 und bei Gold nach 21 Jahren (Doppeltief 1999/2001) startete. Japans Aktienmarkt befindet sich seit 20 Jahren in einer Baisse, ab 2011 würde zyklisch Hoffnung auf einen Trendwechsel (Dreifachtief im Bereich von ca. 7.000 Punkten in 2003/2009/2011?) bestehen.
Der Weg der Abwärtsbewegung in das 12./13. Jahr wird nicht geradlinig sein und die beiden Verläufe von Nikkei und Dow zeigen gerade für das 10. Jahr eine unterschiedliche Entwicklung an. Das Gros der Abwärtsbewegung endete im Nikkei bereits im Herbst 2001.
Im Blog erschien am 27.04.2010 ein Vergleich der Verläufe der Nasdaq und des Nikkeis, da der Nasdaq damals exakt das Preisniveau erreicht hatte, bei dem die Aufwärtsbewegung im Nikkei endete.
http://www.wellenreiter-invest.de/Wordpress/?p=108
Im Fall vom Nikkei folgte eine Abwärtsbewegung von etwas über 20% vom Top, eine Rally um 10% und dann eine Seitwärtsbewegung, die sich nach unten auflöste. Die Gefahr eines neuen Preistiefs in den kommenden Wochen ist damit nach diesem Vergleich vorhanden, im S&P 500 liegt das Risiko nach diesem Vergleich bei einem Rückgang in den Bereich von 950 Punkten.
Für den Dow im Jahre 1939 ergab sich hingegen eine monatelange Seitwärtsbewegung, bevor spät im 10. Jahr ein scharfer Einbruch (Mai 1940) erfolgte. Ein sehr scharfer Einbruch geschah damit zwei Jahre nach einem wichtigen Tiefpunkt, ein erster Einbruch ein Jahr nach dem Tief 1938 wurde komplett korrigiert, die alten Zwischenhochs wurden wieder erreicht.
Fazit zum Blasenmuster als Blaupause der kommenden Jahre:
Die Bewegung des Dows war nicht so stark deflationär, der Nikkei zeigte damals mehr Preisschwäche und fiel in der Folge auch deutlich auf neue Bewegungstiefs. In den letzten drei Jahren erinnert die Bewegung im Nasdaq stärker an die Bewegung des Nikkeis, zum Teil wahrscheinlich auch durch die politischen Einflussmaßnahmen (Konjunkturmaßnahmen, die zu Strohfeuern führen). Politiker drehen mit ihren Maßnahmen keinen übergeordneten Trend! Setzt sich die hohe Korrelation zwischen Nikkei anno 2000/01 und dem Nasdaq 100 anno 2010 fort, dann sind neue Bewegungstiefs noch in diesem Jahr zu erwarten.
Der Bondsmarkt ist größer als der Aktienmarkt und die Signale, die dieser Markt aussendet, sind wichtige Determinanten in der Bestimmung des größeren Trendbildes.
In 2006 und 2007 bildete sich ein preisliches Doppeltief und damit ein Renditehoch. Der Hochpunkt in 2007 bildete sich Anfang Juni, die Bewegung im Juli oder gar im Oktober wurde von den Anleihen nicht mehr bestätigt. Der Bondsmarkt war ein vorauslaufender Indikator, diese Beobachtung galt ebenso für das Jahr wie für den Frühjahr 2009. In 2010 bildete sich ein Doppeltief und ab Anfang April begann der Bondsmarkt zu steigen, insofern toppte der Bondsmarkt auch in diesem Jahr vor dem Aktienmarkt und bewies damit den vorauslaufenden Charakter. Wir hatten im Jahresausblick 2010 für das Frühjahr eine höhere Inflation und einen schwächeren Bondsmarkt erwartet, haben die Erwartung angesichts des Doppeltiefs am 19.04. korrigiert. Da der Kapitalmarkttrend seit 2000 alternierend durch Deflation und Reflation geprägt ist, ist die Aussage des Bondsmarkt seit drei Monaten wieder auf Deflation gerichtet. Die jüngste Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt haben die US-Staatsanleihen nicht bestätigt, es gab lediglich eine kurze korrektive Bewegung, zum Ende der Handelswoche notierten die Anleihen bereits wieder an ihrem Jahreshoch. Würden die Investoren optimistischer in die Zukunft schauen, dann würden sie Anleihen verkaufen (und Aktien kaufen). Da sie es nicht tun, ist es um den Optimismus schlecht bestellt, die Zukunft wird negativer eingeschätzt.
