14.04.08- Verkürzter Marktkommentar
Der Blick auf die CoT-Daten vom 08.04.2008 zeigt kaum Positionsveränderungen in nennenswertem Umfang auf.
„As GE goes, so goes the economy“- das war letzte Woche die Aussage im Ausblick für die kommende Handelswoche.
General Electric ist eine der Schönwetteraktien der Boomphase und stark im Finanzgeschäft tätig. Inwiefern die Investoren daher von einer Gewinnwarnung überrascht werden, ist eine Frage, die rational nur schwer zu erklären ist. Technisch betrachtet kostet sie den Europäer 20,50 Euro, zu diesem Preis konnte man sie im ersten Quartal 2003 oder in der Asienkrise 1998 oder zuvor 1997 kaufen, aus amerikanischer Sicht ist bei einem Preis von 32 US-Dollar die Bilanz nur wenig positiver, sie notiert aber deutlicher oberhalb der Preistiefs von 2002. Insofern zeigt diese Aktie die verlorene Dekade der Amerikaner gut an. Das Verhalten der Aktie zeigt aber an, dass nicht alle schlechten Nachrichten bereits eingepreist sind, eine ähnlich negative Tageskerze konnte man zuletzt nach 09/11 beobachten. Die Berichtssaison ist wie vor zwei Wochen im Ausblick für den April als ein Belastungsfaktor für die US-Aktienmärkte zu sehen, eine Schwächeperiode ist wie zuvor im Juli/Oktober 2007 sowie im Januar 2008 zu beobachten, die sich auch in der kommenden Woche fortsetzen wird.
Die Vertrauenskrise spiegelt sich mittlerweile auch im täglichen Handelsvolumen wider, dieses ist deutlich unterproportional, so dass die Marktteilnehmer anscheinend eine „wait and see“-Politik verfolgen. Ohne ausreichendes Kaufinteresse kann der Aktienmarkt aber nicht steigen, insofern hinterlässt das sehr niedrige Handelsvolumen kurzfristig betrachtet eine bearishe Fussnote in den Charts. Mittelfristig betrachtet ist das Volumen bereits im Märztief fallend gegenüber Januar gewesen und kann insofern auch als eine ausgedehnte Bodenbildungsphase angesehen werden. Auch das sehr niedrige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan am Freitag passt in ein solches Bodenbildungsszenario.
Das Abwärtsvolumen von 90% am vergangenen Freitag negiert das positive Marktmomentum der Aufwärtstage vom März und deutet damit übergeordnet weiteres Schwächepotential an, da die Bewegung nicht nach einer längeren Abwärtsphase als Erschöpfung der Abwärtsbewegung anzusehen ist.
Im S&P 500 ist der Abwärtstrend weiterhin intakt, nach einem dritten niedrigeren Hochpunkt und einem Scheitern an dem flachen Abwärtstrend via Fehlausbruch auf der Oberseite am vergangenen Montag richtet sich der Blick nun wieder auf die Unterseite (drittes Preistief?).
Der Bankensektor zeigt weiterhin keine relative Stärke, auch der nominale Chart zeigt momentan angesichts der intakten Sequenz fallender Hochpunkte keine neuen positiven Ansätze. Da die Banken in dieser Woche zahlreich ihre Ergebnisse melden werden, dürfte sich am mittelfristigen Bild in dieser Woche möglicherweise eine Veränderung ergeben. Würde der Ratiochart neue Tiefs erzielen, wäre dies negativ für den Gesamtmarkt anzusehen.
Im Nasdaq 100 ist noch eine Kurslücke bei 1.750 Punkten offen, diese dürfte in den kommenden Handelstagen geschlossen werden. Die Aufwärtsbewegung vom Märztief hinterlässt damit einen korrektiven Eindruck in den Charts – sie umfasste lediglich eine Dauer von 13 Handelstagen, so dass noch ein weiteres neues Preistief in diesem Index nicht auszuschließen ist.
Der US-Dollar/Yen ist im Positivszenario in einer Bodenbildung begriffen, die Gegenbewegung konnte bis dato nicht überzeugen und wirkte korrektiv. Eine Bodenbildungsformation ist noch nicht erkennbar.
