23.01.08-Wellenreiter Frühausgabe/ FED senkt außerplanmäßig um 75 Basispunkte, DAX und US-Aktien im Fokus
Der gestrige Handelstag in Asien, aber auch in Deutschland besaß bereits leicht panische Kennzeichen. Die Medien haben das Thema gerne aufgenommen, der Kursrutsch an den Finanzmärkten war in der BILD-Zeitung präsent, der lokale Radiosender, aber auch das RTL Nachtjournal hatte die Börsenentwicklung als Thema Nummer Eins des Tages.
Heute morgen konnte man dann größere Kursverluste in Asien, hier vor allem in Hongkong mit -8,5% oder in Indien beobachten, dort wurde der Handel bei -10% wenige Minuten nach Beginn des Handels direkt eine Stunde unterbrochen.
Das passende Bild des Tages hat dann in meinen Augen auch die BILD veröffentlicht.
Zum Intradaytief heute morgen hatte der DAX 20% Wertverlust verzeichnet, nach gerade einmal 3 Wochen ist damit eine Jahresrendite erzielt worden…nur eben auf der falschen Seite für die Fondsmanager. Ich hatte bei meinem Hinweis auf die Jahresprognosen bereits hingewiesen, dass sich der Markt gerne auf der Seite dann “austobt”, wo ihn kein Analyst mehr erwartet. Unter 7.500 Punkten lagen keine Schätzungen mehr…bei den Amerikanern war die Unterseite im S6P 500 unter 1.450 Punkten offen.
In lediglich 6 Handelstagen hat sich der DAX ausgetobt, die Disziplin der Fondsmanager mit Stopp-Loss-Limiten ist enorm. Dies liegt sicherlich auch daran, dass in diesem Jahr kein Speck bei der Performance existiert, sondern vom ersten Handelstag die Jahresbilanz negativ ist. Bei einer gleichzeitig negativen Konjunktureinschätzung und im Umfeld negativer Nachrichten fiel die Entscheidung leicht: Aktien raus, Cash rein. Kommen wir damit zum positiven: Der DAX hat damit das nachgeholt, was der Euro/Yen nahelegte, nämlich wie beim Monopoly zurück auf “Los”, auf das Niveau vom März 2007.
Ein Blick auf die Umsätze im DAX zeigt an, dass die Umsätze deutlich höher als im August 2007, aber auch als im März 2007 bei der kurzen und scharfen Korrektur war.
Ein solch extremes Handelsvolumen zeigt an, dass der Markt bereinigt ist, im Zusammenhang mit dem positiven weißen Kerzenkörper liegt eine Umklehrformation im DAX vor. Würde ich den DAX isoliert betrachten, dann würde ich bereits heute sagen, dass das Jahrestief 2008 mit 90%iger Wahrscheinlichkeit heute gebildet wurde.
Das extrem hohe Handelsvolumen konnte man heute auch in einer Vielzahl von Aktien beobachten, sowohl im DAX, aber auch bei vielen MDAX- und TecDax-Werten, ein solch starkes Interesse zeigt deutlich, dass die Investoren auf dem gedrückten Niveau wieder “Wert” in den Aktien sehen. bei einigen Werten waren es mit Sicherheit auch die Nöte von Anlegern, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hatten.