An diesem Punkt erfolgt fließend der Übergang zum Handel der letzten Tage. Die Berichtssaison in den USA ist angelaufen und zeigt ein klares Muster: „Sell the (good) news“. Zunächst konnte dies bei Alcoa beobachtet werden (Handelsstart 11,32 US-Dollar, Schlusskurs 11,00 US-Dollar), es setzte sich bei Intel fort (Handelsstart 22,06 US-Dollar, Schlusskurs 21,36 US-Dollar) und wer die Erwartungen nicht (über-)erfüllen konnte wie Google, verzeichnete deutliche Abgaben (-6,97%).
Als ein zweiter Faktor für die Trendbestimmung kann das Verhalten von größeren IPOs angesehen werden. Der Donnerstag war dabei der Tag der IPOs. In China war die Emission der AgBank 20-fach überzeichnet- trotz der hohen Nachfrage endete die Emission nur marginal im Plus. In Deutschland ging die Werbefirma Ströer an die Börse, der Emissionspreis lag bei 20 Euro. Nach einem positiven Start mit 20,60 Euro fiel die Aktie bereits am Donnerstag am frühen Nachmittag unter das Emissionsniveau. Der größte US-Börsengang in den USA – Smart Tech – wurde zu 17 US-Dollar emittiert, fiel ebenfalls intraday unter das Emissionsniveau, um sich zum Handelsende marginal (17,05 US-Dollar) ins Plus zu retten. Wenn Neuemissionen floppen, auch wenn sie es gerade noch an die Börse schaffen, dann wollen die Pferde nicht mehr saufen. Dies ist ein Indiz für eine schwächere Börsenentwicklung. Schwach war auch die Entwicklung am Freitag, auch wenn diese Entwicklung für die wenigsten eine Überraschung darstellt, denn die schwachen Freitagsverläufe haben in den letzten Monaten bereits Tradition.
| 09.07 | 12.07. | 13.07. | 14.07 | 15.07 | 16.07. | |
| S&P 500 | 1.078 | 1.079 | 1.095 | 1.095 | 1.096 | 1.064 |
| Volumen | 0,88 | 0,85 | 1,13 | 1,06 | 1,11 | 1,49 |
| Aufwärtsvolumen | 81% | 42% | 92% | 38% | 48% | 4% |
| Neue Hochs | 87 | 87 | 100 | 93 | 89 | 65 |
| Neue Tiefs | 8 | 12 | 6 | 9 | 12 | 29 |
| PCR CBOE | 0,86 | 1,01 | 0,83 | 0,93 | 0,88 | 1,10 |
Mit einem Abwärtsvolumen von 96% war der Freitag, der 16.07., bereits der 19. (!!) Handelstag innerhalb von drei Monaten mit einem extremen Handelsvolumen von mindestens 90%, so dass beinahe jeder dritte Handelstag ein extremes Handelsvolumen aufweist. Eine solche Vielzahl von Extremtagen konnte in den 13 Monaten des Aufschwungs zwischen März 2009 und Mitte April 2010 nicht beobachtet werden, so dass alleine diese extreme Häufung von Extremtagen indiziert, dass „etwas anders“ ist als in dieser vorherigen Aufschwungsphase.
Der größte Verlierersektor war am Freitag der Bankenindex. Im Bereich von 51 Punkten hat sich ein preisliches Doppelhoch gebildet, auf der Unterseite sind der Bereich 46 und 44 Punkte als Unterstützung anzusehen. Für ein positiveres Chartbild muss der Bereich von 51 Punkten überschritten werden. Die Entwicklung der letzten Tage ist durch relative Schwäche gekennzeichnet.