Die Entwicklung des US-Dollars ist das Sinnbild der Krise Amerikas. Die G7 haben am Wochenende zwar ihre Besorgnis gegenüber den Währungsentwicklungen zum Ausdruck gebracht, die Preischarts zeigen trotz des Gap downs am Morgen noch keine Trendwende an. Die Bereitschaft der Politik, an dieser Stelle verbal zu intervenieren, ist jedoch immerhin ein erster Schritt für eine künftige Dollarstabilisierung anzusehen. Am Ende eines Trends sollte eine gewisse Spekulationsschlagseite vorhanden sein, dies ist weiterhin nicht der Fall. Charttechnisch lässt sich zwar ein potentielles Dreifachhoch erkennen, aber die Formation wirkt wie der Zeitraffer der Korrektur im November-Februar. Erweist sich dieser Gedanke als zutreffend, dann ist zum einen eine weitere deutliche Trendbewegung auf der Oberseite zu erwarten, zum anderen handelt es sich um erste Anzeichen für eine nahende Erschöpfung des Trends, die dann im Laufe von Q 2 2008 zu erwarten ist. Vorerst muss man weiterhin annehmen, dass eine Bodenbildung des US-Dollars noch nicht auf dem aktuellen Preisniveau erfolgen wird.
Die Edelmetalle hängen an der Entwicklung der US-Währung, zeigen aber jüngst Schwächen. Bei neuen Dollartiefs dürften die Edelmetalle aber noch einmal profitieren.
Solange das Vertrauen der Investoren nicht wieder deutliche Verbesserungmerkmale aufweist, solange sind die Staatsanleihen der „sichere Hafen“ und damit der „Anti-Aktien-Index“. Die kurzfristigen Zinsen sind in den USA bereits wieder auf dem Rückzug (1,16%), insofern sollte man annehmen, dass die FED die Zinsen bereits im April um weitere 50 Basispunkte senken dürfte.
Die Einschätzungen bleiben insgesamt für alle Märkte unverändert.
Bei den Terminen der Woche ist an erster Stelle die nun mit Volldampf beginnende Berichtssaison zu nennen. Während der Berichtssaison sind im US-Aktienmarkt zahlreiche Gaps zu Beginn des Handels üblich. Am Dienstag nach Börsenschluss wird Intel Corp als Marktführer bei den Halbleiterwerten berichten, am Mittwoch abend nach Börsenschluss u.a. IBM und eBay, am Donnerstag abend dann Google. Der Blick der Investoren wird sich zudem sehr stark auf die Banken richten, J.P.Morgan meldet am Mittwoch die Ergebnisse für das erste Quartal, am Donnerstag Merill Lynch, die Citigroup folgt zum Abschluss der Woche. Bei den Banken geht es momentan nur um die Höhe der Abschreibungen und inwiefern der Ausblick einen Funken Hoffnung auf bessere Zeiten erkennbar lassen wird. Zuletzt führten schlechter als erwarteten Zahlen zu Kurszuwächsen, da die Hoffnung erkennbar war, dass das schlimmste der Kreditkrise vorüber sei. Nach den jüngsten Äußerungen aus der Politik, die kein schnelles Ende der Krise verkünden, steht diese Haltung des „Buy on bad news“ in dieser Woche auf einem wirklichen Prüfstand.
Darüber hinaus stehen Daten zur Veröffentlichung bei der Preisentwicklung auf der Agenda, am Dienstag die Erzeugerpreise, am Mittwoch die Verbraucherpreise. Da die FED dem Kampf gegen die wirtschaftliche Schwäche die größte Priorität zugesprochen hat, ist die Veröffentlichung des Beige Book am Mittwoch abend von größerer Bedeutung, da die Investoren weitere Leitzinssatzsenkungen antizipieren dürften- die nächste davon auf der regulären Sitzung Ende April. Als Konjunkturzahl wird zudem am Donnerstag der Philly FED Index veröffentlicht werden.