Wellenreiter-Kolumne vom 21. August 2012
Die letzte Phase hat begonnen
Nachfolgend ordnen wir den Stand des US-Wirtschaftszyklus ein. Wir
betrachten zwei Modelle. Erstens das Modell von Stockcharts.com; zweitens
das Zyklenmodell von Martin Pring („All-season Investor)“.
Die vier Elemente Verbrauchervertrauen, Industrieproduktion, Zinsen und
die Zinskurve werden von Stockcharts.com als Elementarfaktoren für die
Standortbestimmung des US-Wirtschaftszyklus angesehen.

Quelle:
http://www.stockcharts.com/charts/performance/SPSectors.html
Das US-Verbrauchervertrauen ordnen wir irgendwo in der Mitte zwischen
"fallend" und "scharf fallend ein". Der Rückfall in die Range der
"gefühlten Rezession" ist auffällig (folgender Chart).

Die US-Industrieproduktion steigt mit einer Wachstumsrate von 4 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein positiver Wert. Die Zinsen fallen nicht
mehr, sie befinden sich in einer Phase der Bodenbildung. Die Zinsen
ordnen wir daher mit „fallend“ ein. Die Zinsstrukturkurve flacht ab – als
Folge niedriger Zinsen am langen Ende.
Zwischenfazit: Im Gesamtbild weisen die Faktoren im Mix auf eine
„Spätphase der Erholung“ hin.
Der Autor Martin Pring unterteilt den Wirtschaftszyklus in sechs Phasen.
Kurz nach Beginn der Rezession sollte man in Bonds investiert sein (Phase
I). Inflation und Zinsen überschreiten in dieser Phase ihren Höhepunkt.
Steigende Bonds (fallende Zinsen) beginnen, die Wirtschaftstätigkeit
anzuregen. Es folgt die zweite Phase, in der die Aktienmärkte interessant
zu werden beginnen. Die verbesserte Gewinnsituation der Unternehmen, die
erhöhte Industrieproduktion sowie die verbesserte Kapazitätsauslastung
zeigen, dass die Nachfrage in Gang kommt. Unternehmen erhalten ihre „Pricing
Power“ zurück und regen die Inflation an.

Quelle:
www.pring.com
Als Folge beginnen die Rohstoffe („Commodities“) zu steigen (Phase III).
Zum Thema Gold schreibt Pring, dass Gold und Goldaktien ein spezieller
Fall sind und in der Regel zeitlich vor den anderen Rohstoffen drehen. In
der vierten Phase – es ist die erste Phase der Erholung – toppen die Bonds
als Folge des erhöhten Inflationsdrucks aus, in der fünften Phase erzielen
die Aktien ihr Hoch, u.a. weil sich die Kredite verteuern und dies
Auswirkungen auf die Gewinnsituation hat. Die sich verringernde
Verbraucher-Nachfrage führt schließlich zum Ende des
Rohstoff-Bullenmarktes (Phase VI).
Wir betonen, dass die Darstellung des Wirtschaftszyklus nicht immer diesem
idealisierten Zustand entspricht. Aber wenn man sieht, mit
welchen Volumina derzeit beim Edelmetall Platin zugegriffen wird (siehe
Kreis folgender Chart), dann kann man nur der Meinung sein, dass sich der
Konjunkturzyklus in eine Phase steigender Rohstoffpreise hinein bewegt.

Auch die anderen Edelmetalle steigen, der Sprit-Preis an den Tankstellen
befindet sich in Europa auf einem Rekordhoch (in den USA noch nicht ganz).
Die Agrarpreise laufen schon seit einigen Monaten voraus.
Fazit:
Das Top eines "Business Cycle" bildet sich auf dem
Höhepunkt einer inflationären Bewegung. Das bedeutet: In der letzten Phase
des Anstiegs zeigen diejenigen Aktien relative Stärke, die von Inflation
profitieren (z.B. Minen, Energie). Die Rohstoffrallye nimmt Fahrt auf.
Anleihen haben in einer solchen Phase ihren Hochpunkt bereits
überschritten. Die letzte Phase des Konjunkturzyklus dürfte begonnen
haben. Aktienmärkte und der Konjunkturzyklus bewegen sich selten
deckungsgleich. Erst kippen die Anleihen-, dann die Aktien- und dann die
Rohstoffmärkte. Der Dominostein "Anleihen" dürfte bereits gekippt sein
(Juli-Hoch). Der Aktien- und der Rohstoffmarkt knobeln den nächsten
Dominostein aus. Meist ist es der Aktienmarkt, der sich zuerst aus der
Aufwärtsbewegung verabschiedet (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Antizipieren Sie die Entwicklung der Finanzmärkte mit Hilfe unserer
handelstäglichen Frühausgabe.
Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest
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