Eine Indikatoraktie ist IBM, da die Aktie im Vergleich zu den Schönwetteraktien wie Intel oder General Electric, nicht abgestürzt ist, sondern nahe am historischen Rekordkurs notiert. IBM wird am Montag nachbörslich Zahlen melden, ich erwähne die Aktie aufgrund der charttechnischen Konstellation. Der Optimist wird eine Tasse-Henkel-Formation, die bei einem Auflösen nach oben ein Kursziel von etwa 200-US-Dollar besitzen würde. Der Pessimist erkennt das abermalige Scheitern an den Hochs der Jahre 1999/2000/2001 sowie 2008 in diesem Jahr und erwartet, dass die eingezeichnete Seitwärtsbewegung nach unten verlassen werden wird. In der Fortsetzung der japanischen Entwicklung unseres Blasenmusters ist die Auflösung nach unten zu erwarten.
Es ist selten, dass Aktien so häufig an ihren Widerständen scheitern, aber auch Newmont Mining zeigt, dass Hochpunkte von vor 20 Jahren mitunter eine zu harte Hürde sind. In dieser Woche bildete die Aktie bei 63 US-Dollar ein preisliches Doppelhoch und verabschiedete sich somit wieder von der Chance, auf neue historische Rekordhochs anzusteigen.
Nachfolgend der Überblick über die einzelnen Assetklassen mit einem Schwerpunkt auf den Devisenmarkt.
Aktien: S&P 500 manifestiert Abwärtstrend, 96%iger Abwärtstrend am Freitag als Ende der Aufwärtsbewegung im Juli, zyklisch Schwäche zu erwarten, „Sell the (good) news“-Muster zu beobachten
| Future | Kurs | Veränd. Vorw. |
Positionierung der Commercials | |||
| Netto | Ver. Netto | Ver. Long | Ver. Short | |||
| Dow Jones Ind. Av. | 10.363,02 | 619,40 | +3.591 | +5.494 | +1.045 | -4.449 |
| S&P 500 | 1.095,34 | 67,28 | +26.964 | +28.936 | +4.749 | -24.188 |
| Nasdaq 100 | 1.845,03 | 110,35 | +4.175 | +1.736 | +53 | -1.683 |
| Russell 2000 | 642,82 | 52,79 | +15.253 | +3.034 | +4.152 | +1.117 |
Die Commercials haben bei stark steigenden Kursen ihre jeweiligen Netto-Long-Positionierungen aufgestockt, indem sie überwiegend Short-Positionen aufgelöst haben. Ein solches Muster ist extrem ungewöhnlich, da üblicherweise die Commercials bei steigenden Kursen antizyklisch vorgehen und nicht den Squeeze auslösen, indem sie Short-Positionen auflösen. Insofern ist die Aussage, dass die Commercials im S&P 500 die größte Netto-Long-Positionierung seit März 2008 besitzen, mit gemischten Gefühlen behaftet, da damals eine Gegenbewegung einsetzte, die den eingeschlagenen Abwärtstrend nicht änderte. Aufgrund des untypischen Handlungsmusters der Commercials bewerte ich ihr Bewertungsverhalten sehr vorsichtig.
Der S&P 500 befindet sich in einem Abwärtstrend seit April 2010. Ausgehend vom Jahresendstand 2009 von 1.115 Punkten ergibt sich bis dato eine Abweichung von 105 Punkten auf der Ober- (1.220 Punkte Jahreshoch 2010) und Unterseite (1.010 Punkte bisheriges Jahrestief). Die Aufwärtsbewegung im Juni dauerte 6 Handelstage an, am 10. Handelstag folgte die Umkehr, die zu neuen Tiefs führte. Die jüngste Aufwärtsbewegung dauerte 6 Handelstage an, am 9. Tag erfolgte die Umkehr. Der preisliche Umfang beider Aufwärtsbewegungen betrug 89 Punkte (Juni 1.042 -> 1.131; Juli 1.010 -> 1.099), insofern war der Anstieg identisch groß. Das Handelsvolumen des jüngsten Anstiegs lag jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Im Juni erfolgte in der einsetzenden Abwärtsbewegung ein 90%iger Abwärtstag am zweiten Tag der Abwärtsbewegung, in dieser Woche setzte ein solch starker Abwärtstag direkt am Topp ein. 90%ige Abwärtstage können einen Abwärtstrend erschöpfen, wenn sie nach einer Phase fallender Kurse zu beobachten sind. Sie stellen dann eine Erschöpfung des Verkaufsdrucks dar (siehe Anfang Februar 2010). Kommen 90%ige Abwärtstage hingegen direkt an einem Topp vor, dann ist es ein Indiz, dass die Aufwärtsphase beendet ist. In der Summe war die Anstiegsphase im Juli marginal schwächer als im Juni, da sie mit niedrigerem Volumen ablief und einen Tag früher nach unten umkehrte.