Das Beispiel der Aktie der Deutschen Bank zeigt dies bei den Volumina idealtypisch an, wie das Interesse bei fallenden Kursen zunimmt und heute dann ein Umkehrmuster mit einer Umsatzspitze erfolgt. Die Intradayvolatilität der Aktie betrug 10,32 Euro, vom Tief aus sind dies ca. 14%! Bei vielen Aktien lagen die Volatilitäten in der Spitze sogar bei 30-40%. Eine richtige Bodenbildung ist dies nicht, dafür müssen sich die Volatilitäten wieder zurückbilden. Eine “V”-förmige Erholung war etwas, was wir im März 2007 angenommen hatten. Damals hatten wir Rekordangstspitzen UND einen intakten Aufwärtstrend. Dies ist momentan auch der entscheidende Unterschied zu der Preisschwäche im Juli/August 2007, damals hatte sich die Marktbreite zwar bereits verschlechtert, aber der Trend war weiterhin völlig intakt. Da dies im Januar 2008 nicht der Fall ist, sondern sich Abwärtstrends gebildet haben und das Verhalten der Aktien zuletzt deutlich ein Bärenmarktverhalten anzeigte (Stärke wurde verkauft, Gegenbewegungen blieben aus), ist ein “Hochschießen” der Aktien wenig wahrscheinlich, solange sie nicht eine gewisse Bodenbildung gebildet haben und niedrigere Volatilitäten ausbilden, die anzeigen, dass sich der jüngste Sturm gelegt hat. Die Gegenbewegung auf die großen Kursverluste hat noch Chancen auf
Am Nachmittag erfolgte dann die außerplanmäßige Leitzins- und Diskontsatzsenkung der FED, sie senkte um 75(!) Basispunkte die Zinsen. Ein solcher Zinsschritt erfolgte zuletzt in der ersten Hälfte der 80iger Jahre, als der Leitzinssatz noch im zweistelligen Prozentbereich notierte. Ein solch außergewöhnlich große Leitzinssatzsenkung wirft sicherlich eine Menge an Fragen auf, gerade dann, wenn man sich vor Augen hält, dass Bernanke bis dato im Oktober und Dezember doch zauderte und keine sooooo großen Probleme gesehen hatte. Insofern reagierte er heute auf die sehr schwachen Vorgaben aus Asien ähnlich wie am 17.08. Damals waren es 50 Basispunkte, die Zinssenkung war damals völlig überraschend, heute waren es gar 75 Basispunkte. Der Aktienmarkt war damals sicherlich stark überverkauft, die Angst war extrem groß, so dass die Aktion ihre Wirkung nicht verfehlte. Der Unterschied zu heute lag darin, dass damals im Vorfeld ein Rekordvolumen und eine Preisumkehr bereits am Vortag zu beobachten war, zudem war der Trend der Aktienmärkte noch aufwärts gerichtet.
Ein Blick auf die Marktstrukturdaten des 22.01.2008:
Dow Jones Industrial 11.971 -128
S&P 500 1.310 -14
Nasdaq 100 1.795 -48
Neue Hochs 32
Neue Tiefs 1.102
Aufwärtsvolumen 43%
Gesamtvolumen 6,5 Mrd
PCR CBOE 1,20 GD 10 1,19
PCR Equity 0,72 GD 10 0,84
PCR OEX 1,75 GD 10 1,13
PCR ISE 105
VIX 31,01 +14,09%
Im Plus notierte der Bankensektor mit +3,29%, die Broker mit +2,23%, die REITs mit +3,22% und der Einzelhandel mit +5,33%. Alles Branchen, die zum einen von deutlich fallenden kurzfristigen Zinsen profitieren und zudem auch im Verdacht stehen, dass hier am ehesten der Bedarf an Short-Eindeckungen groß ist. Der einzige Sektor, der dann noch aus der Rolle fällt im positiven Sinne, ist der Goldsektor, der XAU legte um 2,11% zu. Von 17 Uhr an lief der Dow Jones Industrial Average nur noch seitwärts in einer allerdings relativ großen Handelsspanne von 200 Punkten, so dass der heutige Handelstag kein starker Trendtag war (dies wäre der Fall gewesen, wenn er von links unten nach rechts oben gehandelt hätte). Dieses Verhalten zeigte zumindest an, dass kein starker Kaufdruck vorhanden war und die Nöte der Marktteilnehmer damit nicht auf der Oberseite lagen.
Beim Volumen anhand des S&P Spiders kann man ein insgesamt sehr hohes Volumen erkennen, es reicht jedoch NICHT an August 2007 heran und liegt auch nur marginal über dem Donnerstagsniveau. Angesichts deutlich niedrigerer Preise als am Donnerstag hätte man sich einen stärkeren Volumensanstieg wünschen dürfen. Im August fielen die Preise um 10%, nun um 20% und das Interesse stieg trotzdem nicht so stark an wie damals. Damals setzte sich die Kurserholung nach einem 90% Aufwärtstag einige Tage noch fort, dann erfolgte eine Gegenbewegung nach unten.