Auf Wochenbasis ergibt sich eine negative Handelswoche für den S&P 500, der damit eben gerade nicht dem Pfad des Jahres 2009 folgt und der sich auch vom Pfad des Jahres 2004 abhebt, so dass der Verlauf in 2010 nicht den sehr positiven Verlauf im zweiten Halbjahr der beiden genannten Jahre aufweisen wird.
Der Nasdaq 100 legt momentan kuriose Serien an den Tag: zuerst gab es 11 rote Kerzen in Folge, danach 7 weiße Kerzen. Der Abwärtstrend bleibt jedoch intakt. Das erhöhte Handelsvolumen an einem Preishoch ist bearish zu werten, da es für eine Erschöpfung der Käufer spricht. Als preisliche Unterstützung ist der Bereich um 1.750/60 Punkte (Maitiefs) sowie zwischen 1.700-1.720 Punkte (Februartief, Julitief) anzusehen. Im langfristigen Chartbild ist der Bereich um 1.700 Punkte eine sehr wichtige Unterstützung.
Der zyklische Ausblick für die zweite Julihälfte ist negativ.

Das Verhalten in 2010 während der Berichtssaison ist zudem vom Muster: „Sell the news“ geprägt, da sich jeweils Hochpunkte Mitte Januar und Mitte April bildeten. Der Hochpunkt in der abgelaufenen Woche reiht sich in dieses Muster des Abverkaufs der Bilanzsaison ein.
Bei den kurzfristigen Marktstrukturdaten zeigte das Aufwärtsvolumen in einer 10-Tageseinstellung per Donnerstag abend einen überkauften Marktzustand (60%) an, per Freitag liegt es mit 56% noch immer auf einem relativ hohen Niveau, so dass bis zu einem abermaligen überverkauften Marktzustand oder bis zur Ausbildung einer positiven Divergenz (höherer Tiefpunkt) einiges an (Abwärts-)Potential besteht. Die Reaktion nach Erreichen eines überkauften Marktzustands zeugte im Juni und am Freitag von deutlicher Schwäche, da sich ein extrem starker Verkaufsdruck bildete. In Bullenmärkten fallen die Pullbacks bei einem überkauften Marktzustand geringer aus. Als positiver Faktor der kurzfristigen Marktstrukturdaten bleibt weiterhin das Put/Call-Ratio im S&P 100 zu nennen, es liegt auf einem sehr niedrigen Absicherungsniveau.(0,77 in einer 10-Tageseinstellung). Da dieser Indikator bereits Anfang Oktober 2008 auf einem sehr neidrigen Niveau lag und danach noch eine deutliche Preisschwäche folgte, ist dieser Indikator zwar gut, aber nicht unfehlbar. Im Verbund mit den anderen beiden Put/Call-Ratios an der CBOE und Aktien ist momentan festzustellen, dass eine Angstspitze nicht vorhanden ist.
Fazit: Die US-Aktienmärkte befinden sich in Abwärtstrends und zeigen bearishe Verhaltensmuster, die Berichtssaison zeigt ein „Sell the news“-Muster an, so dass nicht nur aus zyklischen Erwägungen mit mehr Preisschwäche zu rechnen ist. Das Risiko eines Unterschreitens des Bewegungstiefs von Anfang Juli bei 1.010 Punkten am 38%-Retracement ist gegeben, ein Anlaufen der Zone vor dem Hintergrund der kurzfristig noch überkauften Marktstruktur zu erwarten.
Anleihen: Der „sichere Hafen“ bei Aktienmarktschwäche, da antizyklisch zu Aktien korreliert, kurzfristiges Laufzeitende bereits mit frischen Renditetiefs, Indiz der Konjunkturschwäche
| Future | Kurs | Veränd. Vorw. |
Positionierung der Commercials | |||
| Netto | Ver. Netto | Ver. Long | Ver. Short | |||
| US Treasury Bonds | 125,15 | -2,85 | +15.149 | -18.577 | +5.051 | +23.628 |
| 10-year T-Notes | 121,21 | -1,03 | +138.334 | +2.324 | +30.438 | +28.114 |
Die letzten FED-Sitzungen inklusive der Protokolle waren in 2010 nicht besonders interessant, da neben der Aussage, dass der Leitzinssatz für eine längere Zeit unverändert bleiben wird. Dies war bei der letzten Sitzung Ende Juni anders. Die FED hat zum einen die Wachstumserwartungen für 2010 marginal gesenkt, die sie Ende April noch erhöht hatte. Mit 3-3,5% Wachstum wurde die Wachstumserwartung um 0,2% gesenkt. Für 2011 wird mit 3,5-4,2%, für 2012 mit 3,4%-4,5% Wachstum gerechnet. Bei soviel Wachstum ist mit normalem Menschenverstand eine Umkehr der Nullzinspolitik zu erwarten, da diese Erwartung drei Jahre überdurchschnittliches Wachstum bedeuten würde. Dieser Projektion glauben aber einige FED-Mitglieder (Eric Rosengren, Boston) nicht und reden von einem gestiegenen Risiko einer Deflation und bereits wieder über neue Konjunkturmaßnahmen. Alleine der Umstand, dass über neue Konjunkturmaßnahmen gesprochen wurde, deutet daraufhin, dass sich zumindest einige FED-Mitglieder darüber bewusst sind, dass der Wirtschaftsaufschwung nicht die Qualität besitzt, um das Etikett selbsttragend zu bekommen.
Aus technischer Sicht ist erwähnenswert, dass das kurze Ende der Anleihenlaufzeiten stärker gesucht als das lange Ende. Der Zinssatz für fünfjährige Anleihen notiert bereits auf einem neuen Renditetief, die zehnjährigen Anleihen notieren am Tief zur Quartalswende, während die dreißigjährigen Anleihen noch oberhalb des jüngsten Preistiefs notieren. Der Pessimismus ist am kürzeren Ende größer, damit sendet der Bondsmarkt gegenüber den Aktien ein negatives Signal aus und lässt die Aufwärtsbewegung im Juli als Squeeze und nicht als ein wichtiges Preistief erscheinen.
Fazit: Die US-Staatsanleihen sind der „sichere Hafen“ bei Aktienmarktschwäche, die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen bleibt invers und Konjunkturschwäche das Thema am Kapitalmarkt.
Devisen: Euro/US-Dollar-Bewegung im Zielbereich, Rohstoffwährungen zeigen Schwäche, Japanischer Yen Stärke, Indiz steigender Risikoaversion
| Future | Kurs | Veränd. Vorw. |
Positionierung der Commercials | |||
| Netto | Ver. Netto | Ver. Long | Ver. Short | |||
| U.S. Dollar Index | 83,8210 | -0,4850 | -15.754 | +2.326 | -330 | -2.656 |
| Euro | 1,2728 | 0,0104 | +34.894 | -7.567 | +860 | +8.427 |
| Schweizer Franken | 0,9486 | 0,0050 | -19.318 | -24.428 | -2.513 | +21.915 |
| Japanischer Yen | 1,1275 | -0,0146 | -52.533 | -9.686 | -1.020 | +8.666 |
| Britisches Pfund | 1,5182 | 0,0034 | +46.623 | -3.115 | +9.230 | +12.345 |
Die Aufwärtsbewegung des Euro/US-Dollars setzte sich bis Freitag fort, insofern dürfte das Gros der Short-Position der Großspekulanten bis zum Ende der angelaufenen Woche eingedeckt sein bzw. nur noch eine relativ geringe Short-Positionierung übrig geblieben sein, so dass von dieser Seite die Unterstützung der Aufwärtsbewegung am Auslaufen ist.
Der Devisenmarkt besitzt interessante Bewegungen im Euro, im Japanischen Yen und in Rohstoffwährungen wie dem Australischen Dollar.Der Devisenmarkt besitzt interessante Bewegungen im Euro, im Japanischen Yen und in Rohstoffwährungen wie dem Australischen Dollar.