Bernankes Zinssenkung hat den US-Dollar wieder geschwächt, aufgrund der positiven Korrelation zwischen Euro/USD und Gold (siehe Montagsausgabe) profitiert das Gold davon. Aktuell befindet sich der Goldpreis in dieser potentiellen Flaggenformation am oberen Ende.
Auffällig am heutigen Handelstag ist die Anzahl neuer Tiefs, die auf über 1.100 angestiegen ist, diese Extremzahl deutet auf ein Preistief hin. Ein solch großes Gap down wie heute erschöpft zudem zunächst die Abwärtsbewegung, eine Fortsetzung der Preisschwäche in dem starken Preistrend ist somit zunächst nicht wahrscheinlich, es handelt sich zumindest um ein kurzfristiges Preistief. Eine Leitzinssatzsenkung der FED bedeutet jedoch nicht zwangsläufig auch ein großes mittelfristiges Preistief, wenngleich dies zuletzt im August 2007 anders war. Im Abwärtstrend des Jahres 2001 waren dies immer nur kurzfristige Preistiefs, die zu Gegenbewegungen führten. Die relative Schwäche der Nasdaq mit einem Minus von 2,6% werte ich negativ, die Risikobereitschaft der Investoren ist noch nicht erkennbar gestiegen. Auch im USD/Yen ist eher ein Stillstand zu beobachten, so dass die heutige Bewegung ohne Zweifel ein Indiz für ein kurzfristiges Preistief darstellt. Möglicherweise wird dies auch nicht mehr großartig unterschritten werden, da die Indizes im “Zielbereich” angekommen sind. Ein richtiger Ausverkauf beim Volumen wie im DAX und damit eine relativ extreme Bereinigung ist in den USA nicht zu beobachten, die Angstlevels des heutigen Tages lagen bedingt durch die Zinssenkung nicht auf einem extremen Niveau. Um zu einer positiveren Sichtweise über den Tellerrand des Daytraders hinauszublicken, bleibt festzuhalten, dass ein Aufwärtstag mit einem Handelsvolumen von über 90% nun in Kürze (idealerweise morgen oder zumindest übermorgen) folgen müsste, um auch in den USA zu erkennen, dass die Investoren in den Aktien wieder einen “Wert” erkennen, der dann eine Aufwärtsentwicklung über einen längeren Zeitraum begünstigen würde. Ein anderer Aspekt, auf den ich nun verstärkt achten werde, ist der Umstand, ob sich das Verhalten der Investoren ändert. Im Dezember wurde nach dem FED-Meeting uns bis letzte Woche jegliche Stärke verkauft, das Vertrauen in die Bernanke-FED war nicht groß. Wenn nunmehr Schwäche gekauft werden wird ab dem heutigen Tag, dann wäre dies ein Zeichen dafür, dass die Investoren wieder zuversichtlicher für die kommenden Monate werden. Wenn die großen Investoren nicht “mit Macht” einsteigen, dann vielleicht langsam und sukzessive…Eine solche Entwicklung benötigt jedoch Zeit. Da eine Bestätigung für eine größere Umkehr in den USA noch aussteht, bleibt die Einschätzung zunächst noch auf bearish bestehen.
Die Volatilität wird zunächst erhalten bleiben, man darf schon einmal überlegen, was die FED in der kommenden Woche beschließen wird. Das “Erfolgsmuster” ist dabei klar zu beschreiben: Eine Schwäche am Aktienmarkt bringt die FED zum REAGIEREN.
Mit der Donnerstagsausgabe geht es dann wieder in gewohnter pdf-Form weiter, aufgrund der späten Rückkehr Robert Rethfelds von einer Tagung in Zürich kann die Veröffentlichung ein paar Minuten später als gewohnt erfolgen. Eine Aktualisierung der Marktstrukturdaten dürfte aber morgen früh vor Handelsbeginn erfolgen.