Der Australische Dollar zeigt gegenüber dem US-Dollar am 61%-Retracement ein preisliches Doppelhoch mit einer oberen Umkehr am Freitag. Der Carry Trade in der Rohstoffwährung verliert an Beliebtheit und stellt damit auch eine Belastung für den US-Aktienmarkt und für die Entwicklung der Rohstoffe dar.
Der US-Dollar/Yen ist der nächste „Carry Trade“, allerdings mit einer extrem langen Laufzeit von etwa 12 Jahren (1995-2007), der vor allem in der Realwirtschaft starke Spuren hinterlassen und auch Europa stark berühert, da nicht wenige Finanzierungen von Immobilien in Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz auf den Japanischen Yen laufen. Die markierten Hochpunkte im Währungspaar markierten Hochpunkte am US-Aktienmarkt, so dass die Tendenz zu “weniger” Yen auch zu “weniger” im US-Aktienmarkt führte. Zudem bedeutet ein sinkender US-Dollar/Yen auch “weniger” an Rendite bei den US-Staatsanleihen. Der US-Dollar/Yen befindet sich weiterhin in der Abwertungsphase. Das Spiketief 2009 lag bei 84,80 Yen, danach ist erst der Bereich von 80 Yen wieder eine Unterstützung. Die Gegenbewegung im Währungspaar verlief extrem schwach, so dass eine Fortsetzung des Abwärtstrends zu erwarten ist. Insofern ist „Deleveraging“ im Yen weiterhin als intakter Trend anzusehen.
Der Euro/US-Dollar erreichte am Freitag die „runde“ Marke von 1,30 US-Dollar, es bildete sich ein „Doji“ als Indiz eines Patts der Kräfte der Marktteilnehmer. Das Kursziel auf der Oberseite von 1,31 US-Dollar ist damit quasi erreicht worden, so dass ein Rücksetzer zu erwarten ist. Eine obere Umkehr ist noch nicht erkennbar. Die starke Aufwärtsbewegung in den letzten Handelstagen dürfte aber dazu geführt haben, dass die Short-Positionen der Großspekulanten wahrscheinlich komplett oder nahezu komplett aufgelöst wurden und damit die Aufwärtsbewegung an einem vorläufigen Endpunkt angekommen ist.
Fazit: Die Bewegungen am Devisenmarkt sprechen dafür, dass die Marktteilnehmer risikoaverser werden, da die Rohstoffwährungen nicht mehr en vogue sind und sich eine obere Umkehrformation bildet. Die Aufwärtsbewegung des Euros steht ebenfalls nahe an einem Hochpunkt, so dass der US-Dollar(-Index) vor einer Stabilisierung steht.
Metalle: Konjunkturmetalle wie Platin, Silber und Kupfer neigen zur Schwäche, auch Gold folgt mit zeitlichem Abstand und erstmals einem zweiten niedrigeren Preistief im Bereich von 1.215-17 US-Dollar
| Future | Kurs | Veränd. Vorw. |
Positionierung der Commercials | |||
| Netto | Ver. Netto | Ver. Long | Ver. Short | |||
| Gold | 1.211,15 | 19,15 | -248.348 | +794 | -4.980 | -5.774 |
| Silber | 18,22 | 0,41 | -51.214 | +1.153 | +975 | -178 |
| Platin | 1.521,00 | 6,50 | -16.027 | -181 | -362 | -181 |
| Kupfer | 300,95 | 4,95 | -504 | -2.297 | +522 | +2.819 |
Neue kommerzielle Extrem-Positionen liegen in diesem Sektor nicht vor.
Der Goldpreis scheiterte zuletzt immer wieder im Bereich von 1.215-17 US-Dollar. Damit hat sich ein zweites niedrigeres Preishoch ausgebildet. Ein Unterschreiten des Zwischentiefs bei 1.185 US-Dollar lässt eine Fortsetzung der Preisschwäche erwarten, da der Goldpreis dann kurzfristig einen Abwärtstrend ausbildet. Eine zentrale Unterstützung in der zweiten Julihälfte stellt der Bereich um 1.160 US-Dollar dar, da der Aufwärtstrend seit einem Jahr am Ende des Monats Juli dieses Niveau erreichen wird.
Die Marktbreite des Goldpreises ist zuletzt negativ, da der Goldpreis in allen großen Währungspaaren an Terrain verliert und somit mehr preisliche Schwäche erwarten lässt.
Der Platinpreis neigte im Sommer 2008 bereits zur Schwäche, bevor der Goldpreis ein zweites niedrigeres Preishoch ausbildete. In den letzten Wochen neigt der Platinpreis bereits zur Schwäche, dies ist auch für den Goldpreis ein negatives Omen. Die Schwäche des Industriemetalls ist zudem ein Hinweis, dass im Sommer 2010 konjunkturell bereits der Herbst Einzug gehalten hat.
Da Silber ein Industriemetall ist, orientiert sich die Entwicklung des Silberpreises an der Tendenz des Goldpreises, aber auch an der Entwicklung der Wirtschaft (als Vergleichsmaßstab S&P 500). Der Silberpreis besitzt bei 17 US-Dollar eine starke Unterstützung auf der Unterseite, ein Bruch dieser Zone bestätigt eine Toppbildungsformation.
Aus konjunktureller Sicht ist die Preisentwicklung der Industriemetalle wichtig. Sie haben Anfang Juli die frischen Preistiefs des S&P 500 nicht bestätigt und bestätigten zuletzt den Anstieg des S&P 500 nicht mehr, so dass die Entwicklung des S&P 500 eher als eine Art „Snapback“ anzusehen ist und fortan die Assetklassen Aktien und Rohstoffe gemeinsam in dieselbe Richtung tendieren dürften.
Fazit: Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.
Energie: Erdölpreis oszelliert seitwärts zwischen 71 und 79 US-Dollar, weiterer niedrigerer Hochpunkt in Dreiecksformation deutet auf weitere Schwäche hin
Auch bei den Metallen deuten die Charts einen Prozess des „Luftablassens“ an, die Schwäche der Industriemetalle deutet auf Konjunkturschwäche hin. Auch der Goldpreis ist dabei zuletzt nicht mehr der „sichere Hafen“, den er ab Mitte April darstellte. Unterhalb des Bereiches von 1.215-17 US-Dollar ist mit einer Fortsetzung der Schwäche zu rechnen.
| Future | Kurs | Veränd. Vorw. |
Positionierung der Commercials | |||
| Netto | Ver. Netto | Ver. Long | Ver. Short | |||
| Erdöl | 77,15 | 5,17 | -28.042 | +7.027 | +29.287 | +22.260 |
| Erdgas | 4,35 | -0,33 | +123.383 | +12.038 | +8.450 | -3.588 |
Eine neue kommerzielle Extrem-Positionierung liegt in diesem Bereich nicht.
Der Erdölpreis oszilliert in der Bandbreite von 71 und 79 US-Dollar. Der Preischart zeigt sehr erratische Muster, aber keinen Trend an. In der abgelaufenen Woche hat sich ein niedrigeres Preishoch gebildet, damit scheint sich eine Dreiecksformation auszubilden. Eine solche Formation, die in vielen Rohstoffcharts erkennbar ist, kann als Fortsetzungsformation angesehen werden und steht für fallende Preise.
Fazit: Die starke Spekulation ist aus dem Erdölpreis gewichen, bullishe Muster sind jedoch nicht erkennbar, da die Preisentwicklung wie bereits in den Vormonaten sehr erratisch ist und damit sinkende Preise erwarten lässt.
Agrar/Sonstiges: Weizenpreis erreicht kurzfristiges Preisziel
Zwei squeezeartige Bewegungen kennzeichnen den Sektor der Soft Commodities. Erst brach der Kaffeepreis aus einer extrem Verengung der Handelsspanne in Trendrichtung nach oben aus. Bei Weizen konnte in den letzten Tagen ein heftiger Short Squeeze beobachtet werden, der nun zum Ende der Handelswoche einen „Zielbereich“ erreicht hat. Da der Weizenpreis sehr stark positiv mit der Entwicklung des Euro/US-Dollars verbunden ist, ist ein Verkauf der Tradingposition sinnvoll. Das Rückschlagspotential ist nach einem Preisanstieg von 32% in 11 Handelstagen als substanziell anzusehen.
Fazit/Ausblick:
Einige Indikatoren für den US-Aktienmarkt gaben zuletzt antizyklische Kaufsignale (siehe jüngste Merrill Lynch-Fondsumfrage mit der niedrigsten Hedge Fonds Aktiengewichtung seit März 2009). Die Rohstoffpreise hatten die Preistiefs des S&P 500 Anfang Juli nicht bestätigt, zeigten sich aber in den vergangenen Tagen schwach und dürften nun wieder parallel mit den Aktien notieren. Dabei dürfte für die Rohstoffe auch die Entwicklung des Euro/US-Dollars zu einer Belastung werden, dessen Aufwärtsbewegung an einem Endpunkt angekommen sein dürfte. Die Rohstoffwährungen neigen bereits zur Schwäche und deuten eine steigende Risikoaversion der Marktteilnehmer ein, die den „sicheren Hafen“ der Staatsanleihen anlaufen. Das Verhalten der Staatsanleihen – und hier insbesondere das kürzerfristige Ende bis 5 Jahre – sendet durch neue Bewegungstiefs der Rendite bereits das Signal aus, dass Konjunkturschwäche das Thema am Kapitalmarkt bleibt und übergeordnet bekannte Symptome aus dem „Land des Lächels“ auch für die Amerikaner sichtbarer werden.
In der kommenden Handelswoche stehen weiterhin die Berichte der Unternehmen im Vordergrund, auch wenn positive Impulse für den Gesamtmarkt aufgrund des anfangs geschilderten Kursverhaltens nach guten Nachrichten nicht zu erwarten sind. Am Montag abend meldet „Big Blue“ IBM Zahlen, am Dienstag folgt vor Börsenbeginn die ehemals göttlichen Banker von Go(l)dman Sachs, nachbörslich folgt Trendikone Apple (hier beginnt technisch betrachtet die Phase Entzauberung, höhere Handelsvolumina an Abwärtstagen). Am Mittwoch folgt nachbörslich eBay, am Donnerstag nachbörslich American Express und Microsoft.
Wenn die Unternehmensergebnisse keine positiven Impulse für den Aktienmarkt bringen können, dann sind andere Faktoren bestimmender. Am Mittwoch wird Ben Bernanke seine übliche halbjährliche Rede halten und das Interesse der Investoren wird darauf abzielen, wann und ob neue Konjunkturmaßnahmen getroffen werden. Da die FED bereits über Konjunkturmaßnahmen bei der jüngsten Sitzung Ende Juni sprach, stellt dieser Aspekt die Hoffnung der Investoren für eine neuerliche reflatorische Bewegung dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bernanke deutlich an die Politiker wendet und neue Konjunkturmaßnahmen fordert, erscheint aber ziemlich unwahrscheinlich, der Ausblick der FED an die Zukunft ist viel zu optimistisch, um neue Maßnahmen zu rechtfertigen. Insofern sollten Erwartungen an neue Konjunkturmaßnahmen enttäuscht werden.
Aus europäischer Sicht wird am Freitag der Stresstest publik gemacht, am Mittwoch trifft sich EZB-Präsident Trichet bereits mit den CEOs der größten europäischen Banken. Interessant an diesem Termin ist nicht, welche Bank den Test nicht besteht – die Parameter des Stresstestes wurden so ausgewählt, dass die Banken ihn bestehen -, sondern wie viele Banken Kapitalmaßnahmen durchführen sollen. In den USA führte etwa die Hälfte der Banken in den folgenden Monaten Kapitalerhöhungen durch.
Ein Hinweis in eigener Sache: Ab kommender Woche (KW 29) übernimmt Robert Rethfeld nach dem Sommerurlaub wieder die täglichen Ausgabe, die in pdf-Form erscheinen wird. Alle Charts zu Marktstrukturdaten, CoT-Daten etc. werden ab Montag aktualisiert sein.
Absacker:
Ein besonderes Schmankerl der Mainstreammedien ist das Interview der FTD mit John Taylor, Chef des weltgrößten Devisen-Hedge-Fonds, der mit seinen 66 Jahren Lebenserfahrung interessante Ansichten über die Rolle der Politik, die Entwicklung Griechenlands und über Euro und Renminbi vertritt.